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Coronavirus in Südafrika : Eine Nacht in der Notaufnahme im größten Krankenhaus Afrikas

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Zu viel Leid für zu wenige Hände: Im sogenannten Pit der Klinik werden die nicht ganz so schweren Verletzungen versorgt. Bild: Franca Wittenbrink

Die Grausamkeit der Welt ist wohl an kaum einem Ort so zu spüren wie in der Notaufnahme der größten afrikanischen Klinik. Der Corona-Lockdown hatte dort für trügerische Ruhe gesorgt. Nun kehrt der Alltag zurück.

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          Es ist ein gewöhnlicher Wochentag in den Monaten vor dem Ausbruch des Coronavirus. Eigentlich ist die Schicht von Unfallchirurgin Tarlia Govender längst vorbei. Um sieben Uhr morgens hat sie ihren zwölfstündigen Dienst in der Notaufnahme begonnen, nahezu ohne Pause durchgearbeitet, mittlerweile ist es nach 21 Uhr. Gerade will sie sich verabschieden, da kommt eine junge Frau auf einer Trage. Vergeblich versuchen zwei Krankenschwestern, sie aus ihren engen Röhrenjeans und einem zerrissenen T-Shirt zu befreien; schließlich nehmen sie eine Kleiderschere zu Hilfe.

          Govender tritt hinzu, tastet den nackten Körper der Frau ab, fragt, was passiert sei. Ein Medizinstudent, der gerade zur Nachtschicht eingetroffen ist, notiert für die Patientenakte: „Geschlecht: weiblich. Alter: 27. Rasse: schwarz. Grund der Einlieferung: Stoß durch ein Fenster im dritten Stock, nach Streit mit dem Freund. Starke Schmerzen im Rücken- und Schulterbereich.“ Govender bedeckt den zitternden Körper der Frau mit einer Wolldecke. Dann wendet sie sich an den Studenten: „Sie muss sofort geröntgt werden, dann ins CT. Den Kopf bitte fixieren, Blutgasanalyse, Urinkatheter legen.“

          Während sich Govender die Gummihandschuhe von den Fingern streift, kommt der nächste Patient, diesmal ist ein anderer Arzt zur Stelle. Die Trage bleibt in der Mitte des Raumes stehen, die fünfzehn festen Patienten-Liegen sind bereits alle mit Notfällen belegt. „Ruhige Nacht“, wünscht Govender eilig. „Wir sehen uns morgen früh. In zehn Stunden bin ich wieder da.“

          Ausbildungsort für Ärzte aus der ganzen Welt

          Es ist der übliche Beginn, und das übliche Ende einer jeden Schicht in der Notaufnahme des Chris Hani Baragwanath Hospital, kurz: „Bara“, in Johannesburg, dem größten Krankenhaus Afrikas oder, je nach Berechnung, dem drittgrößten der Welt. 3200 Betten befinden sich hier, am Rande von Südafrikas größtem Township Soweto. Mehr als zwei Drittel aller Einlieferungen in das Krankenhaus laufen über die Notaufnahme, die sogenannte „Trauma Unit“. Das bedeutet im Durchschnitt 350 Patienten am Tag; pro Jahr sind das etwa 150000 stationäre und 500 000 ambulante Versorgungen.

          Nicht zuletzt wegen dieser enormen Masse an Patienten gilt das „Bara“ als Lehrkrankenhaus für die Universität in Johannesburg, aber auch als Ausbildungsort für junge Ärzte aus der ganzen Welt. Einer von ihnen ist der Deutsche Leon van Bömmel, 26 Jahre alt, der seit einigen Wochen einen Teil seines praktischen Jahres in der Trauma Unit des „Bara“ absolviert. Gerade hat er der jungen Frau einen Urinkatheter gelegt, als eine der fünf Ärztinnen, die heute Nacht Dienst haben, auf ihn zu eilt. „Ich brauche kurz deine Hilfe“, sagt sie, „Siehst du den Patienten da drüben? Starke Verbrennungen, ich schätze, um die fünfzehn Prozent. Der muss zwanzig Minuten kalt abgeduscht werden, aber wir haben immer noch keinen Platz. Erledigst du das eben in der Dusche für die Ärzte?“

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