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Wetter macht Geschichte : Wetter als Waffe

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Das Wetter ist den Herrschenden oder auch den Beherrschten oft der schlimmste Feind. Was liegt also näher, als die Beschäftigung mit der Beeinflußbarkeit des Wetters?

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          Die vorangegangenen Kapitel haben es deutlich gezeigt: Das Wetter ist nicht nur überall, es ist den Herrschenden oder auch den Beherrschten oft der schlimmste Feind. Was liegt also näher, als die Beschäftigung mit der Beeinflußbarkeit des Wetters?

          Erste planvolle Versuche, das Wetter mit technischen Hilfsmitteln zu verändern, gab es schon vor einigen Jahrzehnten. Obwohl nicht sonderlich erfolgreich, waren diese Bestrebungen nach Beendigung des Kalten Krieges bedrohlich genug, um sie sogleich verbindlich und vorausschauend auf zivile Nutzungszwecke zu beschränken. Doch bereits 1977 verabschiedete die UNO-Vollversammlung eine Resolution, die die feindselige Nutzung von Techniken zur Umweltveränderung verbot. Die »Convention on The Prohibition of Military or any other hostile use of Environmental Modification Technique (ENMOD)« verpflichtete die unterzeichnenden Staaten, jede militärische oder sonstige feindselige Nutzung der Wetterbeeinflussung zu unterlassen, wenn diese weitreichende, langanhaltende oder bedrohliche Folgen haben könnte. Die Verabschiedung dieser Resolution brachte die Forschung zur Wetterbeeinflussung natürlich nicht völlig zum Erliegen. Sie wurde aber deutlich verlangsamt und konzentrierte sich zunächst auf unterdrückende statt intensivierende Maßnahmen und Techniken.

          »Owning the weather in 2025«

          Eine bislang relativ unbeachtete, von Nico Stehr in der F.A.Z. am 8. November 2000 erstmals beschriebene und im Internet zugängliche Studie der amerikanischen Luftwaffe aus dem Jahre 1996 (»Owning the weather in 2025«, www.au.af.mil/au/2025) kommt zu dem Schluß, daß die amerikanischen Streitkräfte das Wetter durchaus modifizieren und beherrschen können. Und das sogar recht schnell. Wettermodifikationen im Sinne einer präzisen Verstärkung oder Unterdrückung von natürlichen Wetterabläufen sollen schon 2025 möglich werden. In Extremfällen kann dies natürlich auch die Schaffung völlig neuer Wetterphänomene und die Manipulation des globalen Klimas einschließen. Kein schöner Gedanke. Aber schon wegen des möglichen Widerspruchs zur Umweltkonvention der Vereinten Nationen konzentriert sich die Studie auf die Beeinflussung von Wetterprozessen in überschaubaren Gebieten von lediglich bis zu 2000 Quadratkilometer Größe. Als ob man damit eine Gefahr für das globale Klima ausschließen könnte ...

          Auch an die Weiter- und Fortbildung wurde gedacht: So schult die »Air University« auf dem Gelände der Maxwell Air Force Base Angehörige der Air Force »to develop and lead the world's best aerospace force - inspiring commitment to a war-winning profession of arms«. Das Emblem dieser Universität ist schlicht, aber aussagekräftig, und es erinnert irgendwie an Zeus und Thor, den Gott des Donners, die uns weiter oben schon begegnet sind. Daß nach vielen Jahrhunderten das Wettermachen immer noch mit ähnliche Assoziationen verbunden ist, ist schon eine beachtliche Konstante.

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