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Glenn Close : „Ich brenne immer noch für diesen Beruf“

  • -Aktualisiert am

Hat noch eine Wohnung im Village: Close im Public Theater in New York 2018 Bild: Michael Nagle/Redux/Laif

Sie ist eine der wandlungsfähigsten Schauspielerinnen ihrer Generation: Glenn Close, inzwischen unglaubliche 75. Hier spricht sie über Grauzonen, ihr Heim im ländlichen Montana – und was sie nach Drehende mit ihren Kostümen anstellt.

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          Ms. Close, dass ein Hollywoodstar wie Sie in einer israelischen Serie mitspielt, die noch dazu in Iran spielt, kommt nicht alle Tage vor. Ein Zeichen dafür, wie viel internationaler die Branche inzwischen denkt?

          Ja, das würde ich so unterschreiben. Und natürlich ist das auch den weltweit agierenden Streamingdiensten zu verdanken. Bei AppleTV+, wo ja auch „Teheran“ zu sehen ist, sind beispielsweise 20 nicht-englischsprachige Serien verfügbar. Und dass da eine kleine israelische Serie, die zunächst für den Heimatmarkt produziert wurde, plötzlich eine solche internationale Plattform bekommt, ist doch großartig.

          Aber es landen nun nicht täglich Angebote aus der ganzen Welt auf Ihrem Tisch?

          Das nicht, aber hin und wieder schon. Dieses hier war aber ein besonderes. Es kam aus heiterem Himmel, und meine Agentur war sich nicht sicher, ob ich daran überhaupt Interesse habe. Doch ich sah mir die erste Staffel an und las die Drehbücher, das überzeugte mich sofort. Außerdem liebe ich es, Dinge zum ersten Mal zu machen. Angefangen mit dem Erlernen der Sprache, was eine riesige Herausforderung war.

          Sie haben tatsächlich für die Serie Farsi gelernt?

          Ich wünschte, ich hätte dafür ein halbes Jahr Zeit gehabt. Aber auch mit einer kürzeren Vorbereitung war es mein Ziel, Farsi zumindest so gut zu sprechen, dass Muttersprachler mir abnehmen würden, dass ich die Sprache fließend beherrsche. Und ich glaube, was Aussprache und Akzent angeht, habe ich das nach zwei Monaten ziemlich gut hinbekommen. Tatsächlich übersetzen konnte ich allerdings nicht, was ich da sage, deswegen waren das für mich letztlich auswendig gelernte Laute. Aber mein Sprachcoach war natürlich am Set, und in den Szenen, in denen ich Farsi sprechen musste, hatte ich auch einen Knopf im Ohr, um sie zur Not mit Anleitung wiederholen zu können.

          Ihre Rolle ist die einer undurchschaubaren, in Geheimdienstaktionen verstrickten britischen Psycho­login in Iran. Warum werden Sie eigentlich so oft besetzt, wenn es ambivalente oder Anti-Heldinnen zu verkörpern gilt?

          Gute Frage. Als Schauspielerin sind das aber natürlich die, die mich am meisten faszinieren. Als Handwerkerin in meinem Beruf empfinde ich es als meine Aufgabe, die Grauzonen einer Figur auszuloten und ihre Menschlichkeit herauszustellen. Denn egal, wie tief die Abgründe: Wer als Schauspieler seine Figur verurteilt, verkörpert sie nicht aufrichtig.

          Die ersten paar Jahre Ihrer Film­karriere, die ja erst mit Mitte 30 mit „Garp und wie er die Welt sah“ begann, spielten Sie vor allem ­mütterliche Rollen. Vielleicht waren zwielichtige, oft unsympathische Figuren auch ein Weg, sich gegen Schubladen und Klischees zu ­sträuben?

          Vielleicht. Sicherlich in einigen Fällen. Aber gesucht habe ich vor allem immer nach Wahrhaftigkeit. Denn eigentlich ist niemand nur gut oder nur böse. Alle Menschen bewegen sich doch in den Grauzonen des Lebens.

          Kinostars in Serien gibt’s heute alle Nase lang, doch als Sie Mitte der 2000er „The Shield“ oder „Damages“ drehten, waren Sie eine Ausnahme . . .

          Sogar schon früher. Gleich nach „Garp“, meinem ersten Kinofilm, wurde mir eine Fernsehproduktion angeboten: eine Inzest-Geschichte, die mich erst abschreckte, sich dann aber als brillant geschrieben und höchst spannend entpuppte. Mein Agent warnte mich, ich würde mir damit meine Kinokarriere ruinieren, die ja eigentlich noch gar nicht begonnen hatte. Film und Fern­sehen waren in den USA damals zwei vollkommen unterschiedliche Metiers. Doch ich habe mich nicht darum geschert. Bei den Engländern waren meine Kolleginnen und Kollegen schließlich auch auf der Leinwand, der Bühne und dem Bildschirm gleichermaßen zu sehen. So habe ich es dann auch immer gehalten.

          Wenn Sie zurückdenken an die ersten Jahre Ihrer Karriere, das Studium, die Anfänge am Theater, erste Filme – ist die Leidenschaft, die Sie damals für die Schauspielerei hatten, heute noch die gleiche?

          Absolut. Ich brenne heute für diesen Beruf genauso wie damals – und staune, dass ich ihn mit fast 75 Jahren noch mit so viel Vielfalt ausüben darf. Meine Neugier für die Figuren ist die gleiche wie damals, und dass ich heute viel erfahrener bin in meinem Handwerk, macht die Leidenschaft fast größer. Der einzige Unterschied ist, dass ich heute nicht mehr so gerne weg von zu Hause bin. Mittlerweile leben ich und der Rest meiner Familie an einem Ort; deswegen zieht es mich dorthin stärker zurück als in der Vergangenheit.

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