https://www.faz.net/-gum-3en0

Welt-Malaria-Tag : Alle 30 Sekunden stirbt in Afrika ein Kind an Malaria

  • -Aktualisiert am

Malariakranke in Mosambik Bild: dpa

Der Kampf gegen die Malaria scheint in manchen Regionen Afrikas nahezu aussichtslos. Alle Anstrengungen dämmen die Krankheit nur ein, Forschung wird nicht intensiv genug betrieben.

          2 Min.

          „Ich könnte genauso gut eine Münze werfen“, klagt die Ärztin Diane Cheynier. Von den 200 Patienten, die täglich in ihre Praxis in Burundi kommen, ist knapp die Hälfte an Malaria erkrankt. Die Therapie gleicht häufig einem Glücksspiel. „Statt der Medizin könnte ich ihnen oft ebenso ein Stück Zucker geben“, beschreibt die „Ärzte ohne Grenzen“-Mitarbeiterin die mangelnde Wirksamkeit ihrer Medikamente.

          Malaria, in Afrika südlich der Sahara neben Aids und Tuberkulose der schlimmste Killer, hat wenige ernst zu nehmende Feinde: Gegen die meisten Mittel ist ihr Erreger inzwischen resistent, wirksame Medizin ist oft zu teuer und der Anreiz zur Erforschung neuer Mittel gering. Von den weltweit mehr als eine Million Malariatoten jährlich stammen 90 Prozent aus Afrika. Zum Afrika-Malaria-Tag an diesem Donnerstag haben die Weltgesundheitsorganisation WHO, das UN-Kinderhilfswerk Unicef und andere Gruppen der Kampagne „Roll Back Malaria“ zum Kampf gegen die Krankheit aufgerufen.

          Kinder mit sechs Malaria-Ausbrüchen im Jahr

          Die meisten Malaria-Opfer in Afrika sind Kinder zwischen vier Monaten und fünf Jahren. Nach WHO-Angaben stirbt auf dem Kontinent alle 30 Sekunden ein Kind an dem durch die Anopheles-Mücke übertragenen Parasiten Plasmodium. In den Malaria-Brennpunkten Ostafrikas wie Burundi oder Tansania erleiden kleine Kinder nicht selten sechs Malaria-Ausbrüche im Jahr. Häufig tragen sie schwere organische Schäden davon. In Tansania werden bei den 33 Millionen Einwohnern jährlich knapp 16 Millionen Erkrankungen registriert. Im Bürgerkriegsland Burundi stieg die Zahl der Fälle innerhalb von zehn Jahren von 200.000 auf zwei Millionen im Jahr 1999 an.

          Armut, Bürgerkriege und nachlässige Gesundheitspolitik sind ein guter Nährboden für die Verbreitung des Parasiten. „Dabei könnte allein die systematische Verteilung von imprägnierten Moskitonetzen die Todesrate mindestens um ein Drittel senken“, erklärt ein Vertreter der kenianischen Gesundheitsbehörden. Doch dafür mangelt es häufig an Geld. Denn die Krankheit kostet nicht nur Leben, sondern viele betroffene Staaten auch 40 Prozent ihres Gesundheitsbudgets und mehr. Laut WHO schröpft der Malaria-Parasit Afrika im Jahr um über zwölf Milliarden US-Dollar (rund 13 Milliarden Euro).

          Kampagnen bleiben bisher wirkungslos

          Vor zwei Jahren unterzeichneten 44 afrikanische Länder die „Abuja- Erklärung“, die eine Halbierung der Malaria-Schäden bis zum Jahr 2010 zum Ziel hat. Doch trotz zahlreicher derartiger Kampfansagen wird nach Ansicht kritischer Mediziner noch immer nicht genug getan, um den Parasiten zu bekämpfen. So sterben nach Informationen der „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) Millionen von Menschen an Malaria, weil sie mit falschen Medikamenten behandelt werden. Mit teuren aber effektiven Mitteln könnten sie gerettet werden. „Aus Kostengründen greifen viele Regierungen auf Mittel zurück, gegen die die Parasiten nachweislich hohe Resistenzen aufweisen“, sagt der belgische MSF-Malariaexperte Jean-Marie Kindermans.

          In den vergangenen zehn Jahren habe die Wirksamkeit der weiterhin gängigen Behandlungsmittel Chloroquin und Fansidar dramatisch nachgelassen. In einigen Regionen schlage Chloroquin schon bei 90 Prozent der Erkrankten nicht mehr an. Anders als das in China entwickelte Mittel Artemisinin, das in Asien seit zehn Jahren genutzt werde. Erfolgreich testeten Forscher zuletzt eine Kombination der Mittel Amodiaquin und Artesunat.

          Investition in die Forschung zu gering

          Dennoch fehlt für die Erforschung neuer Medikamente nach Meinung von Kritikern das Geld. „Das Interesse der Konzerne in Industrieländern an Medikamentenforschung ist bei Malaria lange nicht so groß wie etwa bei Diabetes“, sagt der Direktor des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg, Professor Bernhard Fleischer. Industrieländer seien eben von der Krankheit nicht so betroffen. Zudem erschwere die Wandlungsfähigkeit des Erregers die Entwicklung eines wirksamen Medikaments.

          Fleischer bemängelt, dass allgemein zu wenig Geld für die Malaria- Forschung zur Verfügung steht: „Auch Deutschland muss hier mehr investieren“, meint er. Gerade kleine Firmen hätten es schwer, sowohl für Forschungszwecke Kredite zu bekommen als auch später ein Medikament erfolgreich zu vermarkten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.