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Wichtiges Nahrungsmittel : Reisanbau von Klimawandel bedroht

Reisfelder in der Nähe von Asti, Italien Bild: Picture-Alliance

Die Reisproduktion könnte bis zum Ende des Jahrhunderts um 40 Prozent zurückgehen, wie neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Schuld daran: die Klimaerwärmung.

          2 Min.

          Die Klimaerwärmung wird die Anbaubedingungen für Reis auf allen Anbauflächen der Welt wesentlich verschlechtern. Die Reisproduktion könnte bis zum Ende des Jahrhunderts um 40 Prozent zurückgehen. Außerdem führen die höheren Temperaturen dazu, dass die Reispflanzen das chemische Element Arsen noch stärker aufnehmen als bislang. Zu diesem Ergebnis sind Forscher der Universitäten Bayreuth, Tübingen und Stanford gekommen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Nach Erkenntnissen der Geowissenschaftler, Bodenkundler und Umweltwissenschaftler wird der erhöhte Kohlendioxidgehalt der Luft, die Wasserknappheit sowie der Temperaturanstieg den Ernteertrag um 15 Prozent mindern. Bei der kalifornischen Reissorte „M206“ führt alleine die Klimaerwärmung zu einem Ertragsverlust von 16 Prozent. Haben die Reispflanzen verstärkt Arsen aufgenommen, dann liegt der Ertragsverlust nach Berechnungen der Forscher bei 42 Prozent.

          Für die Welternährungssituation hätte das dramatische Folgen: Kein anderes Getreide versorgt mehr Menschen täglich besser mit Kalorien, für etwa die Hälfte der Weltbevölkerung ist Reis das wichtigste Grundnahrungsmittel. „Wir haben unseren Studien eine Verdopplung des Kohlendioxidgehalts und einen Temperaturanstieg um fünf Grad zugrunde gelegt. Das ist heute ein moderates Szenario für die Klimaerwärmung“, sagte Eva Marie Muehe vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften an der Universität Tübingen. Arsen müsse, um von Pflanzen aufgenommen zu werden, nicht an Mineralien gebunden sein. „Es fließt passiv mit den Nährstoffen in die Pflanzen, das macht es so bedrohlich“, sagte die Forscherin dieser Zeitung.

          97 Prozent des Reisanbaus findet in Asien statt. Dort ist die Arsenbelastung hoch, weil das zur Wässerung verwendete Grundwasser zumeist arsenhaltig ist und weil dort früher oft arsenhaltige Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden. Auch biologisch produzierter Reis enthält Arsen. Die geringste Arsen-Belastung weist japanischer Basmati-Reis auf. „Wir konnten in unseren Versuchen bei einer kalifornischen Reissorte gerade beim anorganischen Arsen einen deutlichen Anstieg der Belastung feststellen“, sagte Muehe.

          In weiteren Untersuchungen wollen die Wissenschaftler nun klären, ob und wie der Teufelskreis zwischen Klimawandel und Arsenbelastung unterbrochen werden kann. Es gibt zwar Reissorten, die Arsen schlechter resorbieren, aber der Umstieg auf andere Reissorten allein dürfte zur Lösung des Problems nicht ausreichen. „Reis wird in gefluteten Feldern angebaut. Möglich ist es wahrscheinlich, die Anbaumethoden zu verändern und vor allem in die Reisfelder so viel Sauerstoff wie möglich zu bringen, damit die Arsen-Aufnahme begrenzt werden kann“, sagte die Wissenschaftlerin. Die weiteren Studien könnten eine große Bedeutung haben, um neue Strategien zur Sicherung der Ernährungssicherheit zu entwickeln.

          Die Arsenbelastung im Reis muss in jedem Fall in den nächsten Jahren reduziert werden, denn Arsen kann bei Menschen, wenn es dauerhaft mit der Nahrung aufgenommen wird, zu Hautkrankheiten, schweren Lungenerkrankungen und sogar zu Krebs führen.

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