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Motivierende Erziehung : Ist doch Standard!

Gewisse Dinge funktionieren nicht ohne eigenen Impuls

Aber in diesem Fall geht es um Interessen. Man kann doch kein Kind, das partout nicht will, jede Woche zum Schwimmkurs schleifen. Es sträubt sich ja schon, wenn es ins Auto steigen soll, heult, wenn man ihm den Pulli über den Kopf zieht, und klammert sich dann ans Elternbein, anstatt ins Becken zu steigen. Gewisse Dinge funktionieren nicht ohne einen Funken eigenen Impuls. Ich habe maximales Engagement und überirdische Geduld aufgebracht, um meine Tochter zur musikalischen Früherziehung zu karren. Nachdem wir ein Dreivierteljahr auf den Platz gewartet hatten, habe ich mich jeden Freitag extrafrüh bei der Arbeit verdrückt und auf dem Weg von der Kita bis zur Musikschule mit Engelszungen auf die Kleine eingeredet. Manchmal saßen wir trotzdem einfach vor der Tür, bis die Stunde vorüber war. Den kleinen Bruder habe ich dann lieber nicht mehr angemeldet.

Schon bevor sie sprechen konnten, haben meine Kinder mir beigebracht, dass sie Persönlichkeiten sind und keine formbare Masse, die unter dem Eindruck erzieherischen Knetens die Gestalt meiner Wünsche annimmt. Eltern haben die Aufgabe, dieser Persönlichkeit mit Neugier zu begegnen und ihr zur Entfaltung zu verhelfen - individuelle Talente und Neigungen inklusive. Natürlich habe ich für meinen Sohn einen Fußballverein gefunden, der schon Vierjährige aufnahm, weil Kicken ihn schon damals glücklich machte. Auch jetzt noch, mit acht, kutschiere ich ihn zum Training und schlage die Zeit tot, bis ich ihn wieder abholen kann. Samstag früh, halb neun, Fußballplatz, Punktspiel? Kein Problem.

Aber habe ich nicht die Verantwortung, ihn darüber hinaus an Dinge heranzuführen, die ich für ihn für wichtig halte? Ihm etwas abzuverlangen, für das er mir später dankbar sein wird? Auch ohne Superspaß? Musizieren ist nicht nur eine Kulturtechnik. Erwiesenermaßen stärkt es die Verbindung zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte und fördert so räumliches Sehen, Wortgedächtnis, Syntax. Etablierte Hobbys, gerade im Verbund mit netten Gleichgesinnten, tragen Teenager durch die holprige Zeit der Pubertät. Und wer früher anfängt, hat später mehr Freude: Ich selbst habe mir erst als Jugendliche einen richtigen Gitarrenlehrer gesucht und mit dem Tanzen angefangen. Auf die Cracks unter den Gleichaltrigen, die ihre Finger und Glieder schon seit vielen Jahren schulten, war ich immer neidisch.

Den Kindern geht es trotzdem gut

Vielleicht sind wir Eltern einfach schlechte Vorbilder. Das einzige Instrument in der Familie spielt faktisch meine Tochter. Das mit dem Üben haben wir sogar einigermaßen hinbekommen: nur ein Minimum verlangt, das aber verbindlich eingefordert. Wenn auch das zu viel schien und Druck nichts half, habe ich mich zu ihr gesetzt und mit ihr durchgehalten. Inzwischen fängt sie an, sich in der Musik auszudrücken. Die Disziplin, die sie sich zugelegt hat, hilft auch beim Französischlernen.

Kurs der Musikschule Ludwigsburg zur musikalischen Früherziehung 2016: Musizieren ist nicht nur eine Kulturtechnik.

Sport macht sie trotzdem nur in der Schule. Für den Yogakurs, in den ich sie hineingequatscht hatte, wurde sie nach zwei, drei Jahren zu alt. Seitdem scheitert es auch an der Logistik. Ganztagsschule, Anmeldefristen, die weiten Wege. Und wenn ich von der Arbeit heimkomme, habe ich auch nicht den Nerv, mich hinter die Suche zu klemmen. Einerseits reagiere ich gereizt, wenn Ellenbogenmütter ihren Nachwuchs an Wartelisten vorbei zum Probetraining im Kletterverein oder beim Capoeira schleifen.

Wenn sie ihre Kleinen vorausschauend gleich für mehrere Musikschulkurse anmelden, auf Verdacht ein Klavier anschaffen oder gemeinsam mit dem Schätzchen den Klarinettenlehrer buchen und dann selbst immer demonstrativ üben. Andererseits schiele ich auf die Bilanz dieser anderen Familien: Tennis und Klavier. Basketball und Schlagzeug. Feldhockey und Querflöte. Eisschnelllauf und Trompete. Cello und Kung-Fu. Mein Sohn ist wirklich ein begabter Fußballer. Seine Musik kommt vom iPod.

Ich fürchte, ich bin gescheitert. Den Kindern geht es trotzdem gut.

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