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Weltausstellung 2005 : Fußgänger im Stau vor dem Toyota-Pavillon

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Nebenbei erfahren die Passagiere etwas darüber, wie sich die Technik die Beobachtung der Natur bei der Entwicklung von High-Tech-Produkten zunutze macht. Als Beispiele dienen ein Schwimmanzug, dessen Oberflächenstruktur der widerstandsarmen Haifischhaut abgeschaut ist, und ein Speichenrad für BMW-Motorräder, bei dessen Konstruktion sich die Ingenieure von einer geschwungenen Astgabel inspirieren ließen. Zum Schluß hebt ein Roboter den Tropfen in ein Labor, in dem die Eindrücke der sechsminütigen „Reise“ plastisch vertieft werden. Beim Rundgang wird die „deutsche Führungsrolle in der Bionik“ erklärt, natürlich steckt dahinter das Ziel, durch diesen Expo-Beitrag das deutsche Image zu entstauben. Kostenpunkt: 13 Millionen Euro.

„Denn süß geht immer

Die deutsche Gaststätte dagegen setzt ganz unbefangen auf das, was die meisten Japaner wirklich mit Deutschland verbinden, und höchstwahrscheinlich liegen die expoerprobten Messegastronomen Angerer&Obermayr damit richtig: „deutsche Gemütlichkeit“. Wandvertäfelung, Tische und Stühle sind aus dunklem Holz, und damit das nicht zu trist wirkt, ließ Prinz Luitpold von Bayern, dessen Weißbier in dieser Kneipe ausgeschenkt wird, große farbenfrohe Gemälde an die Wände hängen. Die Motive sind Wagner-Opern entnommen, gemalt von einem Budapester Bühnenbildner.

„Das läuft bei den Japanern, die wollen so was“, sagt Gerhard Obermayr, der Wirt aus Eschenried. Er hofft auf 600 Gäste am Tag und sorgt sich nur ein wenig um die weibliche Kundschaft, die erfahrungsgemäß kein Bier bestellt und die kleinen Portionen bevorzugt. Auf der Speisekarte stehen natürlich Bratwürste, Kaßler, Sauerkraut. Und Blechkuchen, Zwetschgen vor allem: „Denn süß geht immer.“ Ihr Restaurant müssen Angerer&Obermayr wahrscheinlich nicht mehr mit nach Hause nehmen. Zwei japanische Wirte haben schon Interesse an der Einrichtung angemeldet.

Japanische Zurückhaltung

Gastronomisch hatten die Deutschen den Mut zum Klischee schon 1970 in Osaka, der ersten und bis Freitag einzigen Weltausstellung in Asien. In einem weißblauen Bierzelt wurden unter bayrischen Klängen deutsche Rustikalkost und frischgezapftes Bier serviert. Das kam an - ganz im Gegensatz zu den Kompositionen Stockhausens im deutschen Pavillon, die nur einen kleinen Kreis von Kennern erreichten. Vor 35 Jahren kam der Bauer aus Kansai auf die Expo nach Osaka, um in den Hallen der Nationen die Luft der großen weiten Welt zu schnuppern.

Inzwischen reisen Japaner nicht nur in alle Winkel der Erde, sie können in ihrer Heimat auch so gut wie alles Ausländische kaufen. Zur legendären Expo von Osaka kamen 65 Millionen Besucher. In Aichi wird man froh sein, wenn 15 Millionen Karten verkauft sind. Nicht nur der Rückblick auf Hannover und Lissabon, wo man sich kräftig verkalkuliert hatte, erklärt die japanische Zurückhaltung, sondern auch die Sättigung einer wohlhabenden Industrienation.

Kein Erwartungstaumel

Der vergängliche Themenpark von Natur, Technik und 122 Nationen in Aichi hat dauerhafte Konkurrenz im eigenen Land. In der Nachbarschaft liegen die Universal Studios, nahe Tokio gleich zweimal Disneyland, jede Menge Freizeitparks, die sich Regionen, Ländern, Tieren oder Comicfiguren widmen. Und nach drei Olympischen Spielen und einer Fußballweltmeisterschaft versetzt auch eine Expo das Volk nicht mehr in Erwartungstaumel. Was nicht heißt, daß die Gäste ausbleiben, denn Neues, zumal verspielte Technik, findet hier immer Anklang.

Für die Regierung in Tokio ist Aichi ein wichtiges Prestigeprojekt. Die Welt soll nach miesen Wirtschaftsjahren wieder beeindruckt auf Japan, auf die Höchstleistungen seiner Industrie blicken. Viele Staatsbesucher haben sich angesagt, gleich zu Beginn kommt Frankreichs Staatspräsident Chirac, kurz darauf der deutsche Bundespräsident Horst Köhler. Vor der nächsten großen Expo 2010 in Schanghai will Japan noch einmal Maßstäbe setzen. Den aufholenden Nachbarn und Rivalen wird dies nicht verborgen bleiben. Die langhaarige Roboterdame am Informationsstand der Aichi-Expo ist schon auf Zukunft programmiert: Neben Japanisch und Englisch kann sie auch auf chinesisch den Weg weisen.

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