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Weihnachten : Wir warten aufs Klon-Bäumchen

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Tannen und Fichten stehen im Advent nicht unter Artenschutz Bild: dpa/dpaweb

Seit dem 16. Jahrhundert stellen wir uns einen Christbaum ins Festtagszimmer. Seither hat sich einiges verändert: Lichter ergänzten den Schmuck, die Wälder wurden krank und der Plastikbaum erfunden.

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          Schlimm steht es um so manches Lebewesen während der Weihnachtszeit. Gans und Karpfen müssen bekanntlich massiv um ihr Leben fürchten, landen sie doch vielfach dampfend-heiß auf der Festtafel. Und natürlich der Baum! Seit die Christenheit sich zu Weihnachten eine geschmückte Tanne oder Fichte in die Stube stellt, sind die immergrünen Gewächse im Advent Freiwild geworden. Hordenweise gar werden die Feiersüchtigen vor den Festtagen, freilich unter Anleitung fachkundigen Personals, zum Einschlagen in die Schonungen gelassen. Und das, obwohl der aktuelle Waldschadensbericht doch die sorgsame Pflege jedes einzelnen Bäumchens anmahnt. Da tun sich Fragen auf.

          Können wir uns den Christbaum angesichts des Waldsterbens noch erlauben?
          Ja, wir können! Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald empfiehlt sogar den frischen, grünen Baum zum Weihnachtsfest. Das Vermarkten dieser Bäume sei kein schädlicher Eingriff in die Natur. Was daran liegen mag, daß der Christbaum längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden ist. 500 Millionen Euro geben die Deutschen in diesem Jahr für die Bäume aus. So manches Nadelgewächs wird nur zu Festagszwecken angebaut. Auch da geht es dem Christbaum ähnlich wie Gans und Karpfen.

          Können wir uns denn so einen Baum noch leisten?
          Ja, noch! Denn im kommenden Jahr, so drohen die Baumproduzenten schon jetzt, werden die heutzutage 18 Euro teuren Weihnachtsbäume deutlich teurer. Schuld sind, einmal mehr, die gestiegenen Spritpreise und die Lkw-Maut. Die Spediteure werden die Preise an die Baumschmücker weitergeben. Mit zehn Prozent Preisaufschlag müssen wir rechnen. Kein Wunder, daß die Deutschen in diesem Jahr Christbäume kaufen wie die Weltmeister: 27,5 Millionen werden in die Zimmer gezerrt - und vielleicht wird der ein oder andere ja auch fürs nächste Fest eingelagert. Einige Zeitgenossen greifen längst zu anderen Mitteln. Im dunklen Tann besorgt sich so mancher unentgeltlich das Bäumchen zum Fest. Knecht Ruprecht bemerkt den Klau längst nicht immer.

          Wie groß ist so ein Weihnachtsbaum?
          Der Höhe des Christbaums sind im Prinzip außer durch die Zimmerdecke keine Grenzen gesetzt. Im Endspurt sind nach Angaben der Baumverkäufer die 2,50 Meter hohen und höheren Riesen für die Altbauwohnung besonders gefragt. Insgesamt aber ist der Christbaum durchschnittlich niedriger geworden und liegt nun bei 1,57 Meter. Nicht, weil im kranken Wald mehr und mehr verkrüppeltes Nadelgehölz sein Dasein fristet, sondern weil wir so viele Single-Haushalte haben. Die Ein-Zimmer-Appartments brauchen eben apparte Bäumchen.

          Mein Christbaum muß zu mir passen ...

          Wo finde ich den perfekt geformten Christbaum?
          Eine gute Frage für jeden, der schon mal während des Baumschmückens bei schwieriger Zentrierung seine letzten Nerven gelassen hat. Abhilfe schafft da bisher nur der genormte Plastikbaum, der allerdings leider dem Festtagszimmer eine unschöne widernatürliche Duftnote zufügt. Doch auch hier verspricht - wie sollte es anders sein - die Wissenschaft Hilfe. An der Universität in Kopenhagen arbeiten Forscher am Klon-Christbaum, einer perfekten, makellosen Nordmanntanne. Das ist angeblich einer unserer langgehegten Träume, wie Jens Find, Leiter des dänischen Botanik-Instituts betont. In 15 Jahren spätestens sollen sich die Klonbäume über die Geschenke breiten. Liebe Forscher, vielleicht könnten diesen Bäumen ja auch noch Kugeln und Lametta wie Früchte wachsen? Dann zieht endlich schon am heiligen Vormittag die Besinnlichkeit ein.

          Nur draußen, in Wind und Regen, werden dann die Naturtannen stehen. Arbeitslos.

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