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Weltausstellung 2005 : Fußgänger im Stau vor dem Toyota-Pavillon

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2000 war auch das Jahr, in dem japanische Naturschützer die Expo-Veranstalter in ihre Schranken wiesen: Der Plan, im anliegenden Kaisho-Wald im Zuge der Weltausstellung eine Wohnsiedlung für 6000 Menschen zu errichten, stieß auch im Bureau International des Expositions (BIE) in Paris auf Mißfallen und wanderte schließlich in den Papierkorb. Generalsekretär Vicente Gonzalez Loscertales zeigte sich erleichtert, daß der Kaisho-Wald durch die Expo statt 47,2 nur noch 10,4 Hektar verlor. In Aichi hört sich die Geschichte heute etwas selbstgefälliger an: Nur 10.000 Bäume seien gefällt oder umgesetzt, der Lebensraum seltener Vögel bewahrt worden.

Androide im Konzert

Weisheit hin, Natur her - Japan wäre nicht Japan, würde diese Weltausstellung nicht als Leistungsschau seiner Industrie genutzt. Die Skyline der Expo beherrschen die Tempel der High-Tech-Unternehmen, die das Land groß gemacht haben: Hitachi, Mitsubishi, Toshiba und allen voran Toyota. Asiens größter Autokonzern, der seinen Stammsitz in Aichi hat, ist der eigentliche Gastgeber. Die Olympischen Winterspiele 1998 brachte der inzwischen umstrittene Großunternehmer Tsutsumi nach Nagano, Toyota holte die Expo 2005 nach Aichi.

Das Verkehrsleitsystem für Ausstellungsbesucher warnt schon am ersten Tag auf dem gesamten Gelände: Stau vor Toyota. Der eigentlich für Fortbewegung auf vier Rädern bekannte Konzern zieht die Massen vor allem mit zweibeinigen Robotern an. Zur Auftaktshow in Toyotas 5000 Quadratmeter großem Areal, einem Rundbau aus Stahl und Papier, warten die Androiden mit einem Konzert auf: Jam-Session mit Tuba und Trompete.

Mit inneren Werten dagegenhalten

Der Elektronikgigant Hitachi nebenan hat mit seiner Pavillon-Architektur den Vogel abgeschossen: ein riesiger silberner Würfel, geteilt von einem rot-braunen Canyon, durch dessen Bett ein Wasserfall rauscht. Im Innern erleben die Besucher stille Bergwelt, trockene Savanne, feuchten Regenwald und die Tiefen des Ozeans. Das Besondere: bedrohte Tierarten, virtuell projiziert, zum Anfassen. Mitsubishi läßt bunte Kühe auf dem begrünten Dach eines Schneckenhauses grasen, und unter dem mächtigen Kegel des Fuji verbirgt sich ein Phantasie-Theater.

Während die japanischen Aussteller mit futuristischer Architektur auf sich aufmerksam machen, können die 122 Gastnationen, die in fabrikartigen Wellblechhallen untergebracht sind, nur mit inneren Werten dagegenhalten. Nicht alle haben ihren Container so minimalistisch belassen wie Deutschland und Frankreich, die sich erstmals eine Behausung auf einer Expo teilen, allerdings mit getrennten Ausstellungen. Ägypten, Thailand und Kambodscha zeigen schon draußen, worauf es ihnen ankommt: Mehr japanische Touristen für Pyramiden, Chiang Mai und Angkor.

Deutsches Image entstauben

Österreich und die Schweiz locken mit dem Berg, die Schweizer füllen ihn mit einem unterhaltsamen Sammelsurium von Museumsstücken, die Österreicher lassen auf ihm rodeln. Deutschland dagegen setzt auf dieselbe Karte wie Japans Industrie, verbindet Technik und Wissenschaft mit Spaß. Dafür hat der bayerische Karussellbauer Zierer eine harmlose, aber eindrucksvolle Achterbahn konstruiert, die in einer dunklen, felsigen Höhle - mit Kulissen aus den Babelsberger Filmstudios - beginnt. Sechs Passagiere durchleben in einem „Wassertropfen“ aus Plexiglas die tobenden Elemente. Der Tropfen - neudeutsch „Experience Drop“ genannt - gleitet durch die Erdschichten, wird eins mit Flüssen und Meer und gondelt zu guter Letzt an Neuschwanstein, Loreley und Berlin vorbei.

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