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Briefe an das Christkind : 51777 Engelskirchen

  • -Aktualisiert am

Das Christkind mittendrin: In Engelskirchen wird jeder Brief gelesen. Bild: Stefan Finger

In der Weihnachtszeit landen täglich rund 10.000 Wunschzettel von Kindern aus aller Welt im Postamt in Engelskirchen – adressiert an das Christkind. Die Gedanken der Kinder sind oft erstaunlich.

          „Ich hätte hier noch ein Paket für das Christkind“, ruft ein Mann in gelber Uniform in den Raum. In der Hand hält er einen Pappkarton, auf den Sterne geklebt sind, ausgeschnitten aus glitzerndem Papier. „Bin ich hier richtig?“

          Das ist er. Die Wände des Raums sind mit rotem Samt und Briefen behängt. Überall stehen Tannen, kleine und große, geschmückt in Gold und Rot. Die Lichterketten an den Bäumen bringen den Raum zum Glitzern. An den großen Tischen sitzen Frauen, die Briefe mit dem Öffner aufschlitzen, Briefe lesen, Briefe schreiben. Manche schmunzeln, manche runzeln die Stirn, andere lachen laut auf. Ihre Augen glänzen, fast so wie Kinderaugen an Heiligabend.

          Insgesamt arbeiten dieses Jahr 14 Helferinnen im Christkindpostamt von Engelskirchen. Jedes Jahr flattern in den gelben Postkasten mit der Aufschrift „An das Christkind“ die Weihnachtswünsche der Kinder ein – in der Hochsaison, rund um den Nikolaustag, täglich mehr als 10.000 Briefe, bunt verziert und aus aller Welt.

          „Liebes Christkind, kannst du bitte die Oma im Himmel für mich grüßen?“

          Mitte November beginnt die Arbeit im Postamt im Industriemuseum von Engelskirchen. Dann warten schon Tausende Briefe auf ihre Antwort, denn Post bekommt das Christkind das ganze Jahr über, aus Mexiko, Neuseeland, Taiwan, von überall her, wo Weihnachten gefeiert wird. Geantwortet wird mittlerweile in zehn Sprachen, dieses Jahr zum ersten Mal auch in Tschechisch, Weißrussisch und Russisch sowie in Blindenschrift.

          Modernes Christkind: Das digitale Kaminfeuer lodert.

          Britta Töllner arbeitet übers Jahr in der Pressestelle der Deutschen Post in Düsseldorf, von November an organisiert sie die Poststelle in Engelskirchen. „Nach dem stressigen Alltagsgeschäft erdet mich die Zeit in Engelskirchen jedes Jahr aufs Neue“, sagt sie. Es sei ein Geschenk, die Wünsche der Kinder zu erfahren. Kinder sollten in der digitalen Zeit das Briefeschreiben nicht verlernen und durch einen Brief vom Christkind daran erinnert werden, wie schön es ist, selbst einen Brief zu bekommen, sofern es keine Rechnung oder Werbung ist.

          „Liebes Christkind, ich wünsche mir einen Bruder oder eine Schwester, weil ich immer alleine bin, seit letztes Jahr meine Katze Quinn gestorben ist.“

          Seit 1985 wird das Christkindpostamt von der Deutschen Post organisiert. Alles begann mit einem einzigen Brief, adressiert an das Christkind. Verloren lag er im Postamt in Engelskirchen. Im Laufe der Jahre erreichten immer mehr Wunschbriefe die 20.000-Einwohner-Gemeinde, die ihren himmlischen Namen womöglich einfach einer Enge der Agger zu verdanken hat, eines Nebenflusses der Sieg.

          Die Ehefrauen der Postmitarbeiter setzten sich an einem Samstagnachmittag auf dem Dachboden des alten Postamts zusammen und beantworteten die Briefe. In den darauffolgenden Jahren kamen immer mehr Nachbarinnen und Bekannte hinzu, denn die Flut an Briefen wurde immer größer. Mittlerweile ist die Beantwortung der Briefe ein Vollzeitjob, für den die Helferinnen eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen.

          „Liebes Christkind, ich hätte gerne ein Fahrrad. Ich möchte so gerne wie die großen Kinder Fahrrad fahren können. Darum schicke ich dir meinen Nukki mit. Den brauche ich nicht mehr, ich bin jetzt ein großes Mädchen“, schreibt Lia Marie.

          Bunt verziert: Für das Christkind geben sich die Kinder besonders Mühe.

          Alle Helferinnen sind in Rente. Marion Häner, seit 20 Jahren dabei, kann sich kein Jahr mehr ohne Briefe vorstellen. Schon vor November kümmert sie sich um Weihnachtsgeschenke für ihre Familie, weil danach keine Zeit mehr bleibt. An einem Tag beantwortet sie teils mehr als 1000 Briefe.

          „Mein allergrößter Wunsch ist, dass mein Opa 100 Jahre alt wird. Im Moment ist er 96.“

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