https://www.faz.net/-gum-9h5gc

Feiertags-Regeln : Muss ich Heiligabend ins Büro?

  • -Aktualisiert am

Der 24. Dezember ist dieses Jahr ein Montag. Bild: dpa

Heiligabend und Silvester liegen in diesem Jahr aus Arbeitnehmersicht ideal – zwischen Wochenende und Feiertagen. Muss für diese Tage Urlaub genommen werden?

          2 Min.

          Heiligabend und Silvester liegen in diesem Jahr aus Arbeitnehmersicht ideal – zwischen Wochenende und Feiertagen. Muss für diese Tage Urlaub genommen werden, fragen sich viele Mitarbeiter. Und wenn ja, reichen dafür jeweils halbe Tage?

          Weder Heiligabend noch Silvester sind offizielle Feiertage. Dennoch können beide Tage auch ohne den Einsatz von Urlaub arbeitsfrei sein. So kann in Tarifverträgen, einer Betriebsvereinbarung oder im Arbeitsvertrag ausdrücklich geregelt sein, dass an diesen Tagen nicht gearbeitet werden muss. Ist das nicht der Fall, kann sich ein Anspruch auf Freistellung von der Arbeit aus betrieblicher Übung ergeben: Hat der Arbeitgeber drei Jahre hintereinander freigegeben, ohne dass hierfür Urlaub genommen werden musste, dürfen Mitarbeiter auch in den folgenden Jahren zu Hause bleiben. Das ist nur dann anders, wenn der Arbeitgeber darauf hinweist, dass die großzügige Regelung nur für das jeweilige Jahr gilt und jedes Jahr geändert werden kann.

          Wenn aber Urlaub genommen werden muss, sind halbe Urlaubstage dann überhaupt möglich oder muss immer ein ganzer Tag genommen werden? Das ist durchaus umstritten. Vielfach wird vertreten, dass mit einem halben Tag der Urlaubsanspruch nicht erfüllt wird und fortbesteht.

          Das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamburg war allerdings anderer Auffassung: In dem behandelten Fall war ein Arbeitnehmer als Schlagzeuger in einem Musical eingesetzt, das an den Wochenenden oft bis zu zweimal am Tag aufgeführt wurde (8 Sa 46/14).

          Der Kläger wollte auch an diesen Tagen nur einmal spielen und daher jeweils halbe Tage Urlaub nehmen. Das LAG Hamburg wies darauf hin, dass das Bundesurlaubsgesetz verlange, die Wünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen. Das Gesetz erlaube dem Arbeitgeber zwar, davon abzuweichen, aber nur, wenn dringende betriebliche Gründe oder sozial vorrangige Urlaubswünsche dem entgegenstünden. Die Ansicht des Arbeitgebers, dass halbe Urlaubstage keinen Erholungswert hätten, sei als Ablehnungsgrund nicht vorgesehen und im Übrigen auch nicht bewiesen.

          Das ist auch für Heiligabend und Silvester ein sinnvoller Ansatz. Sollten Mitarbeiter später wirklich geltend machen, ihr Urlaubsanspruch bestünde noch fort, wäre das wohl rechtsmissbräuchlich. Darf umgekehrt der Arbeitgeber anordnen, dass Mitarbeiter an diesen Tagen Urlaub nehmen müssen? Jedenfalls, wenn der ganze Betrieb geschlossen wird, geht das nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts, diese ist aber umstritten. Besteht ein Betriebsrat und stimmt der Betriebsschließung zu, ist die Urlaubszuweisung durch den Arbeitgeber in jedem Fall möglich.

          Kara Preedy ist Partnerin der Kanzlei Pusch Wahlig in Berlin.

          Weitere Themen

          Gut organisierte Zornesausbrüche

          China stoppt NBA-Übertragung : Gut organisierte Zornesausbrüche

          Wegen eines Pro-Hongkong-Tweets droht China, vorerst keine NBA-Spiele mehr zu übertragen. Damit verliert die Liga nicht nur Zugang zu mehreren hundert Millionen Fans, sondern auch die entsprechenden Einnahmen – die NBA knickt trotzdem nicht ein.

          Topmeldungen

          Mick Mulvaney am Donnerstag bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte

          Ukraine-Affäre : Stabschef Mulvaney bringt Trump in Erklärungsnot

          Der geschäftsführende Stabschef des Weißen Hauses sagt vor der Presse etwas, das er später zurücknimmt: Die amerikanische Regierung habe 400 Millionen Dollar Militärhilfe für die Ukraine zurückgehalten. Damit liefert Mulvaney den Demokraten eine Steilvorlage.
          „Erdogans Krieg – wie machtlos ist Europa?“ war das Thema der Sendung von Maybrit Illner.

          TV-Kritik zu „Maybrit Illner“ : Die Härten der Realpolitik

          Der Einmarsch der Türkei in Syrien beherrscht die öffentliche und politische Debatte auch in Deutschland. „Wie machtlos ist Europa?“ fragte Maybrit Illner ihre Gäste und erhielt eine nüchterne Bestandsaufnahme der deutschen Außenpolitik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.