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Wintereinbruch in Israel : #White Jerusalem schon vor dem Schneesturm

Soll diesmal vermieden werden: Chaos auf Jerusalems Straßen nach einem Schneesturm im Dezember 2013. Bild: AFP

Israel hat schlechte Erinnerungen an den vergangenen Winter. Die Stadt Jerusalem versank aufgrund von Schnee und Eis im Chaos. Nun bereitet sich das Land auf eisige Tage vor, denn man will es besser machen als im Dezember 2013.

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          Wenn die ersten Schneeflocken fallen, wird Jerusalem an diesem Mittwoch von der Außenwelt abgeschnitten sein. Die Polizei will dann die beiden Autobahnen sperren, die von der Küste in die mehr als 800 Meter hoch gelegene Stadt führen. Während des Wintereinbruchs im Dezember 2013 saßen auf den wichtigsten Zufahrtsstraßen mehr als 2000 Autofahrer in den Schneemassen fest, einige von ihnen tagelang. Wenn jetzt in diesem Jahr der erste große Wintersturm über Israel hereinbricht, wollen die Behörden keine unnötigen Risiken mehr eingehen. Das liegt auch daran, dass im März ein neues Parlament gewählt wird. Die Politiker wollen sich nicht vorhalten lassen, sie hätten ein weiteres Mal versagt, wie bei „Alexa“. Der Wintersturm mit diesem Namen hatte Jerusalem Ende 2013 eine Woche lang lahmgelegt. Das Hochtechnologieland mit der stärksten Armee im Nahen Osten und der effizientesten Raketenabwehr gerät in Panik, wenn am Himmel Schneewolken aufziehen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Generalstabsmäßig laufen seit Tagen die Vorbereitungen. Am Dienstag inspizierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Kommandozentrale der Einsatzkräfte. Er sei „beeindruckt“ von den Vorbereitungen, sagte der Regierungschef. Am Tag zuvor lud der Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat bei strahlendem Sonnenschein zum traditionellen Fototermin im städtischen Depot vor einem Streufahrzeug. 150 Schneepflüge stünden bereit, sagte er stolz, ohne jedoch zu erwähnen, dass es sich dabei meist nur um umfunktionierte Bagger und Radlader handelt. Seine Twitter-Adresse hat Barkat durch den harmlos klingenden Hashtag „White Jerusalem“ ergänzt. Hoffentlich klappe es mit dem Schneeräumen ähnlich schnell wie mit dem neuen Internetangebot, lautete ein skeptischer Kommentar.

          Tagelang ohne Strom, Telefon und Internet

          Die Einwohner Jerusalems haben den vergangenen Winter in schlimmer Erinnerung. Zehntausende Haushalte im ganzen Land waren tagelang ohne Strom, Telefon und Internet, weil Bäume unter der Schneelast oder im Sturm genickt worden waren und dabei Leitungen abgerissen hatten. Das hatte für viele Familien schlimme Folgen, denn sie benötigen Strom für ihre Heizungen. In Jerusalem gingen bei den Rettungsdiensten damals mehr als 17000 Notrufe ein. Die Straßenbahn stellte ihren Betrieb ein, Schulen und Universitäten blieben für fast eine Woche geschlossen.

          Obwohl Stadtverwaltung und Regierung jetzt mitteilen, man habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, wirken die offiziellen Ratschläge recht hilflos: Auf Besuche in Jerusalem – mit 800000 Einwohnern die größte Stadt des Landes – sollten Israelis in den kommenden Tagen am besten ganz verzichten. Wer Jerusalem verlassen müsse, sollte das so bald wie möglich tun, lautete am Dienstag eine Empfehlung. Autos solle man stehen lassen und am besten zuhause bleiben. In Israel hat fast niemand Winterreifen aufgezogen oder Erfahrung mit Schnee und Eis. In den Jerusalemer Supermärkten herrscht Hochbetrieb. Zeitweilig seien schon Brot und Hühnerfleisch ausgegangen, meldete am Dienstag die Kette „Rami Levy“. Aber auch Decken und Heizgeräte seien sehr gefragt. Viele Menschen wollen sicherstellen, dass ihre Vorräte bis über den jüdischen Schabbat reichen. Solange könnten der Schneesturm und die für Donnerstag vorhergesagten Minus-Temperaturen dauern.

          Nicht nur in Israel bereiteten sich die Rettungskräfte auf den Sturm vor, dessen Vorboten am Dienstag die Region erreichten. Zum Beispiel im Gazastreifen, wo „Alexa“ im Dezember 2013 zu gewaltigen Regenfällen und Überflutungen führte. Im Libanon, in Syrien und Jordanien rüsteten sich die Einsatzkräfte ebenfalls. Die Regierung in Amman erklärte den Mittwoch zum Feiertag, so dass die Bürger zuhause bleiben können. Das Winterwetter setzt wieder besonders den syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen zu, von denen viele Tausend in Lagern in Jordanien und den benachbarten Staaten leben.

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