https://www.faz.net/-gum-9h4u1

Adventskalender für Alle : Müsliriegel, Badeöl und Lakritz

Für Haut und Haar: Kalender von Rituals. Bild: Vogl, Daniel

Adventskalender sind längst nicht mehr nur für die jüngere Generation gedacht. Auch für Erwachsene gibt es jedes Jahr neue Versionen des vorweihnachtlichen Kalenders – auch ohne Schokolade.

          2 Min.

          Wer diese Tür einmal öffnet, ist schon dabei, das Phänomen Adventskalender irgendwie einzuordnen. Denn an ihm zeichnet sich ja furchtbar viel ab. Zum Beispiel diese Frage: Kann eine Generation, die der Kindheit längst entwachsen ist, einfach nicht loslassen? Oder wird ihr gar nicht die Chance dazu gegeben? Viele Eltern basteln ihrem Nachwuchs noch nach mehr als 30 gemeinsam verbrachten Vorweihnachtszeiten einen Adventskalender. Die Frage, ob es irgendwann Zeit ist, damit aufzuhören, stellt sich höchstens, wenn diese Kinder eigene Kinder haben.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Andererseits: Wie soll es auch sonst sein am Familienfest Weihnachten, an dem das tatsächliche Lebensalter spätestens dann verblasst, wenn die Kerzen am Baum brennen? Für die Choreographie von Weihnachten braucht es Kinder, zur Not auch die längst erwachsenen. Obwohl unsere Gesellschaft altert, ist der Adventskalender somit für immer mehr Menschen ein Ding. Die Industrie kann sich freuen. Hinter dem vierten Türchen findet man nicht nur Schokolade, sondern auch ein Serum, wie im Adventskalender von Babor. Oder Creme im Kalender von Rituals. Oder Badeöle von Susanne Kaufmann. Oder Seife von Stop the Water while using me. Oder doch Schokolade, aber zuckerfreie wie von Xucker. Oder Lakritz. Also: Lakrids.

          Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

          Es ist jetzt so gesehen eine Überraschung, wenn ein Hersteller keinen Adventskalender im Programm hat. Das Konzept, dass so ein Kalender ursprünglich nur für Kinder war und dass man hinter der 24 Engelshaar fand, bringen die vielen All-Ages-Modelle ordentlich ins Wanken. Hinter der 24 des Thomas-Sabo-Kalenders, so viel sei verraten, ist ebenfalls etwas, das mal zu Gold werden könnte. Selbst der Look entspricht jenem der Kindheit. Der Kalender des Müsliriegel-Unternehmens Hafervoll würde auch jedes Spielzimmer dekorieren.

          Eine schöne Übung aus der Anti-Stress-Ecke

          Interessanterweise ist der Adventskalender, diese mittlerweile durchkommerzialisierte Idee, gar keine amerikanische Erfindung. Er kommt aus Deutschland. Wahrscheinlich hatte die Frau des schwäbischen Pastors Lang aus Maulbronn in der Nähe von Pforzheim Ende des 19. Jahrhunderts als erste den Einfall, für ihren Sohn 24 Wibele, also schwäbisches Baisergebäck, vorzubereiten. Jeden Tag konnte der Sohn eines davon essen.

           Badeöle von Susanne Kaufmann in Form eines Adventskalenders. Bilderstrecke

          Von dem Brauch kam er nicht mehr los. Als Erwachsener unterhielt Gerhard Lang eine Druckerei und lancierte 1903 einen gedruckten Adventskalender: zwei Blätter, auf einem 24 Gedichte, die zu Weihnachten passten, auf dem anderen 24 Bilder. Der Beschenkte musste Bild und Gedicht zusammenbringen.

          Heute wäre das eine schöne Übung aus der Anti-Stress-Ecke, für die man Muße aufbringen muss. Insofern ist auch der Kalender mit Postern von Juniqe auf der Höhe der Zeit. Sie sind in einer Kiste in Rollen verpackt. Jeden Tag gilt es, eines herauszuziehen. Aber damit hat es sich nicht. Es braucht Rahmen und Hammer und Nägel, und wer sich dieser Aufgabe annimmt, hat am 24. Dezember eine Wand aus Bildern, die viele weitere Vorweihnachtszeiten überdauert.

          Weitere Themen

          Ein Einblick in die Berliner Clubszene Video-Seite öffnen

          „Wie eine Droge“ : Ein Einblick in die Berliner Clubszene

          Freiraum und Kreativität sind Berlins Markenzeichen. Das zieht Künstler, Musiker und Clubpublikum aus der ganzen Welt an. Doch die Szene ist im Wandel. Der angesagte Club Griessmuehle und Techno-DJ DVS1 versuchen, die Clubkultur zu retten.

          Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

          Geschmackssache : Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

          Zumindest im Freiburger Restaurant „Wolfshöhle“ muss sich niemand fürchten, denn dort kocht Sascha Weiß eine Spitzenküche von schnörkelloser Unkompliziertheit, die manchmal aber an ihre Grenzen stößt.

          Topmeldungen

          Impeachment-Ermittlung : Trumps Flucht nach vorn

          Der Stabschef des Präsidenten gibt zu, dass Militärhilfe für Kiew an parteipolitische Bedingungen geknüpft wurde. Trump will so tun, als wäre das ganz normal – und könnte damit durchkommen.
          Mittlerweile gehören sie zum Treppenhaus wie Fußabtreter.

          Der Wohn-Knigge : Schuhterror im Hausflur

          Kein Mehrfamilienhaus ohne ausgelatschte Schuhe im Hausflur. Zur Frage, ob man die müffelnden Sandalen seiner Nachbarn ertragen muss, hat unsere Autorin eine klare Meinung.
          Oliver Zipse

          F.A.S. exklusiv : BMW baut den i3 weiter

          Neue Manager, mehr Tempo: BMW-Chef Oliver Zipse baut den Konzern um. An dem teuren Elektroauto i3 hält er aus gutem Grund fest, wie er in seinem ersten Interview sagt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.