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Moraltheologe im Gespräch : „Die Kirche ist zynisch“

Glanz und Prunk wie hier vor der Papstwahl 2013 in Rom sind im Kirchenalltag selten zu spüren. Bild: dpa

Die katholischen Gotteshäuser werden nur noch an Weihnachten voll. Schuld daran sind der Absolutismus der Amtsträger und die Schäfchenkultur vieler Gläubiger, findet Daniel Bogner. Er sieht nur einen Ausweg: den Streik.

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          Herr Bogner, Sie befassen sich als Professor der Uni Fribourg mit dem guten und richtigen Verhalten der Menschen vor dem Hintergrund christlichen Glaubens und kirchlicher Traditionen. Die katholische Kirche ist in den vergangenen Jahren eher durch unmoralisches Verhalten aufgefallen; gibt es aus Ihrem Feld denn etwas Positives zu berichten?

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Kirche hat Moral jahrhundertelang als eine Gehorsamsforderung gepredigt, für bestimmtes Verhalten gab es also den Daumen hoch oder runter. Diese Logik stammt aus einem ganz bestimmten, sehr engen Verständnis von der Rolle der Kirche für Moral und Ethik. Gott sei Dank gibt es viele Menschen in der Kirche, die wissen: Es kommt darauf an, Überzeugungen zu leben, und nicht, Moral zu predigen. Solche nach vorne gewandten Suchbewegungen fragen, was eine christliche Überzeugung heute gesellschaftlich bedeuten kann, bei ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Themen, auch in Medizin- und Gesundheitsfragen. Aber natürlich auch in der Kirche selbst. Wie kann die ihren eigenen Maßstäben gerecht werden? Wenn sie das nicht tut, braucht sie ja gar nicht erst über anderes zu reden.

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