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Werbung : Haut und Knochen

  • -Aktualisiert am

Eine geplante Werbekampagne der Tierschutzorganisation Peta sorgt schon jetzt für Wirbel. Sie setzt Massentierhaltung mit der Judenvernichtung gleich - denn Tiere sind für Peta auch Menschen.

          Rechts eine Kuh, nur noch Haut und Knochen, links ein nackter KZ-Häftling, zum Skelett abgemagert. Rechts in einem Käfig zusammengepferchte Hühner, links KZ-Häftlinge, zusammengepfercht auf den Pritschen ihrer Baracke. Mit solchen Bildern will die Tierschutzorganisation Peta (People for the Ethical Treatment of Animals) vom kommenden März an auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern für ihre radikalen Ziele werben.

          In den Vereinigten Staaten läuft die Kampagne "The Holocaust on Your Plate" ("Der Holocaust auf deinem Teller"), die Hühnerfarmen mit Auschwitz gleichsetzt, schon seit dem Frühjahr. Einer der Texte dazu: "Sechs Millionen Juden sind in Konzentrationslagern gestorben, aber dieses Jahr werden sechs Milliarden Grillhähnchen in Schlachthäusern sterben." Jüdische Organisationen in Amerika haben scharf dagegen protestiert, ebenso Tierschutzgruppen.

          Moralisch verwerflich

          Das beeindruckt Harald Ullmann nicht, den Zweiten Vorsitzenden der etwa 20.000 Mitglieder starken deutschen Peta-Sektion mit Sitz in Stuttgart: "Ich wüßte nicht, warum die Kampagne in Deutschland verboten werden sollte. Wir sagen doch nicht, daß der Holocaust nicht schlimm war." Das sieht Paul Spiegel anders, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er findet die Kampagne bei allem Verständnis für den Tierschutz "ungeheuerlich". Sie sei eine Beleidigung aller Opfer des Holocaust.

          Der Zentralrat prüfe, ob man mit juristischen Mitteln gegen die "menschenverachtende Kampagne" vorgehen könne, und bitte die zahlreichen prominenten Unterstützer von Peta, sich die Bilder genau anzusehen und sich zu fragen, ob sie auch weiter für die Organisation werben wollen. In Deutschland setzen sich etwa Nina Hagen und Nadja Auermann, Dirk Bach und Reinhard Mey, Elke Heidenreich und "Die Toten Hosen" für Peta ein. Die ZDF-Moderatorin Nina Ruge hat sich inzwischen von der Organisation distanziert und in der Illustrierten "Bunte" die "Holocaust-Kampagne" als "moralisch verwerflich" bezeichnet: "Das unermeßliche Leid der Juden für Werbezwecke zu mißbrauchen ist eine ungeheuerliche Anmaßung."

          Alle sind gleich

          Die Organisation Peta wurde 1980 in den Vereinigten Staaten von Alex Pacheco und Ingrid Newkirk gegründet und hat mittlerweile nach eigenen Angaben 750.000 Mitglieder auf der ganzen Welt. Der Kern ihrer Ideologie: Unterschiede zwischen Mensch und Tier, etwa Sprache, Vernunft, Moral und freier Wille, sind ethisch nicht von Bedeutung. Peta schreibt Tieren den gleichen Status zu wie Menschen, weil auch Tiere Schmerz empfinden können. Aus dieser radikalen Gleichsetzung von Mensch und Tier als Lebewesen ergibt sich für Peta zwangsläufig, daß der Gebrauch von Tieren zu Zwecken des Menschen ethisch betrachtet "Rassismus" ist.

          Peta kämpft deswegen gegen die Fleischindustrie, den Gebrauch von Pelzen, gegen Jagen und Fischen, gegen den Gebrach von Tieren in der Unterhaltung, der medizinischen und militärischen Forschung, gegen den Gebrauch von Tierprodukten wie Leder und Seide, gegen die Haltung von Tieren als Haustiere. Peta-Mitglieder haben demnach nicht nur Vegetarier zu sein, Menschen also, die auf Fleisch verzichten, sondern sie sollen Veganer sein, die auf jegliches Tierprodukt verzichten, auch auf Milch, Eier und Honig.

          Sind Tiere auch Menschen?

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