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Ernährungsstreit : Die Hysterie um die Milch

Die Frage des Übergewichts

Was die Frage des Übergewichts angeht, „interpretieren“ die Autoren die Studienergebnisse sogar als Hinweis auf eine leichte protektive Wirkung der Milch vor Adipositas. Sie betonen allerdings die ihrer Meinung nach unzureichende Qualität mancher Studien. Definitiv kommt das Bundesinstitut aber nicht zum Schluss, dass Milch per se dick macht.

Bleibt von den Zivilisationskrankheiten Diabetes mellitus Typ 2. Milchgegner argumentieren hier mit der sogenannten „Leucin-Hypothese“. Diese besagt, dass der hohe Verzehr von tierischen Proteinen zu einer hohen Aufnahme der Aminosäure Leucin führe und dies eine der Ursachen für die Entstehung von Diabetes Typ 2 sei, da Leucin Wirkung auf die Bauchspeicheldrüse hat.

Gefährlicher Trank: Statt gesund soll Milch heute angeblich dich und kränklich machen.

Das Max Rubner-Instituts kennt diese Hypothese und schreibt: Insgesamt stelle die Fülle an überzeugenden epidemiologischen sowie an tierexperimentellen Daten, die starke Hinweise auf die präventive Wirkung von Milchprodukten vor Diabetes 2 geben, die praktische Relevanz dieser Hypothese in Frage. Letztlich kommt das Institut zu dem Schluss, dass ein erhöhter Verzehr von Milch und Milchprodukten mit einem verringerten Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 verbunden sei.

Auch vor der angsteinflößenden Diagnose Krebs machen Milchgegner nicht Halt. Ihre Hauptargumente: Wachstumsfaktoren in der Milch, die Kühe ihren Kälbchen weitergeben sollen, rufen im menschlichen Körper Zellwachstum und damit Tumore hervor. Unter anderem geht es dabei um den Wachstumsfaktor IGF-1. Zumindest zu diesem lässt das Max Rubner-Institut verkünden: In der bisher einzigen am Menschen mit Kuhmilch durchgeführten kontrollierten Interventionsstudie könne kein intaktes IGF-1 aus Kuhmilch im Blut des Menschen nachgewiesen werden.

Krebserregende Substanzen

Das zweite Krebs-Argument: In Düngemittel und im Futter von Kühen befinden sich krebserregende Substanzen wie Aflatoxine. Das Schimmelpilzgift Aflatoxin könne bei längerer, regelmäßiger Aufnahme Nieren- und Leberkrebs hervorrufen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bestreitet das nicht, sagt aber: Neben Futtermittel können Aflatoxine auch auf Nüssen, Pistazien, Obst, Reis, Mais und Soja sitzen. Sie sind hitzestabil und werden beim Kochen oder Backen nur zu einem geringen Teil zerstört. Soja ist ein Hauptbestandteil veganer Ernährung.

Im Futter von Kühen befinden sich krebserregende Substanzen. Das Schimmelpilzgift Aflatoxin kann bei längerer, regelmäßiger Aufnahme Nieren- und Leberkrebs hervorrufen.

Was die Diagnose Krebs angeht, stellt das Max Rubner-Institut am Ende zusammenfassend fest: Milch und Milchprodukte können das Krebsrisiko beeinflussen. Der Absenkung des Dickdarmkrebsrisikos durch vermehrten Milchkonsum steht eine Erhöhung des Prostatakrebsrisikos entgegen. Für Frauen heißt dies unterm Strich, der Verzehr von Milch und Milchprodukten kann Dickdarmkrebs vorbeugen. Für Männer kommt es auf die Verzehrmengen an. Eine tägliche Aufnahme von 35 Gramm Milchprotein, was einem Liter Milch oder 120 Gramm Hartkäse entspricht, kann das Prostatakrebsrisiko erhöhen. Für alle anderen Krebsarten gibt es laut dem Institut keinen Hinweis auf eine Risikoerhöhung.

Besonders Jugendliche bekommen bei Pickeln im Gesicht häufig von Eltern gesagt: Trink weniger Milch. Und tatsächlich, hier stimmt die Wissenschaft dem Rat so mancher Mutter zu. Forscher sehen einen Zusammenhang, wobei ihnen nur wenige Hinweise und Belege vorliegen. Als Auslöser haben sie Inhaltsstoffe in der Milch wie Hormone oder Wachstumsfaktoren im Blick. An schlüssigen Hypothesen sowie kontrollierten Studien fehle es allerdings.

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