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Weißes Haus : Ein Zuhause auf Zeit

  • -Aktualisiert am

Das Weiße Haus ist Amtssitz und Residenz des Präsidenten. Aber so richtig gemütlich ist es in dem Gebäudekomplex nicht. Ein interaktiver Rundgang.

          3 Min.

          Es ist das wohl berühmteste Gebäude der Welt, jedenfalls das berühmteste Regierungs- und Wohngebäude. Das Haus an der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington ist seit mehr als zwei Jahrhunderten der Ort von Entscheidungen, die das Leben von Millionen Menschen beeinflussen. Es ist aber auch der Ort aller denkbaren menschlichen Erfahrungen und Erschütterungen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das erste Baby, ein Enkel des dritten Präsidenten Thomas Jefferson, der von 1801 bis 1809 regierte, wurde 1806 in einem der Schlafräume im Obergeschoss geboren. Wenig später kam in den Sklavenquartieren im Untergeschoss das Kind von Fanny und Davy, zwei schwarzen Sklaven von Präsident Jefferson, zur Welt; das schwache Kind starb nach kaum zwei Jahren, sein Begräbnis dürfte das erste im Weißen Haus gewesen sein.

          Zwei Präsidenten und drei „First Ladys“ starben in den Mauern des Weißen Hauses. Präsident Grover Cleveland (1885 bis 1889) heiratete im „Blue Room“. Seit je haben Kinder von Präsidenten im Weißen Haus gelebt, sind mit ihren Haustieren im Garten herumgetollt, haben für die Schule gebüffelt und Feste gefeiert.

          Farbton „gebrochen weiß“

          Gründerpräsident George Washington (1789 bis 1797) legte im Oktober 1792 den Grundstein für den Amtssitz, den er gemeinsam mit dem Stadtplaner der amerikanischen Hauptstadt, Pierre L’Enfant, entwarf. Der zweite Präsident John Adams (1797 bis 1801), der das Haus am 1. November 1800 als erster bezog, verlor kurz vor dem Ende seiner Amtszeit einen Sohn im Weißen Haus. Der gleiche Schicksalsschlag traf später die Präsidenten Abraham Lincoln (1861 bis 1866) und Calvin Coolidge (1923 bis 1929).

          Das Weiße Haus – es ist das wohl berühmteste Gebäude der Welt.
          Das Weiße Haus – es ist das wohl berühmteste Gebäude der Welt. : Bild: dapd

          Im Krieg gegen die Briten, der 1812 begann, wurde das Weiße Haus im August 1814 von den marodierenden britischen Truppen in Brand gesetzt und vollständig zerstört. Der Wiederaufbau wurde 1819 abgeschlossen. Der nunmehr weiße Anstrich brachte dem Gebäude im Volksmund die Bezeichnung White House ein; den Namen machte Präsident Theodore Roosevelt erst 1901 zur offiziellen Bezeichnung für den Präsidentensitz.

          Seither wurde das Gebäude, das auf der Rückseite des Zwanzig-Dollar-Scheins abgebildet ist, fortwährend erweitert, umgebaut, verändert - und gestrichen, zuletzt vor einigen Jahren mit diffusionsoffenen Keim-Farben aus Deutschland im Farbton „gebrochen weiß“.

          130 Räume, drei Dutzend Toiletten

          Im Jahr 1901 wurde unter Theodore Roosevelt (1901 bis 1909) der Westflügel bezogen, den William Howard Taft (1909 bis 1913) sogleich erweiterte und darin das „Oval Office“ einrichtete. In späteren Jahren kam der Ostflügel hinzu, unter dem sich der Schutzbunker befindet. In diese unterirdische Kommandozentrale wurde am 11. September 2001 Vizepräsident Dick Cheney gebracht, weil sich Präsident George W. Bush (2001 bis 2009) am Morgen der Terroranschläge von New York und Washington in Florida aufhielt.

          An „9/11“ wurde das Weiße Haus erstmals in seiner Geschichte evakuiert. Der Amts- und Wohnsitz des Präsidenten ist seit je auch das Haus des Volkes. Nur in Kriegszeiten und nach den Anschlägen von 2001 blieben die Pforten des Weißen Hauses vorübergehend für das Volk verschlossen. Derzeit werden bis zu 30.000 Menschen pro Woche im Rahmen der Besichtigungstouren durch ausgesuchte Räume des Weißen Hauses geschleust.

          Heute hat das Weiße Haus sechs Stockwerke, die zwei Kellergeschosse mitgerechnet. Das Mauerwerk und die tragenden Balken wurden längst durch Beton und Stahlträger ersetzt. Das Gebäude verfügt über mehr als 130 Räume und rund drei Dutzend Badezimmer und Toiletten. Zur körperlichen Ertüchtigung gibt es ein Schwimmbad, einen Fitnessraum, einen Tennisplatz und sogar ein kleines Golf-Grün. Unter Präsident Richard Nixon (1969 bis 1974) wurde eine Kegelbahn gebaut. Der erste schwarze Präsident Barack Obama (seit 2009) ließ den Basketballplatz vergrößern.

          Schafe auf der „South Lawn“

          Im „Oval Office“ kam es zwischen Präsident Bill Clinton (1993 bis 2001) und der Praktikantin Monica Levinsky zu Begegnungen, die nicht sexueller Natur waren, aber Flecken auf einem Kleid hinterließen. Clinton war beileibe nicht der erste Präsident, der seine Macht im Weißen Haus zu „Begegnungen“ mit weiblichen Untergebenen ausnutzte.

          Im Sommer 2012 veröffentlichte Mimi Alford ihre Erinnerungen „Once Upon a Secret“ („Es war einmal ein Geheimnis“), in denen sie ihre Affäre mit Präsident John F. Kennedy (1961 bis 1963) beschreibt. Im Sommer 1962, als sich Kennedy der Praktikantin in der Presseabteilung erstmals näherte, war die damalige Mimi Fahnestock 19 Jahre alt; die Beziehung dauerte bis zum Mord an Kennedy im November 1963.

          Im Garten des „South Lawn“ ließ die erste schwarze „First Lady“ Michelle Obama 2009 den ersten biologisch-dynamischen Garten pflanzen und Bienenstöcke aufstellen. Unter Präsident Jimmy Carter (1977 bis 1981) wurden Sonnenkollektoren auf das Dach des Weißen Hauses installiert, die Carters Nachfolger Ronald Reagan (1981 bis 1989) sogleich wieder abbauen ließ. Zahlreiche Haustiere, vor allem „First Dogs“, haben im Weißen Haus gelebt.

          Während des Ersten Weltkriegs weideten Schafe auf der „South Lawn“, weil die Gärtner, die den Rasen zu schneiden pflegten, für den Militärdienst abgestellt worden waren. „First Lady“ Barbara Bush, die Ehefrau von George H.W. Bush (1989 bis 1993), sagte 1990 den unvergesslichen Satz: „Eines Tages wird jemand in meine Fußstapfen treten und als Ehepartner des Präsidenten über das Weiße Haus herrschen. Und ich wünsche ihm alles Gute.“

          Auch nach der Amtseinführung vom 21. Januar 2013 muss die Welt noch mindestens weitere vier Jahre auf diese Premiere im Weißen Haus warten: den ersten „First Gentleman“ der ersten Präsidentin.

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