https://www.faz.net/-gum-zg2f

Wetten dass ...? : Eine Frage von Millimetern

  • Aktualisiert am

Samuel Koch läuft bei einer Probe in der Düsseldorfer Rheinhalle auf seinen Sprungfedern. Bild: dpa

Samuel Koch und das ZDF ahnten die Gefahr. Vor der Sendung sagte der Kandidat: „Es ist ein ekelhaftes Gefühl, Autos, die auf einen zufahren, entgegenlaufen zu müssen“. Was genau zum Unglück bei „Wetten dass ...?“ führte, ist unklar.

          Die Wette war gefährlich. Das sagte Moderator Thomas Gottschalk ausdrücklich, als er den Kandidaten Samuel Koch am Samstagabend in „Wetten dass . . .“ vorstellte. Das wussten die Zuschauer, als der 23 Jahre alte Student mit seinen Sprungfedern an den Füßen auf das erste Auto zulief. Und das sah man in Samuels unruhigem Gesicht, als er für den Sprung über das vierte Auto Anlauf nahm. Einen Smart und einen Ford Focus hatte er bereits per Salto erfolgreich übersprungen, einen Mini beim zweiten Versuch ausgelassen. Nun wartete der Fahrer, ausgerechnet Samuel Kochs Vater, im bis dahin längsten Auto, einem Audi A8, auf sein Signal. Sein Sohn gab wieder das Handzeichen zum Start. Wieder wirkte er dabei nervös.

          Was beim vierten Versuch genau passierte, lässt sich nur lückenhaft rekonstruieren. Das ZDF sendete nach dem Unfall keine Wiederholung der Szene. Nur auf Youtube waren schon kurz nach Unterbrechung der Sendung die entscheidenden Sekunden zu sehen. Wenige Minuten später war die Szene wieder von der Videoplattform verschwunden. Doch selbst bei mehrmaligem Anschauen dieser Sequenz verhinderte der Schnitt, dass sich der Zuschauer ein vollständiges Bild machen konnte. Der vermutlich entscheidende Moment ist nicht zu sehen, weil die Kamera gerade die Perspektive aus dem Auto zeigt.

          Bei der Landung hat er keine Körperspannung mehr

          Es bleiben deshalb nur wenige visuelle Fakten: Samuel Koch springt ab, absolviert seinen Salto, überdreht ihn deutlich und schlägt frontal waagerecht auf den Boden auf. Bei der Landung hat er keine Körperspannung mehr, seine Hände fangen den Aufprall nicht ab, er rollt seinen Körper nicht ein und dreht ihn auch nicht zur Seite. War er schon in der Luft bewusstlos? Einzelbilder von Kameraperspektiven, die im Nachhinein veröffentlicht wurden, legen das nahe. Entweder erreichte er beim Absprung nicht die nötige Höhe, oder er sprang zu früh ab. Denn er stützt sich bei seinem Salto auf der Frontscheibe ab und touchiert danach mit seinem Hinterkopf, der durch einen Helm geschützt war, die Vorderkante des Autodachs. Womöglich zog er sich schon da die schweren Verletzungen im Halswirbelbereich zu und wurde schon da bewusstlos. Das Versehen führte möglicherweise auch dazu, dass die Saltobewegung beschleunigt wurde und er waagerecht aufschlug.

          Die Wettbeschreibung von Samuel Koch, die er dem ZDF vorlegte

          Die Wette war gefährlich, weil sich aufgrund ihrer Konstruktion das Gefahrenpotenzial summierte. Ein Salto ist für einen Akrobaten, Turner und Stuntman wie Samuel Koch kein Problem. Die „Känguruschuhe“ erhöhten allerdings den Schwierigkeitsgrad bei Absprung und Landung. Ein Hindernis, das sich bewegt, macht es noch schwieriger, den Absprung zu berechnen. Zudem änderte sich mit jedem Auto die Höhe und Länge des Hindernisses. Doch der Kandidat hatte die Wette mehrmals erfolgreich geprobt, sein Körper war geschützt auch durch Protektoren für Arme, Beine, Rücken und Steißbein. Nun sucht man nach Erklärungen für das Unglück, das er vor Millionen Fernsehzuschauern erlitt. Und weil man nicht sieht, was so fatal falsch lief, sucht man die Erklärungen in der Vergangenheit von Samuel Koch, 23 Jahre alt, gebürtig aus Efringen-Kirchen, Student an der Hochschule Musik, Theater und Medien in Hannover.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer

          Kritik an AKK : „Eine Zumutung für die Truppe“

          Aus der Opposition gibt es heftige Kritik an der Ernennung von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Verteidigungsministerin. Kanzlerin und Union würden die „gebeutelte Bundeswehr“ für Personalspielchen missbrauchen, beklagt die FDP.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.