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Tipps vor Weihnachten : Welches Buch schenke ich meinem Kind?

Auch das gehört zum Abenteuer der „wundersamen Reise ins Mumintal“: sich durchpusten lassen und darauf vertrauen, dass die Mumins da vorn den Weg schon finden werden. Bild: F.A.S.

Eine schreckliche Familie, eine Heldin unter Mordverdacht und jede Menge schöner Reime – alles zu finden in tollen Kinderbüchern zum Verschenken unterm Weihnachtsbaum.

          Das Monster soll ich sein?

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Wenn Kinder plötzlich miese Laune haben, kann das an allem Möglichen liegen, von dem nicht einmal die Kinder selbst wissen. Im Buch „Die wundersame Reise ins Mumintal“, das Tove Jansson lange nach den kanonischen Büchern um die von ihr erfundenen Trolle als Bilderbuch veröffentlichte, verändert sich die Stimmung der kleinen Susanna dramatisch, als sie ihre gewohnte Brille ablegt und eine neue aufsetzt – alles, was zuvor friedlich und schön war (was freilich Susanna entsetzlich langweilte), ist nun schrecklich und gefährlich, aber jedenfalls nicht langweilig. Wunderbar sind die Bilder der Autorin, die als Malerin angefangen und erst spät zum Schreiben gefunden hatte, die Susanna fasziniert und zugleich tief erschrocken in dieser neuen Welt zeigen. Und der größte Schrecken ist, natürlich, an die eigene Person geknüpft, die ihr nun im Waldtümpel als monsterhaftes Spiegelbild erscheint. Immerhin gibt es die Mumins, die sich ihrer annehmen, und am Ende wird ein Fest gefeiert. Denn am schönsten ist bei Jansson der Schrecken immer dann, wenn man sich wohlig an ihn erinnert.

          Tove Jansson: „Die wundersame Reise ins Mumintal“. Arena Verlag, 32 S., 12,99 Euro, ab 4 Jahren.

          Ein Elefant wohnt hinter der Wand

          „Er liebte die Pflanze immer mehr / und schien von ihr besessen. / Sie wuchs und wurde so groß wie er, / dann hat sie ihn aufgegessen“ – das ist einer von vielen Vierzeilern, die Frantz Wittkamp für Kinder gedichtet hat und die Erwachsene mit demselben Vergnügen lesen. Verse, die mühelos bis zu ihrem meist überraschenden Ende gereimt sind, die plätschern und ihre kleinen Bosheiten ganz unvermittelt offenbaren und die von Axel Scheffler in vorzügliche, ebenso boshafte Bilder überführt worden sind. Die Zusammenarbeit der beiden mündete vor vielen Jahren in ein Plakat, auf dem all die Gedichte und Bilder zu finden waren und das schon lange vergriffen war. Kürzlich hat der Verlag Beltz & Gelberg daraus ein sehr schönes Buch gemacht: „Hörst du die Geräusche? / Hinter dieser Wand, / wenn ich mich nicht täusche, / wohnt ein Elefant.“ Das sehr viel darüber hinausgehende Bild muss man gesehen haben.

          Axel Scheffler, Frantz Wittkamp: „In die Wälder gegangen, einen Löwen gefangen“. Verlag Beltz & Gelberg, 48 S., 12,95 Euro, ab 5 Jahren.

          Groß werden und derselbe bleiben

          Es gibt viele Gründe für den Wunsch, immer ein Kind zu bleiben, besonders für Elefanten wie Eddy. Wer groß ist, dem wachsen Stoßzähne, was zwar gegen die meisten Tiere hilft, nicht aber gegen die vom Elfenbein angelockten Menschen. Ein Zauber hilft – aber auf die Dauer hat das Kindsein, hier sogar: das Schrumpfen lauter Nachteile. Vor allem, weil es Eddy schließlich von allen trennt, die er liebt.

          Hans Traxler, dessen unnachahmlicher Zeichenstil, gepaart mit dem verhaltenen Witz des Autors, seit vielen Jahren eine Perle nach der anderen hervorbringt, hat eine Serie von Büchern begonnen, die im Großformat, aber auf je unterschiedliche Weise vom Zusammensein von Mensch und Tier berichtet. Dieser Band nun, in Afrika angesiedelt und mit herrlichen Savannenbildern ausgestattet, kneift die Augen nicht davor zu, was Menschen Tieren antun. Aber indem er sich auf das Elefantenkind Eddy konzentriert, spielt er zugleich durch, was auch Menschenkinder bewegt: Wie kann ich wachsen und dabei ich selbst bleiben?

          Hans Traxler: „Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte“. Hanser Verlag, 44 S., 16 Euro, ab 4 Jahren.

          Sein Hut, der hat zwei Deckel

          Ein Spätwerk, unverkennbar, erzählselig und reichlich unbekümmert um Erwartungen, die in der Entstehungszeit, den späten siebziger Jahren, üblicherweise an Kinderbücher gerichtet wurden: Otfried Preußlers „Hörbe mit dem großen Hut“, erschienen ursprünglich 1981, ist der Freiheit geschuldet, die ein Erfolgsautor nach Titeln wie „Die kleine Hexe“, „Der Räuber Hotzenplotz“ und „Krabat“ wohl genießt, wenn er dem Verlag etwas Neues anbietet. Dabei handelt es sich bei „Hörbe“ eher um etwas Altes, wenigstens, was den Protagonisten betrifft: Eines Tages, hat Preußler gesagt, sei der kleine Kerl einfach in seinem Arbeitszimmer aufgetaucht, so klein wie ein Kiefernzapfen und drängend, Preußler möge ihm doch ein Buch widmen.

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