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Koreakrieg : Die endgültige Teilung

1953: Kim Il-sung unterzeichnet das Waffenstillstandsabkommen Bild: dpa

Vor mehr als 60 Jahren teilte der Koreakrieg das Land endgültig in Nord und Süd. Die Wiedervereinigung bleibt ein politisches Ziel – doch kann niemand sicher sein, sie selbst zu erleben.

          3 Min.

          Deutschland und Korea erlitten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst ein ähnliches Schicksal. In beiden Ländern trennte schon bald eine Grenze Menschen voneinander, die zuvor selbstverständlich von einem Teil in den anderen hatten gelangen können. Während es aber in Deutschland trotz aller Härten der Teilung friedlich blieb, brach über Korea schon fünf Jahre nach der Befreiung von japanischer Kolonialherrschaft die Katastrophe eines großen Krieges herein.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Die Sowjetunion, auf amerikanisches Bitten in letzter Minute in den Krieg gegen Japan eingetreten, sicherte sich 1945 die Kontrolle über den nördlichen Teil der Halbinsel, die Amerikaner den Süden. Die Übergangslösung wurde zum Dauerzustand, weil die Besatzungsmächte sich nicht über das einigen konnten, was in einem amerikanischen diplomatischen Dokument aus dem Jahre 1945 noch als letzter Punkt zu lesen gewesen war: ein freies und unabhängiges Korea.

          Die Amerikaner reagierten schnell

          Stalins Sowjetunion installierte im Norden in Gestalt von Kim Il-sung ein dem Moskauer Vorbild nachgebildetes kommunistisches Regime. Dieses verkündete offensiv das Ziel einer Wiedervereinigung Koreas unter kommunistischen Vorzeichen. Dem standen vorerst allerdings amerikanische Soldaten im Süden im Weg. Diese zogen 1948 ab. Im von Un­ruhen erschütterten Süden wurde die „Republik Korea“ gegründet, der Norden nannte sich „Demokratische Volksrepu­blik Korea“. Deren Führer Kim Il-sung nutzte – mit Zustimmung Stalins – am 25. Juni 1950 die scheinbare Gunst der Stunde und ließ seine Armee im Süden einmarschieren.

          Nord­korea behauptet allerdings bis heute, seine Truppen hätten auf einen Angriff aus dem Süden lediglich reagiert. Militärisch eilten die Nordkoreaner zunächst von Erfolg zu Erfolg. Die Amerikaner, deren scheinbares Desinter­esse an Südkorea den Entschluss zum Angriff des Nordens erleichtert hatte, reagierten jedoch schnell. Sie setzten im UN-Sicherheitsrat eine Resolution durch, die einen Bruch des Friedens durch Nordkorea feststellte. In einer zweiten Entschließung billigte das Gremium die Entsendung von UN-Truppen nach Korea. Die Sowjetunion, die diese Beschlüsse durch ihr Veto hätte verhindern können, boykottierte zu diesem Zeitpunkt allerdings den Sicherheitsrat, so dass die Amerikaner vergleichsweise leichtes politisches Spiel hatten. Die Vetomacht China wurde noch von der Regierung Taiwans vertreten, so dass auch von dieser Seite kein Widerstand gegen das amerikanische Ansinnen zu erwarten war.

          Chinesische „Freiwillige“ auf dem Kriegsschauplatz

          Unter amerikanischem Oberbefehl kämpften Soldaten aus zwölf Ländern in Korea. Die UN-Truppen drängten die Invasoren aus dem Norden zunächst über die Vorkriegsgrenze zurück und setzten anschließend ihren Vormarsch bis ganz in den Norden der Halbinsel fort. Als sie in der Nähe der chinesischen Grenze angekommen waren und den Krieg für vollständig gewonnen hielten, erschienen Hunderttausende chinesische „Freiwillige“ auf dem Kriegsschauplatz. Die UN-Einheiten mussten sich weit nach Süden zurückziehen.

          Das Ansinnen ihres Oberbefehlshabers, General Douglas MacAr­thur, dem chinesischen Vormarsch durch den Einsatz von Atomwaffen Einhalt zu gebieten, widersetzte sich Präsident Harry Truman. Schließlich erstarrte die Front an der Demarkationslinie am 38. Breitengrad zum blutigen Stellungskrieg.

          Auf politischer Ebene liefen zwar schon seit 1951 Gespräche über einen Waffenstillstand. Zu einer Regelung kam es allerdings erst am 27. Juli 1953, gut vier Monate nach dem Tod Josef Stalins. Juristisch ist Korea bis heute nicht weitergekommen. Es gilt „nur“ ein Waffenstillstand. Und die Halbinsel wird noch durch die undurchdringlichste Grenze der Welt geteilt. Zwar hat es in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder Anläufe zu einer Entspannung gegeben. Aber die Forcierung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms und wechselnde politische Konjunkturen sowohl in Südkorea als auch in den Vereinigten Staaten haben substantielle Fortschritte verhindert.

          Und so wird man als Deutscher seit gut 30 Jahren von Koreanern immer wieder gefragt, wie das in der Mitte Europas mit der Wiedervereinigung funktioniert habe. Während in Deutschland die Entfremdung zwischen den ehemals durch Mauer und Stacheldraht getrennten Landesteilen zum Teil wieder zunimmt, wandern in Korea viele Gedanken über die hermetisch abgeschottete Grenze zu den Landsleuten im jeweils anderen Teil Koreas. Die Wiedervereinigung bleibt politisches Ziel. Niemand kann sicher sein, sie noch zu erleben – wie einst in Deutschland.

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