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Flucht ins Paradies : Wie ein Wehrmachtssoldat Asyl im Vatikan bekommt

Gerhard Koltermann vor der Kuppel des Petersdoms in Rom. Er hat als flüchtiger deutscher Kriegsgefangener 1945 im Vatikan Asyl gefunden. Bild: Privat

1945 flieht der Wehrmachtssoldat Gerhard Koltermann in Italien aus britischer Kriegsgefangenschaft und findet für ein Jahr Asyl im Vatikan. Dort interessiert er sich mehr für junge Frauen als für Papst und Kirche.

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          Im Mai 1945 ist Rom für einen jungen Deutschen, der aus der Kriegsgefangenschaft entflohen ist, vor allem eines: eine gefährliche Stadt. Zumal Gerhard Koltermann nach Ansicht eines italienischen Freunds „wie ein Preuße“ durch die Gassen spaziert. Er solle doch „lässiger gehen“, bittet er den früheren Leutnant der Wehrmacht. Doch ein bisschen weniger Steifheit wird den Deutschen auf Dauer nicht vor dem Zugriff der Amerikaner schützen, die Rom besetzt haben. Das wissen beide. Und so verhilft der römische Wohnungsmakler dem deutschen Soldaten zur Zuflucht am wohl sichersten Ort in Rom, vor dessen Mauern selbst Hitlers Truppen haltgemacht haben: dem Vatikan.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Nach Einbruch der Dunkelheit klettert Koltermann mit einer Strickleiter, unbemerkt von den Wachposten, auf die sechs Meter hohe Grenzmauer des Kleinstaats in der Nähe des Bahnhofs, an dem die päpstlichen Züge abfahren. Herabgelassen hat die Strickleiter ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl, den der Wohnungsmakler ins Vertrauen gezogen hatte.

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