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„Wetten, dass..?“ : Die Chronik einer Fernseh-Schandtat

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Da wusste Moderator Thomas Gottschalk noch nicht, dass Bernd Fritz bei seiner Wette gleich schummeln wird. Bild: Picture-Alliance

Bernd Fritz, damals Chefredakteur der „Titanic“, führte 1988 Thomas Gottschalk und sein Millionenpublikum hinters Licht. Vor der letzten „Wetten, dass..?“-Sendung an diesem Samstag erzählt er hier die Geschichte der Buntstift-Wette.

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          Es war im Juni 1988 in der Redaktion der „Titanic“. Das Telefon klingelte: „Titanic, Fritz.“ – „Ja, Thomas Rautenberg mein Name. Ich bin Grafiker hier in München, es geht um Folgendes: Ich habe dem ZDF für ‚Wetten, dass..?‘ eine Wette angeboten, nämlich, dass ich 50 Buntstifte am Geschmack unterscheiden könnte.“ – „Haha!“ – „Ja, das kam so: Als Grafiker befeuchtet man manchmal die Buntstifte mit der Zunge, um einen Aquarelleffekt zu erzielen. Da flachsen wir in der Agentur natürlich, wie die schmecken und dass man mit so was bei Gottschalk auftreten sollte. Aus Jux habe ich ans ZDF geschrieben, und die haben wirklich geantwortet, mit einem Formschreiben und jetzt mit einem Telegramm, in dem um Rückruf gebeten wird.“ – „Unglaublich!“ – „Ja, nicht? Und als ,Titanic‘-Leser dachte ich, ich frag’ euch, ob ihr was draus machen wollt. Ich selbst trau mir das nicht zu.“ Beim ZDF habe man weder ein Foto von ihm, noch kenne man seine Stimme. „Da könnte doch jemand von euch als Thomas Rautenberg...“ Ja, und dieser Jemand war nach Lage der Dinge ich, der Chefredakteur.

          Ich werde also als Deisenhofener Werbegrafiker Thomas Rautenberg die Mission übernehmen. Zwei Tage später hat er mir Brief und Telegramm geschickt samt einem roten Stift von Faber-Castell, Sorte „Goldfaber“. Seine Unterschrift ist erfreulich leserlich und bestimmt leicht nachzumalen. Inzwischen schreiben wir den 30.Juni, und das Telegramm ist den neunten Tag unbeantwortet. Höchste Zeit, das ZDF, Beate Wink, anzurufen. Aber von wo aus? Wir müssen Thomas nach Frankfurt „umsiedeln“ und den zweiten Telefonanschluss der Redaktion für Rautenberg, also für mich, requirieren.

          Anruf beim ZDF. „Wink.“ – „Ja, hier Thomas Rautenberg.“ Ich entschuldige mich, dass ich mich erst jetzt melde, aber ich sei umgezogen wegen eines neuen Jobs in Frankfurt. Frau Wink will wissen, wie ich auf die Wette gekommen bin. Ich referiere, was mir mein Komplize erzählt hat. „Sind die Stifte von verschiedenen Herstellern? Denn dann können Sie sich die Farben an der Form der Stifte merken.“ Ich versichere, dass es sich nur um eine Sorte handele. Das beruhigt sie. Jetzt müsse ich aber erst mal den Wett-Test machen und zum ZDF nach Mainz kommen. Am 28.Juli soll er stattfinden.

          In der „Titanic“-Redaktion witzeln die Kollegen: „Wenn sie dir eine Binde über die Augen machen, sagst du, du kannst es auch ohne Binde.“ – „Wenn es nicht klappt, sagst du, du hast gerade eine Buntstiftallergie.“ – „Wetten, dass du es nicht schaffst, in die Sendung zu kommen?!“

          Wie könnte ich die Stifte präparieren? Ein Zauberer rät mir, verschiedenartige Kerben in den Schaft zu schnitzen und jemanden mitzunehmen, der je nach Farbe verschiedene Geräusche macht. Leider würde ich mir das nie merken können. Oder die Stifte mit der Spitze in Aromastoffe tauchen? Aber würde ich 36 verschiedene Aromen auseinanderhalten können?

          Die ersten Versuche, wie es funktionieren soll

          Ich sage den Termin ab. Mit der dämlichen Begründung, der Vater meiner Freundin liege im Sterben. Beim ZDF meldet sich eine Frau Mohr, zeigt Verständnis und spricht mir vorab ihr Beileid aus. Ich solle mich dann einfach bei ihr melden, wenn „alles vorbei“ ist. Das ist am 8. August der Fall. „Gut, dass Sie anrufen“, sagt Frau Mohr. „Sie müssen am 11. zum Test kommen, 14 Uhr, Zimmer 238 im Hauptgebäude.“ In drei Tagen!

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