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Widerstand : Generalprobe für den 20. Juli

  • -Aktualisiert am

Nach dem Attentat in der „Wolfsschanze” Bild: dpa/dpaweb

Nach der alliierten Invasion stand für Generalmajor von Tresckow fest, daß gehandelt werden müsse - "koste es, was es wolle". Schon Tage vor dem Attentat vom 20. Juli führte Stauffenberg seine Sprengstoffaktentasche mit sich.

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          Nach der alliierten Invasion vom 6. Juni 1944 stand für Generalmajor Henning von Tresckow fest, daß gehandelt werden müsse - "koste es, was es wolle". Der Chef des Stabes der Heeresgruppe Mitte wollte den verhaßten "Führer" schon seit Anfang 1943 durch einen Sprengstoffanschlag beseitigen, und einer solchen Aktion stimmte Claus Schenk Graf von Stauffenberg vorbehaltlos zu.

          Seit 1. Oktober 1943 tat dieser Generalstabsoffizier, der nach einer schweren Verwundung in Afrika sein rechtes Auge, die rechte Hand und zwei Finger der linken verloren hatte, Dienst im Bereich des "Chefs der Heeresrüstung und Befehlshabers des Ersatzheeres", Generaloberst Friedrich Fromm. Zunächst war der charismatische Adelige im Berliner Bendlerblock als Stabschef beim Chef des Allgemeinen Heeresamtes (AHA), General Friedrich Olbricht, eingesetzt. Olbricht hatte Stauffenberg ausdrücklich angefordert, um mit ihm gemeinsam den Staatsstreich gegen Hitler zu planen.

          Alarmplan "Walküre"

          Die Verschwörer beabsichtigten, den Umsturz in Deutschland nach einem gelungenen Attentat auf den "Führer" mit Hilfe des Alarmplanes "Walküre" herbeizuführen. Dieser war ursprünglich von der Wehrmachtführung konzipiert worden, um bei inneren Unruhen im Heimatgebiet - etwa bei organisierter Sabotage, einem Einfall gegnerischer Luftlandetruppen oder einem Aufstand ausländischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener - den Wehrkreiskommandos die Möglichkeit zu geben, ihre Kräfte in Kampfeinheiten und Alarmgruppen zusammenzufassen und einzusetzen. Der von Olbricht und Tresckow bereits im Sommer 1943 bearbeitete und umfunktionierte Alarmplan versetzte die Hitler-Gegner in die Lage, die in und um Berlin herum stationierten Wach-, Schul- und Ausbildungstruppen des Ersatzheeres für ihre Zwecke regimesprengend einzusetzen.

          Die Beförderung zum Oberst und der Wechsel auf die Stelle des Chefs des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres am 1. Juli 1944 eröffnete Stauffenberg die Chance, gelegentlich an Hitlers Lagebesprechungen teilzunehmen. Für ein schnelles und beherztes Handeln sprach jetzt zum einen die desaströse militärische Lage an der West- und Ostfront, zum anderen auch die Verhaftung der von Stauffenberg hochgeschätzten sozialdemokratischen Widerstandskämpfer Julius Leber und Adolf Reichwein am 4./5. Juli. Eine erste Gelegenheit, den Diktator zu töten, gab es am 6. Juli. Auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden mußte Stauffenberg im Beisein Fromms über personelle Neuaufstellungen und über die Mobilisierung von "Sperrdivisionen" für die Ostfront vortragen, die dringend benötigt wurden, weil die Rote Armee seit Beginn ihrer Juni-Offensive 28 deutsche Divisionen vernichtet hatte: 350.000 deutsche Soldaten blieben tot, verwundet oder gefangen auf den weißrussischen Schlachtfeldern.

          Anschlag selbst ausführen

          Auf dem Flug von Berlin nach Salzburg führte Stauffenberg in einer Aktentasche englischen Sprengstoff mit sich. Den Mitverschwörer Generalmajor Helmuth Stieff, Chef der Organisationsabteilung im Generalstab des Heeres, begrüßte er bei der Ankunft auf dem Obersalzberg mit den Worten: "Ich habe das ganze Zeug mit." Stauffenberg setzte offensichtlich noch auf Stieff und hoffte, daß der Generalmajor den Sprengstoff an jenem Donnerstag auf dem Obersalzberg oder am folgenden 7. Juli bei der Vorführung neuer Ausrüstungsgegenstände vor Hitler auf Schloß Kleßheim bei Salzburg zünden würde. Stieff, der den Nationalsozialismus wegen der Judenverfolgung und der brutalen Besatzungspolitik verabscheute, winkte jedoch ab: "Lassen Sie gefälligst die Finger davon!"

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