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Öffnungen bei den Nachbarn : Europa, wie geht’s?

Wie geht es Europa? Bild: Illustration F.A.S.

In Großbritannien sitzt man im Pub, in Spanien auf der Terrasse unter freiem Himmel: Eindrücke unserer Korrespondenten aus Ländern, die sich im Öffnen üben.

  • Aktualisiert am
          5 Min.

          Italien

          Hochbetrieb bei „Da Agnese“ in Castel Gandolfo. Zum Mittagessen sind fast alle Tische im Ufergarten am Albaner See besetzt. Im Sonnenlicht schimmert das Wasser türkisfarben. Die Stimmung unter den Gästen ist aufgeräumt. Für eine Geburtstagsgesellschaft spielt ein Akkordeonspieler „Tanti auguri a te“, die italienische Version von „Happy Birthday to You“. Seit dem 26. April ist in den meisten Regionen Italiens die Außengastronomie wieder geöffnet, unter Einhaltung der einschlägigen Abstands- und Hygieneregeln. Seither befindet sich das ganze Land in kollektiver Vorfreude auf die ersehnten weiteren Öffnungen zum Sommer.

          Von Montag an gilt ganz Italien als „gelbe Zone“ mit moderatem Infektionsrisiko. Dann sind Reisen über die Grenzen der zwanzig Regionen hinweg wieder uneingeschränkt möglich. Für Besucher aus der EU entfällt schon an diesem Sonntag die fünftägige Quarantänepflicht, sofern sie (vollständig) geimpft, genesen oder (negativ) getestet sind. Italien sendet das Signal aus, wonach das Belpaese wieder „offen“ für Besucher ist.

          Die ersten Strandbäder haben schon an diesem Wochenende aufgesperrt, Museen, Theater und Kinos empfangen wieder Besucher, wenn auch in begrenzter Zahl. Angesichts sinkender Infektionszahlen und dem erhöhten Tempo bei der Impfkampagne verbreitet sich Zuversicht. Und ein rundum gesundes Virus: jenes, das „la voglia di mare“ verursacht, das Verlangen nach dem Meere. Matthias Rüb

          Die Cafés an Italiens Künsten füllen sich langsam aber sicher wieder.
          Die Cafés an Italiens Künsten füllen sich langsam aber sicher wieder. : Bild: Reuters

          Großbritannien

          Viele in Europa blicken gerade neiderfüllt auf die Briten, die schon länger wieder in Biergärten sitzen und von Montag an auch in Restaurants und Kinos gehen dürfen. Aber die optimistische Stimmung ist getrübt, seit sich die sogenannte indische Variante in England ausbreitet. Die Regierung gibt sich noch zuversichtlich, dass nicht nur der Öffnungsschritt in der kommenden Woche, sondern auch der vierte und letzte am 21. Juni gegangen werden kann, aber erste Wissenschaftler äußern sich bereits skeptisch. Sollte sich die Virusvariante auch unter Älteren ausbreiten und das Gesundheitssystem belasten, „steht Schritt vier in Frage“, sagte der Epidemiologe Paul Hunter am Freitag.

          Bis vor kurzer Zeit ging die Zahl der Neuinfektionen kontinuierlich zurück, was einerseits dem erfolgreichen Impfprogramm zugeschrieben wird. Gewirkt haben aber auch die Corona-Maßnahmen, die in manchen Bereichen noch heute strenger sind als in den meisten EU-Ländern: Das Treffen in Innenräumen ist erst ab kommender Woche wieder erlaubt. Doch seit Mitte April verdoppeln sich in einigen Teilen des Landes die Infektionsraten von Woche zu Woche. Die indische Variante breitet sich aus. Premierminister Boris Johnson sprach in dieser Woche von wachsender Besorgnis in der Regierung. Von der indischen Variante gehe eine „potentiell tödliche Gefahr“ aus. Jochen Buchsteiner

          Schweden

          Schweden ist in der Corona-Krise fast ein Mythos geworden. Ein leuchtendes Beispiel für manche, dass es doch auch ohne harten Lockdown geht, und ein erschreckender Beleg für andere, was alles schief- gehen kann, wenn man in der Pandemie zu wenig eingreift; Bilder von vollen Tischen vor Cafés oder Schlangen vor Fitnessclubs auf der einen Seite oder die vor allem in der ersten Welle rasant steigende Todeszahl unter den Alten und die bis heute sehr hohen Infektionszahlen auf der anderen.

          Dabei unterscheidet sich der schwedische Weg lange schon nicht mehr so dramatisch von jenem anderer Länder. Auch ohne formalen Lockdown hat das Land in den vergangenen Monaten weitreichende Einschränkungen erlassen – und natürlich bleibt der Alltag in Schweden von der Pandemie nicht unberührt. Die Restaurants müssen früh schließen, es gibt Kontaktregeln für Treffen drinnen und draußen, die Aufforderung zum Homeoffice gilt weiter, auch in den Schulen hatte es lange Einschränkungen gegeben – und nachdem sie lange in Schweden kaum eine Rolle spielten, wurde in der zweiten Welle auch das Tragen von Masken empfohlen, zumindest dort, wo es eng werden kann.

          Wo die Schweden bei den Einschränkungen zurückhaltender waren als die Nachbarländer, sind sie es nun aber auch bei den Öffnungen. So hat die schwedische Regierung den ersten Schritt ihres Öffnungsplans auch aufgeschoben, die ersten Lockerungen dürfte es nicht vor Anfang Juni geben. Matthias Wyssuwa

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