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Darsteller-Mangel : „Der Weihnachtsmann ist auch nur ein großes Kind“

  • -Aktualisiert am

Weihnachtsmann im Einsatz: Marcus Tiberius Maier in seinem selbst gestalteten Kostüm. Bild: Sebastian Wolgast

In Deutschland wollen immer weniger junge Leute Weihnachtsmann werden. Markus Tiberius Maier ist einer und erzählt im Interview von den Vorzügen seines Jobs – und davon, wie er Bart und Bauch unterm Jahr pflegt.

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          Herr Maier, Sie arbeiten in und um Lübeck als sogenannter Premium-Weihnachtsmann. Wie lange schon?

          Gegen Geld mache ich das erst seit letztem Jahr. Ich arbeite eigentlich als Kleindarsteller und Schauspieler für Film und Fernsehen. Vor fünf Jahren hat ein Kollege mal gesagt: „Du hast von der Statur und von der Haarpracht her die idealen Voraussetzungen. Mach doch mal Weihnachtsmann!“ Die Idee hat dann noch einige Zeit gebraucht, um sich zu manifestieren.

          Wie haben Sie sich vorbereitet?

          Zuerst habe ich mir ein schönes Kostüm überlegt und mit Hilfe meiner Frau erstellt. Das ist kein Filzlappen in leuchtendem Rot, wie man das von Low-Budget-Weihnachtsmännern kennt. Ich wollte authentischer sein. Ich habe keinen strahlend roten Mantel, sondern eine aus gewebtem Wollstoff, mit ein bisschen Textur. Der Fellbesatz ist nicht strahlend weiß, es ist ein helles Kunstfell mit dunklen Haarspitzen. Insgesamt sieht das dann uriger aus als so ein dürrer Student ohne Bauch und Bart. Ich bin auch einigermaßen stolz darauf, dass ich da meine naturgegebenen Attribute einbringen kann.

          Derzeit hört man immer wieder, dass der Fachkräftemangel auch vor Weihnachtsmännern nicht Halt macht.

          Ich habe davon gehört. Aber ich glaube, das ist eher ein allgemeines Problem: Immer weniger Leute wollen für gute Arbeit auch gut bezahlen. Gerade im künstlerischen Bereich. Alle schätzen Kunst und Kultur sehr hoch, aber wenn es darum geht, dass es was kosten soll, ist das Interesse plötzlich weg. Der Künstler will ja auch von etwas leben. Das ist, glaube ich, das Grundproblem.

          Welche Qualifikationen müsste ein Neueinsteiger für den Beruf des Weihnachtsmanns denn mitbringen?

          Also die Statur muss auf jeden Fall passen. Auch die Bereitschaft, auf die Klienten einzugehen, sowie ein Gefühl für Kinder und das Kindliche muss da sein. Der Weihnachtsmann ist auch nur ein großes Kind. Was bewegt jemanden sonst dazu, am Nordpol eine Spielzeugfabrik mit Zwergen und Wichteln zu betreiben und alles, was da produziert wird, an Weihnachten zu verschenken?

          Wie viele Termine haben Sie selbst in der Weihnachtszeit?

          Letztes Jahr habe ich relativ spät inseriert. Zu Heiligabend hatte ich dann vier Termine. Dieses Jahr habe ich mit Blick auf Betriebsfeiern und Vereinsfeste schon Ende September inseriert. Mit dem Erfolg, dass ich innerhalb einer Woche an Heiligabend ausgebucht war. Für Weihnachtsfeiern habe ich keine einzige Buchung bekommen.

          Was sagt Ihre Familie dazu, dass Sie an Weihnachten unterwegs sind?

          Ich habe selbst keine Kinder in dem Alter, wo das noch interessant wäre. Ich wohne mit meiner Frau und meiner 18 Jahre alten Stieftochter zusammen. Letztes Jahr ist meine Frau an Heiligabend im Auto mitgefahren. Dieses Jahr bleibt sie mit ihrer Tochter Zuhause. Tatsächlich sind wir gar keine Christen. Ich bin nordisch-heidnisch und meine Frau ist Buddhistin.

          Waren Sie trotzdem schon immer Weihnachtsfan?

          Das hat sich einfach ergeben. Und es macht mir Spaß. Der Weihnachtsmann ist ja eine Figur, die man darstellt und bei der es feste Klischees gibt, eine ganz klare Erwartungshaltung. Ich habe diesen Coca-Cola-farbigen Anzug, weiße Handschuhe, eine Lesebrille mit Goldrand und ein goldenes Buch – und natürlich einen Sack mit Geschenken. Das ist der Plot. Und was man daraus macht, ist auch viel Übung für mich als Schauspieler. Fast wie Improvisationstheater. Es ist schon eine klasse Sache.

          Sind Sie dann auch froh, wenn Weihnachten vorbei ist?

          Ja, muss man so sagen. Wenn ich die Tour an Heiligabend durch hab, bin ich fertig. Ich hab ja nicht von Natur aus weiße Haare, noch sind sie kastanienbraun. Das ist immer eine ziemliche Aktion, bis ich die gefärbt habe. Ich bin dann wirklich froh, wenn ich nach Feierabend unter die Dusche steigen und mich entweihnachten kann.

          Pflegen Sie Bart und Bauch auch unterm Jahr?

          Ich esse gerne und ich esse auch gerne gut. Für den Bart muss ich nicht viel für tun eigentlich. In meinem Mittelalterverein habe ich einen Barbier, der sich ein paar Mal im Jahr darum kümmert, dass es nicht allzu struppig aussieht. Ansonsten erfreue ich mich eines regelmäßigen Bartwuchses.

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