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Wien und Brüssel : Entwarnung nach Verdacht auf Vogelgrippe

  • Aktualisiert am

Kampf gegen die Vogelgrippe in Istanbul Bild: dpa/dpaweb

Sowohl in Wien als auch in Brüssel konnte bei Patienten, die aus der Türkei zurückgekehrt waren und mit Grippesymptomen in Krankenhäuser eingeliefert wurden der Vogelgrippe-Virus H5N1 nicht nachgewiesen werden.

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          Bei Patienten in Wien und in Brüssel sind bei Patienten, die gerade aus der Türkei zurückgekehrt waren, mit Grippesymptomen in Krankenhäuser eingeliefert worden. In beiden Fällen konnte der Vogelgrippe-Virus H5N1 aber nicht nachgewiesen werden.

          Zuvor waren bei einem der türkischen Opfer der Vogelgrippe eine mutierte Variante des Virus H5N1 gefunden worden, die leichter an menschliche Zellen andocken kann. Die Gefahr einer Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch sei dadurch aber nicht erheblich gestiegen, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Dieselbe Mutation ist schon seit längerem aus Asien bekannt und hat auch dort bisher nicht zu einer erhöhten Pathogenität des Virus geführt.“

          Anschein schneller Ausbreitung trügt

          Der Anschein einer besonders schnellen Ausbreitung der Vogelgrippe in der Türkei trüge, sagte Kurth. Vielmehr müsse die Krankheit das Land schon vor Wochen bis Monaten, vermutlich zur Zeit des Vogelzugs im Oktober, erreicht haben.

          Ein mit Verdacht auf Vogelgrippe in das Brüsseler Universitätsklinikum Saint-Pierrere a ufgenommener Patient leide nach ersten Testergebnissen nicht an der Krankheit. Dies erklärte Gesundheitsminister Rudy Demotte am Samstag. Der aus Brüssel stammende Patient sei vor zwei Tagen aus der Türkei zurückgekehrt, wo er sich in einer Region aufgehalten habe, in der der für den Menschen gefährliche H5N1-Virus nachgewiesen worden sei.

          18 bestätigte Fälle in der Türkei

          Die Staaten der Europäischen Union haben in den vergangenen Wochen ihre Kontrollen an den Grenzen und bei Reisebussen verstärkt, um die Einfuhr von Geflügel oder anderen mit dem Virus möglicherweise infizierten Dingen zu verhindern.

          In der Türkei sind bereits Dutzende Verdachtsfälle aufgetreten. Bei 18 Menschen wurde eine Infektion mit dem potenziell tödlichen H5N1-Virus bestätigt. Bei allen achtzehn gehen die Behörden davon aus, daß sie direkt in Kontakt mit infiziertem Geflügel gekommen waren.

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die türkische Regierung um Erlaubnis gebeten, ihre Untersuchungen auszudehnen. So sollen in den betroffenen Dörfern Blut und Schleimhautabstriche von Einwohnern getestet werden, um mögliche Übertragungswege und Risikogruppen zu identifizieren.

          Berlin weist Schnappauf-Kritik zurück

          Warnungen von Bayerns Gesundheitsminister Werner Schnappauf (CSU) vor Versäumnissen bei der Vorsorge gegen die Vogelgrippe sind vom Bundesgesundheitsministerium zurückgewiesen worden. Ein Ministeriumssprecher sagte am Samstag in Berlin, auch der bayerische Minister wisse „sehr genau“, das „alle nötigen Vorbereitungen“ zur Entwicklung von Impfstoffprototypen getroffen seien. „Das Thema Impfstoff gegen eine Pandemie eignet sich nicht zur persönlichen und parteipolitischen Profilierung“, hieß es.

          Schnappauf wurde von der „Welt am Sonntag“ zitiert, es gebe zwar keinen Grund zur Panik, die Vorsorge gegen eine weltweite, menschliche Grippeepidemie müßte aber vorangetrieben werden. Er habe Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) schriftlich aufgefordert, „bei der Impfstoff-Vorsorge einen Gang zuzulegen“. Die Bundesregierung müsse sich „mit aller Entschlossenheit“ die Produktionskapazitäten für antivirale Impfstoffe bei den beiden Hersteller-Firmen sichern, sagte Schnappauf, damit die Bevölkerung mit der ersten Charge des Impfstoffs versorgt werden könne.

          Für Schnappauf besteht nach neuen Meldungen über Veränderungen des Vogelgrippe-Virus zusätzlicher Handlungsbedarf: „Wir müssen von der Bekämpfung der Tierseuche zur Vorsorge für eine mögliche Menschengrippe kommen.“ Um die Menschen ausreichend zu impfen, seien 160 Millionen Dosen Impfstoff notwendig.

          Der Präsident des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter, hält die geplanten Maßnahmen für den Fall eines Ausbruchs von Vogelgrippe bei deutschen Geflügelzüchtern derweil für ausreichend. Das zeige die erfolgreiche Eindämmung der Vogelgrippeerregers H7N7, der 2003 von Holland kommend nur das Geflügel eines einzigen Hofs bei Viersen befallen hatte, sagte Mettenleiter. „Die Pläne müssen vor allem schnell umgesetzt werden - im Fall eines Falles entscheiden die ersten 24 Stunden.“

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