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Ein Tag mit einer 13-Jährigen : Wie das Handy die Zeit auffrisst

  • -Aktualisiert am

Nadia wäscht noch schnell ab, bevor sie wieder in die Schule fährt. Gegen halb sechs, manchmal auch etwas früher, kehrt sie nach Hause zurück. Die Mutter kocht, Nadia und die Schwester helfen ein bisschen im Haushalt. Sie essen zusammen, dann steckt sich Nadia die Kopfhörer in die Ohren, stellt die Musik an und lernt. Versteht sie was nicht, ruft sie den Opa an. Der könne so gut erklären.

Manchmal zeichnet sie Mangas

Nachdem sie die Hausaufgaben erledigt hat, bleibt ihr noch eine knappe Stunde, bevor sie ins Bett muss. Davon gehen zwanzig Minuten drauf, um Whatsapp-Nachrichten zu beantworten. Nadia schreibt meistens nur „Ja“ oder „Nein“ oder „Okay“ oder schickt ein Emoji. Sie sagt, Emojis seien eine geniale Erfindung, man könne damit extrem viel Zeit sparen.

Manchmal schafft sie es nicht, alle Nachrichten noch am selben Tag zu beantworten. Das mache ihr nichts aus, meint sie. Trotzdem will sie es vermeiden, beantwortet jeden Tag so viele Nachrichten wie möglich, auch dann noch, wenn sie eigentlich gar keine Zeit hat. Wie zum Beispiel am Sonntagabend: Dann will sie eigentlich den Schulranzen für die kommende Woche packen, was ziemlich lange dauert. Aber sie kommt gerade von ihren Großeltern zurück, die zurzeit kein W-Lan haben. Auf einen Schlag sind Hunderte Nachrichten da. Sie antwortet wie am Fließband, und denkt dabei an ihren Schulranzen, hat ein schlechtes Gewissen.

Ist sie mit Whatsapp durch, schaut sie auf dem Handy eine Netflix-Serie oder Youtube. Manchmal zeichnet sie auch Mangas. Immer wieder durchstöbert sie das Internet nach schönen Mangabildern, macht davon Screenshots, die ihr dann als Zeichenvorlage dienen. Sie hat auch eine Mal-App, bei der sie nachschauen kann, wie sie Schritt für Schritt ein Auge oder einen Mund hinbekommt.

Es gibt ein Mangabild, das Nadia besonders gut gefällt. Sie hat es als Hintergrundbild auf ihrem Handy installiert. Es zeigt zwei junge Mädchen mit schmalem Gesicht und melancholischem Blick, eines hält ein Buch in den Händen. Die beiden sähen aus wie sie und ihre Schwester früher, sagt Nadia.

Sie hat das Bild schon einige Male abgezeichnet. Sie sei das Mädchen mit dem Buch. Sie lese gern. Zwar nicht so oft, weil immer was dazwischenkäme oder weil sie zu müde sei. Eines ihrer Lieblingsbücher heißt „Insel der blauen Delfine“ und handelt von einem Indianermädchen, das mit ihrem kleinen Bruder auf einer Pazifikinsel zurückgelassen wird.

Als Wildhunde den Bruder töten, lebt es allein weiter. Dem Mädchen gehe es gut, sagt Nadia. Es sei ja nicht einsam, denn es habe die Wildhunde irgendwann gezähmt und lebe mit ihnen zusammen.

* Name von der Redaktion geändert

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