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Weltnichtrauchertag : „Schluß mit süchtig“

  • Aktualisiert am

Weltnichtrauchertag: Noch rauchen die Deutschen täglich rund 305 Millionen Zigaretten Bild: dpa/dpaweb

Rund 300 Menschen sterben in Deutschland täglich an den Folgen ihres Zigarettenkonsums. Die WHO ruft anläßlich des Weltnichtrauchertages zur Entwöhnung auf. In 40 Prozent der Fälle verläuft diese erfolgreich.

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          In Rauch gehen jeden Tag in Deutschland durchschnittlich 305 Millionen Zigaretten auf. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden anläßlich des Weltnichtrauchertages an diesem Dienstag auf Grundlage der Zahl der versteuerten Zigaretten im Kalenderjahr 2004 ermittelt. Daneben werden täglich durchschnittlich noch zehn Millionen Zigarren und Zigarillos, 66 Tonnen Feinschnitt und zwei Tonnen Pfeifentabak geraucht. Rein rechnerisch kommen damit auf jeden Einwohner vier Zigaretten pro Tag, an jedem achten Tag zudem eine Zigarre oder ein Zigarillo.

          Verglichen mit dem Vorjahr konsumierten die Raucher weniger Zigaretten (minus 15,8 Prozent), aber deutlich mehr Feinschnitt (plus 30,4 Prozent), wodurch etwa ein Viertel des Zigarettenrückgangs kompensiert wurde. Offenbar läßt sie steigende Tabaksteuer mehr Raucher zu dem preiswerteren losen Tabak greifen, um Zigaretten selbst zu drehen. Vor elf Jahren wurden pro Tag noch 367 Millionen Zigaretten, aber nur 31 Tonnen Feinschnitt geraucht.

          Viele Raucher wollen aufhören

          Rund 60 Prozent der Deutschen halten die derzeitigen Vorschriften und Gesetze gegen das Rauchen für ausreichend. Nur 38 Prozent fordern einen strengeres gesetzliches Rauchverbot, so das Ergebnis einer Forsa-Umfrage vom Montag. Zugleich versuchten viele der rund achtzehn Millionen deutschen Raucher, die Glimmstengel für immer zur Seite zu legen oder zumindest weniger zu rauchen.

          Hilfe in Anspruch nehmen

          An den Folgen des Rauchens sterben jeden Tag rund 300 Menschen in Deutschland. Zum Weltnichtrauchertag rufen daher Weltgesundheitsorganisation (WHO), Deutsche Krebshilfe und Aktionsbündnis Nichtrauchen die Raucher auf, sich an Ärzte und Apotheker zu wenden, um von der Nikotinsucht loszukommen. Die WHO empfiehlt, Konzepte der Raucherberatung in Anspruch zu nehmen. Diese hätten eine Erfolgsquote von bis zu 40 Prozent. Der Weltnichtrauchertag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Schluß mit süchtig! - Wir helfen Rauchern. Die Gesundheitsberufe“.

          Aufklärung als erster Schritt zum Erfolg

          Die WHO will Ärzte und Pflegepersonal im Kampf gegen das Rauchen mobilisieren. Studien hätten gezeigt, daß Aufklärung durch das Gesundheitspersonal bei etwa einem Drittel der Raucher Wirkung zeige, berichtete die WHO am Montag in Genf. WHO-Generaldirektor Jong Wook Lee sagte, Tabak sei mit jährlich fast fünf Millionen Toten einer der „führenden Killer auf der Welt“.

          Tabaksteuer erfolgreiche Maßnahme

          Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk (SPD), strebt dieses Jahr eine deutlich höhere Zahl rauchfreier Krankenhäuser in Deutschland an. Bisher seien es rund 50. Es müßten mindestens 200 werden, sagte sie am Montag in Berlin. Unverständnis äußerte sie darüber, daß gut 40 Prozent des Klinikpersonals rauchen. Caspers-Merk lehnte es ab, die dritte Stufe der Tabaksteuererhöhung zum 1. September auszusetzen: Immerhin hätten schon bisher knapp acht Prozent der Raucher wegen der Verteuerungen mit dem Rauchen aufgehört.

          Rauchfrei in Regionalbahnen

          In den Regionalzügen der Bahn ist künftig in fünf Bundesländern das Rauchen verboten. Nach Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Baden-Württemberg sollen von diesem Dienstag an auch in Bremen und Niedersachsen die Raucherabteile bis Jahresende aus den Nahverkehrswagen verschwinden, wie die Bahn am Montag mitteilte. In Befragungen sei das selbst bei Rauchern auf Zustimmung gestoßen. Rechnerisch sitzt ein Fahrgast im Nahverkehr zwanzig Minuten lang im Zug. Ausweiten will die Bahn auch die Zahl der rauchfreien Bahnhöfe.

          Immer mehr junge Raucher

          Nach den Schulen im Freistaat sollen auch die bayerischen Sportvereine rauchfrei werden. Gesundheitsminister Werner Schnappauf (CSU) und der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) starteten am Montag in Nürnberg die Initiative „Rauchfreier Sportverein“ und den Wettbewerb „Sport rauchfrei“. Die Teilnahme der Sportvereine an der Aktion ist an die Zusage konkreter Maßnahmen zum Nichtraucherschutz geknüpft. So müssen die Vereine auf Tabakwerbung und -sponsoring sowie auf Zigarettenautomaten auf dem Sportgelände und in den dazu gehörenden Gaststätten verzichten.

          In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Anteil der Raucher unter den zwölf- bis vierzehnjährigen Schülern etwa verdreifacht. Nach Angaben des Ministeriums gibt es in Bayern etwa eine halbe Million Raucher im Jugendalter. Die überwiegende Zahl der schweren Raucher mit einem Konsum von mehr als 20 Zigaretten pro Tag beginne zwischen dem zwölften und fünfzehnten Lebensjahr regelmäßig zu rauchen.

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