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Weniger Nacktschläfer : Jetzt ist Schluss mit der Freizügigkeit

„Der eine mag eine weite Hose, der Nächste einen Rundhals-Ausschnitt und der Übernächste einen V-Kragen.“ Deshalb wird jetzt wild herumprobiert. Bild: plainpicture/Fancy Images

Die Deutschen schlafen immer seltener nackt, besonders die Frauen. Stattdessen kombiniert man Shorts zu Shirts. Und Schlafmode ist wieder im Kommen. Was sagt das eigentlich über uns aus?

          Eigentlich hätte die 26 Jahre alte Berufsanfängerin, die heute im Gesundheitswesen arbeitet, einen guten Grund, nackt zu schlafen: ihre Mutter. Die ist für sie in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Sie tauschen zum Beispiel untereinander die Schuhe. Früher, als die Tochter noch im selben Ort wie die Mutter wohnte, haben sie einmal die Woche in derselben Tanzgruppe trainiert. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Bücher, die der Mutter gefallen, kurze Zeit später auch auf dem Nachttisch der Tochter liegen. Und wenn die Mutter von einem Frisör weiß, der aus dem Dunkelblond der Tochter ein sanftes Mittelblond zaubern kann, ist das für die Tochter eine sichere Empfehlung. Trotzdem sagt die Tochter: „So nackt, wie meine Mutter jeden Abend ins Bett geht, könnte ich nicht schlafen.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie klingt altmodisch, wenn sie davon erzählt, wie sie sich nachts am wohlsten fühlt. Im Pyjama aus gestärkter Baumwolle mit Karo-Muster in Pudertönen. Schön sei ein Rundhalskragen und ganz wichtig die Knöpfe. „Sie müssen flach sein, damit ich auch bequem auf dem Bauch liegen kann“, sagt sie. „Der Schlafanzug darf weder zu schlabberig sitzen noch zu eng. Wichtig ist auch, dass das Bündchen nicht rutscht. Aber ein Bündchen ist besser als ein Knoten vorne an der Hose. Wenn ich nachts raus muss, habe ich keine Lust, auch noch am Knoten zu nesteln.

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          Dass ausgerechnet in einer Zeit, da Eltern sich in beinahe alle Lebensbelange ihrer erwachsenen Kinder einmischen, das Verhältnis zur Nachtwäsche so verschieden sein kann, kommt häufig vor. Eine internationale Verbraucherumfrage der Organisation Cotton USA ergab im vergangenen Jahr, dass die Ära der Nacktschläfer in Deutschland, die mit der Freizügigkeit unter jungen Leuten in den siebziger Jahren begann, offenbar langsam zu Ende geht. Schlafen zum Beispiel 25 Prozent der Frauen ab 53 Jahren nackt, sind es bei denen unter 30 gerade einmal 15 Prozent. 49 Prozent von ihnen greifen hingegen zu Baumwoll-Top und Slip.

          Gewinner des Trends könnte am Ende sogar der als gestrige geltende Pyjama sein. Denn bereits heute richtet sich die Bekleidungsindustrie ausgerechnet auf jene Kunden ein, die sie „Nachtwäsche-Verweigerer“ nennt - und spricht von einer allmählichen Renaissance von Schlafmode.

          „Vor rund zehn Jahren haben wir uns überlegt, was die Frau im Idealfall macht, wenn sie abends nach Hause kommt“, sagt Heike Dückers, Leiterin der Bereiche Design und Produktmanagement beim Nachtwäschehersteller Hanro. „Wir dachten, dass sie ihr Business-Kostüm in die Ecke wirft, sich einen Loungewear-Anzug überzieht und später dann zum Schlafen in das Spitzennachthemd steigt.“ Das aber sei ein Irrtum gewesen. Die Konsumentin denke pragmatischer. „Heute wissen wir: Sie legt das Business-Kostüm ab, zieht sich etwas Bequemes über und schläft anschließend darin“, sagt Dückers. Mit dem Phänomen der Nachtwäsche-Verweigerer, die sich kaum Gedanken um das machen, was sie im Bett tragen, die aber dennoch zunehmend nicht mehr nackt schlafen, sei ein neues Konzept entstanden: Mix and Match.

          Mischen und Kombinieren

          Nach solchen Kombinationen, die sich frei zusammenstellen lassen, scheinen selbst diejenigen zu suchen, die sich mit irgendwelchen Shorts zu irgendeinem T-Shirt zufriedengeben. Dass die Leute heute nachts mixen und matchen wollen, hat Hanro-Frau Dückers schon am Kaufverhalten beobachtet: „Bei Mix-and-Match-Konzepten verkaufen wir mehr Hosen als Oberteile“, sagt die Wäscheexpertin. „Daraus lässt sich ableiten, dass die Kunden die Hose mit anderen Oberteilen kombinieren.“

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