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Weiter Hitze : Nach schweren Unwettern beruhigt sich die Lage

  • Aktualisiert am

Eine Windhose verwüstet die Dünen vor Helgoland Bild: ddp

Nach schweren Unwettern hat sich die Wetterlage in Deutschland wieder beruhigt. Drei Menschen starben. Meteorologen rechnen am Mittwoch mit weiteren Gewittern. Die lang anhaltende Hitze wird allmählich zum Problem für Kohle- und Kernkraftwerke.

          Nach den heftigen Unwettern in weiten Teilen Deutschlands hat sich die Lage zwar wieder entspannt, doch schon am Mittwoch droht eine neue Gewitterfront. In der Nacht sei es vereinzelt noch zu stärkeren Regenfällen gekommen, größere Schäden seien aber ausgeblieben, sagte Meteorologe Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst. Der Mittwoch verspreche dann vom Wetterablauf wieder ähnlich zu sein wie der Montag: Nach einem sonnigen Anfang klettern die Temperaturen wieder rasch auf Werte über 30 Grad. Zum Nachmittag formiert sich dann im Westen eine Gewitterzone, die im weiteren Verlauf weiter nach Osten vordringen wird.

          Von den schweren Unwettern am Montag waren vor allem Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen betroffen. Drei Menschen kamen dabei ums Leben. In Bremerhaven und im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen wurden Windgeschwindigkeiten von mehr als 118 Kilometer pro Stunde gemessen, was einer Windstärke 12 (Orkan) entspricht. Mit den starken Regenfällen von 25 bis stellenweise mehr als 50 Liter pro Quadratmeter war zum Teil auch starker Hagelschlag verbunden. Bei Loxstedt in der Nähe von Cuxhaven entstand ein kleiner Tornado.

          Umgestürzte Bäume und abgefallene Äste

          In Weener im niedersächsischen Kreis Leer wurde eine 20 Jahre alte von einem Baum erschlagen, als sie sich mit ihrer zweijährigen Nichte auf dem Heimweg befand. Die Frau musste schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden und erlag am späten Montagnachmittag ihren Verletzungen. Das Mädchen wurde leicht verletzt. Im niedersächsischen Nordhorn wurde eine 47 Jahre alte Frau von den abgerissenen Ästen eines Baumes erschlagen. Der Baum kippte auf das Dach eines Hauses, unter dem die Frau Schutz vor dem Unwetter gesucht hatte.

          Viele Keller standen nach dem Unwetter unter Wasser

          In Köln wurde außerdem eine 54 Jahre alte Rollerfahrerin von einem Laster erfasst und tödlich verletzt. Die Frau wollte laut Polizei offenbar wegen des Unwetters Schutz unter einer Brücke suchen.
          Auf der Badeinsel Düne vor Helgoland hatte eine starke Windhose einen Zeltplatz verwüstet. Elf Menschen erlitten Verletzungen, meist jedoch nur Knochenbrüche. Zwei Schwerverletzte mussten mit einem Hubschrauber in Kliniken auf dem Festland gebracht werden. Rund 60 Menschen bezogen ein provisorisches Nachtquartier in der Schule der Insel. Die Urlauber konnten aber am Dienstag wieder ihre Zelte auf dem Campingplatz aufschlagen.

          Weitere Gewitter im Anzug

          Nach dem Verkehrschaos entspannte sich auch die Lage im nordrhein-westfälischen Bahnverkehr. Lediglich die Strecken zwischen Mönchengladbach und Krefeld, Dormagen und Krefeld sowie Oberhausen und Emmerich seien noch komplett gesperrt, sagte ein Bahnsprecher. Wie lange die Sperrungen andauerten, sei noch nicht abzuschätzen. Jedoch werde die Strecke zwischen Oberhausen und Emmerich wohl bis Mittwoch gesperrt sein.

          Die Gewitter bringen indes nur eine kurze Abkühlung. Nach einer kurzen Verschnaufpause am Dienstag mit Temperaturen unter der 30-Grad-Marke klettert bereits am Mittwoch das Thermometer im Süden wieder auf Werte bis zu 36 Grad. Zum Nachmittag ziehen dann wieder im Westen die ersten Gewitter ein, die dann auch wieder zu Starkregen, Sturmböen und zum Teil auch Hagel führen können. Im Laufe des Donnerstag tritt wieder eine Wetterberuhigung ein, und es wird nicht mehr ganz so heiß.

          Kohle- und Kernkraftwerke belastet

          Die Hitzewelle wird allmählich zum Problem für Kohle- und Kernkraftwerke. Das ergab am Dienstag eine dpa-Umfrage bei Behörden und Betreibergesellschaften. Reaktoren müssen mit gedrosselter Leistung arbeiten, wenn ihr Kühlwasser die Flüsse zu sehr aufheizen würde. Das Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein musste bereits am Montag wegen der Hitze für drei Stunden seine Leistung um 50 Megawatt drosseln. Der Grund: Die Elbe hatte in dieser Zeit rund 24 Grad, sagte ein Sprecher des für die Atomaufsicht zuständigen Justizministeriums in Kiel. Dies komme nicht regelmäßig, aber immer mal wieder vor, sagte der Sprecher. Die beiden anderen schleswig-holsteinischen Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel sind wegen Pannen seit Sommer 2007 vom Netz.

          Am Wochenende könnten Rhein und Neckar in Baden-Württemberg eine Wassertemperatur von 28 Grad erreichen. Dann müssten Kohle- und Kernkraftwerke grundsätzlich vom Netz genommen werden, teilte das Umweltministerium mit. „Die Lage ist angespannt, aber noch nicht dramatisch. Die Situation könnte sich aber schon in den nächsten Tagen weiter zuspitzen“, sagte Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU). Derzeit würden schon Wassertemperaturen über 25 Grad gemessen.

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