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Wetter : Schneestürme legen das öffentliche Leben in Amerika lahm

  • Aktualisiert am

Amerika versinkt im Schnee Bild: dpa

Eine dicke Schneedecke legte in den USA den Straßen- und Flugverkehr lahm, mindestens 20 Menschen kamen bis Montag ums Leben. In etlichen Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen.

          Schwere Winterstürme suchen derzeit den Osten der USA heim. Eine Schneedecke von teilweise 1,20 Metern legte den Straßen- und Flugverkehr im Nordosten lahm, mindestens 28 Menschen kamen bis Montag ums Leben. Zeitweise waren mehr als 235.000 Menschen ohne Strom. In Washington blieben die meisten US-Regierungsstellen am Dienstag geschlossen.

          In der Bundeshauptstadt sowie in den Staaten Maryland, Pennsylvania, Kentucky, New Jersey, West Virginia, Delaware und Virginia wurde der Notstand ausgerufen. Bislang starben in dem Unwetter zwei Menschen in Illinois, eine Person in Nebraska, fünf in Pennsylvania, sechs in West Virginia, ebenfalls sechs in Missouri, eine Person in Ohio, zwei in Virginia, einer in New Jersey und vier in Iowa.

          Die Menschen wurden von der Regierung aufgefordert, nur dann ihre Autos zu benutzen, wenn es absolut nötig sei. In den Bundesbehörden in Washington sollten nur die dringend benötigten Mitarbeiter angesichts des winterlichen Chaos in die Büros kommen. Auch mit dieser Entscheidung solle die Gefahr von Unfällen auf den Straßen vermindert werden.

          Allenthalben räumen die Menschen Autos frei - hier in New York City

          Museen, Kirchen, Theater geschlossen

          Die meisten Straßen wurden gesperrt; Geschäfte, Kirchen, Museen und Theater blieben geschlossen. Schulen und Universitäten im Großraum Washington sagten vorläufig alle Aktivitäten ab. Busse verkehrten in Washington nur noch auf den Hauptstraßen, im U-Bahnnetz gab es stundenlange Verzögerungen.

          Am schlimmsten war die Lage in Maryland und West Virginia. In Maryland lag der Schnee 1,25 Meter hoch, stündlich kamen zehn Zentimeter hinzu. In West Virginia waren mehr als 60.000 Menschen von der Elektrizitätsversorgung abgeschnitten. Der Schaden lasse sich möglicherweise erst Mittwoch beheben, hieß es.

          Flughäfen geschlossen

          Auch in New York und Washington erlebten die Bewohner die heftigsten Schneefälle seit Jahren. Der Flughafen LaGuardia wurde geschlossen, Newark und Kennedy blieben geöffnet, allerdings wurden fast alle Inlandsflüge abgesagt. Washington lag unter einer fast 40 Zentimeter hohen Schneedecke. Bürgermeister Anthony Williams sagte, die Räumung aller Straßen könnte drei Tage dauern.

          In Edison (New Jersey) stürzte das Dach eines Ausbildungszentrums mit einer Cafeteria unter der Schneelast ein und begrub 15 Menschen. Einer von ihnen starb, vier wurden verletzt.

          In Kentucky fiel in 40.000 Haushalten der Strom aus. In Louisville waren die Kreuzungen mit Autowracks übersät, nachdem sich der Regen in Graupelschauer und Eis verwandelt hatte. Am Sonntag hatte eine Schlammlawine ein Mehrfamilienhaus in Tennessee zerstört, in Florida wurde ein Haus von einem Tornado beschädigt. An den Küsten von New Jersey und Delaware wappneten sich die Menschen gegen eine Flutwelle.

          Präsident George W. Bush musste wegen der sich ständig verschlechternden Wetterbedingungen früher als geplant von seinem Wochenendaufenthalt in Camp David (US-Staat Maryland) zurückkehren. Er kam mit dem Auto, da die schlechten Sichtverhältnisse den üblichen Hubschrauberflug zu gefährlich machten.

          Noch keine Entwarnung

          Meteorologen rechneten damit, dass der Sturm weiter in den Norden nach Vermont und New Hampshire zieht. Die massive Schneefront hatte sich am Freitag entwickelt, als ein Tiefdruckgebiet auf kalte Luft aus Kanada stieß. In Washington schneite und graupelte es ohne Unterbrechung vom frühen Samstagmorgen bis weit in den Montag hinein. Für die nördlicheren Gebiete wurde Erleichterung erst für Dienstag vorausgesagt.

          Nach Angaben von Meteorologen handelt es sich um den schwersten Schneesturm seit 150 Jahren, „vielleicht sogar den schlimmsten, den es jemals gegeben hat“. Der letzte schwere Schneesturm suchte die Ostküste 1966 heim, als 80 Menschen ums Leben kamen.

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