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Weinkunde : Die Geschichte des Glühweins

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Gehört auf jeden Weihnachtsmarkt Bild: dpa

Glühwein ist ein Getränk mit Tradition. Schon die alten Römer würzten Wein, und im Mittelalter galt er als Medizin.

          2 Min.

          Bei der derzeitigen Eiseskälte ist Glühwein fast die einzige Möglichkeit, auf Weihnachtsmärkten zu überleben. Von innen wärmt das süße Gemisch aus Rotwein, Zucker, Gewürzen und Zitrone und außen verhindert der warme Becher das Erfrieren der Finger. Kein Wunder, dass das Gebräu so beliebt ist.

          Dem Weinkenner dagegen ist der Glühwein ein Graus. Denn keine Blume, kein Bouquet können sich entwickeln, wo Zimt und Nelken dampfen. Das Lexikon der Önologie, der Weinbaukunde, bezeichnet Glühwein gar als „weinähnliches Getränk, überwiegend aus Rotwein, Zucker, Gewürzen und Zitronen hergestellt.“ Und wenn ein Experte „weinähnlich“ schreibt, ist das kein Lob.

          Glühwein statt Sekt

          Doch dieses harte Urteil hält die Menschen nicht ab, Glühwein zu trinken, ebensowenig wie Feuerzangenbowle oder andere winterliche „weinähnliche“ Getränke. Und Tradition hat der Glühwein auch. Fritz Schumann, Ordensmeister der Weinbruderschaft der Pfalz, denkt bei dem Getränk an seine Jugendzeit. Damals gab es keinen Sekt zu Silvester. Es wurde Glühwein getrunken, und die Reste gab es am Neujahrsmorgen, wenn Besuch kam.

          Schumann bevorzugt das klassische Rezept für den Glühwein: Ein ordentlicher Rotwein, vielleicht ein Portugieser, Kandiszucker, Zimt, Sternanis, wenig Nelken und eine Scheibe Zitrone. Von Schnaps im Glühwein hält er nichts. Auch erhitzten Weißwein lehnt er ab.

          Antike Glühwein-Rezepte

          Und weiter als bis in die eigene Kindheit hat der Ordensmeister die Tradition des Weines bis in die Römerzeit zurückverfolgt. Denn so weit zurück liegen die Wurzeln des Glühweins oder Würzweins. Im 2000 Jahre alten Rezeptbuch des Apicius ist der „conditum paradoxum“ zu finden, der „erlesene Würzwein“. Schumann hat das Rezept mit einem alten Silvaner nachvollzogen. Auf fünf Liter Wein kommt ein Liter Honig, dazu 30 Sternanis, drei Stangen Zimt, Lorbeer, Nelken, Koriander und Thymian. Das Ergebnis schmeckt.

          Aber nicht nur, um den damals gerne sehr sauren Wein zu versüßen, haben die Römer Zucker und Gewürze hinzugefügt. Es ging auch um Haltbarkeit. Denn erst um 1500 konnte den Weinen Schwefel zugesetzt werden, was sie haltbarer machte. Das musste vorher der Honig und sein Zucker erledigen.

          Angeben mit Gewürzen

          Außer diesen beiden Gründen gab es einen weiteren, Gewürze in den Wein zu schütten: Angeberei. Denn nur reiche Menschen konnten sich die damals sehr teuren, aus fernen Ländern eingeführten Gewürze leisten. So wurde dieses Getränk vor allem bei Fürsten und Königen getrunken. Ein armes Bäuerlein, so Schumann, konnte bestenfalls Pfefferminze in den Wein geben.

          Die Gewürzrezepte sind über Jahrhunderte ähnlich geblieben. Mit der Zeit wurde es üblich, in den kalten Monaten heiße Steine in den Trunk zu werfen oder einen glühenden Feuerhaken hineinzuhängen. Alte Rezepte raten nicht zum puren Genuss. Für den Hausgebrauch wird der Zusatz von einem Viertel Wasser empfohlen. Sollten „Damen und Kinder“ mittrinken, sei „die Hälfte Wasser“ ratsam.

          Glühwein als Arznei

          Und über den Genuss hinaus wurde der Würzwein aus als Arznei eingesetzt, erzählt Schumann. In seinem 1580 erschienenen Arzneibuch empfiehlt Hieronymus Bock, der im Elsass und in der Pfalz gewirkt hat, den Kräuterwein „wider das Wehtun der Brust“. Er treibe „die verhaltene Mon(d)zeit der Frauen und vertreibt die Schrecken, wovon der Harn schmerzlich gefangen wird“. Ach ja, er hilft auch bei „feuchtem Magen“, also bei Durchfall.

          Heutzutage ist die Medizin etwas weiter. Und so manchem geht es am Tag nach dem Glühweingenuss schlechter als zuvor. Das kann mit der Qualität des Getrunkenen zusammenhängen. Schumann rät, nur selbst gemachten Glühwein aus ordentlichem Grundwein zu trinken und von den Fertigangeboten Abstand zu nehmen. Keiner könne erwarten, dass in einer fertigen Flasche Glühwein für 1,50 Euro ein Wein im Wert von drei Euro enthalten sei.

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