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Wein aus Württemberg : Der Sauvignon vom Steingrüble

Ellwanger ist ein Revolutionär Bild:

Die württembergischen Winzer bauten früher vor allem Trollinger an. Nun setzen sie auf neue Sorten und haben mit Cuvées aus Barrique-Fässern Erfolg.

          5 Min.

          Wenn Sven Ellwanger durch die Großheppacher Weinberge spazierengeht, könnte man den 33 Jahre alten Mann in seinem grobmaschigen Pullover und den strubbelig nach oben gegelten Haaren für einen Studenten halten. Doch Ellwanger ist ein „Wengerter“, ein Weingärtner, wie man früher im Schwäbischen sagte. Er gehört zu den jungen württembergischen Winzern, die aus den Bergen ihrer Vorfahren mehr herausholen wollen als den Trollinger, der nördlich von Jagst und Tauber als medioker verschrien ist. Ellwanger ist ein Revolutionär. Gemeinsam mit anderen hat er den Weinbau in seiner Heimat von Grund auf verändert.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          „Diese Kern- und Rieslingrebstöcke sind unsere ältesten“, sagt Ellwanger und zeigt auf einige Stöcke. „Die haben ein gutes Wurzelwerk, das sechs bis acht Meter tief in den Mergelboden reicht.“ Weiter unten im Tal, einer Lage mit dem hübschen Namen „Steingrüble“, hat Ellwanger Sauvignon Blanc angebaut. Mit ihm ist er bekannt geworden. Ellwanger gehört zu den fünf Jungwinzern, die sich 2001 zur Gruppe „Junges Schwaben“ zusammengefunden haben. Auf ihren besten Weinen klebt ein grellgrünes Etikett mit der Silhouette der fünf Winzerköpfe. Ellwangers Sauvignon Blanc oder die Lemberger seines Kollegen Rainer Wachtstetter aus dem Zabergäu bei Heilbronn gehören zu den herausragenden Weinen dieser ehrgeizigen jungen Winzergeneration.

          Den Fortschritt hinter sich gelassen

          Fast alles, was bei den Keltermeistern in den großen württembergischen Winzergenossenschaften als modern und fortschrittlich galt, haben Ellwanger, Wachtstetter, Jochen Beurer aus Kernen, Hans Hengerer aus Heilbronn und Jürgen Zipf aus Löwenstein hinter sich gelassen. Von Mostkonzentration oder der kurzzeitigen Hocherhitzung der Maische wollen sie nichts mehr wissen. Die Jungwinzer bevorzugen die Maischegärung, bauen viele ihrer Weine in französischen Barrique-Fässern aus und haben Merlot, Burgundersorten oder eben Sauvignon Blanc angepflanzt, die in Württemberg bislang wenig verbreitet waren. Für die Genossenschaften zählten bis vor zehn Jahren fast ausschließlich hohe Erträge. Hinzu kam eine große Technologiegläubigkeit. Das lässt sich an den Betonhallen ablesen, die viele Winzergenossenschaften zur Rationalisierung der Produktion oft am Rand kleiner Weindörfer gebaut haben. Die jungen württembergischen Winzer – ob sie nun zur Gruppe der fünf jungen Schwaben gehören oder nicht – haben stattdessen die Erträge im Weinberg drastisch reduziert, sie stehen ökologischen Methoden aufgeschlossen gegenüber und nehmen sich französische oder italienische Winzer zum Vorbild. Sven Ellwanger hat aber auch, seitdem er den Betrieb seines Vaters übernahm, in neue Technik investiert. Sie soll allerdings die Qualität des Weins verbessern und nicht einfach nur die Produktion beschleunigen. Das Förderband vor Ellwangers Kelter transportiert zum Beispiel die Trauben schonend. Früher pumpten die Winzer die Trauben, produzierten einen Matsch und damit Weine, die mehr Gerb- und Bitterstoffe enthielten als nötig. Gut 23 Hektar bewirtschaftet der Familienbetrieb, das reicht für eine Jahresmenge von 180.000 Flaschen.

          „Ein Winzer braucht heute bis zu 30 Prozent Kunden mehr”

          Merlot, Syrah und Sauvignon

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