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Fall Anis Amri : Sieben Identitäten, viele Fragen

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Die Ermittler kommen im Fall Amri voran, aber längst nicht alles ist geklärt. Ein Überblick über Bekanntes, Vermutetes und unbeantwortete Fragen.

          Eineinhalb Wochen nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin fehlen in dem Fall noch wichtige Puzzleteile. Monatelang hielt der mittlerweile getötete mutmaßliche Attentäter, Anis Amri, deutsche Behörden zum Narren, benutzte Aliasnamen, stellte mehrere Asylanträge, lebte mal in Nordrhein-Westfalen, mal in Berlin. Schließlich entzog sich der 24 Jahre alte Tunesier der Überwachung der Behörden. Gesicherte Informationen gibt es wenige, dafür umso mehr Gerüchte.

          Wie lebte Amri vor dem Anschlag in Deutschland?

          Amri kam im Juli 2015 nach Deutschland. Nach Erkenntnissen der Behörden tauchte er erst in Freiburg auf, dann in Nordrhein-Westfalen und schließlich in Berlin, wo er von Februar 2016 bis September überwiegend gelebt haben soll. Er war auch an anderen Orten wie Karlsruhe und Hildesheim, verwendete sieben Identitäten und beantragte mehrfach Asyl, zuletzt im Mai in Oberhausen. Kurzzeitig saß er in Baden-Württemberg in Abschiebehaft, wurde aber freigelassen, weil zur Abschiebung nötige Papiere aus Tunesien fehlten.

          Er war als Gefährder eingestuft. Wurde er überwacht?

          Ja, er stand im Fokus der Sicherheitsbehörden. In Berlin wurde vom 5. April bis 21. September seine Kommunikation per Handy oder Internet überwacht, weil der Verdacht bestand, er wolle sich in der Islamisten-Szene Frankreichs Schusswaffen für einen Anschlag besorgen. Die verdeckte Überwachung habe lediglich Hinweise geliefert, dass Amri als Kleindealer für Drogen in einem Park tätig sein könnte, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft. Daher sei sie beendet worden.

          Nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR aus dem Umfeld der Ermittlungen wurde im Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) in Berlin zwischen Februar und November 2016 mindestens sieben Mal über Amri gesprochen. Demnach suchte er im Internet Anleitungen für den Bau von Rohrbomben. Zudem suchte er im Februar offenbar Kontakt zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ und soll sich als Selbstmordattentäter angeboten haben.

          Mindestens zwei Mal wurde dem Bericht zufolge im GTAZ die Frage aufgeworfen, ob Amri einen Anschlag in Deutschland plane. Beide Male wurde dies demnach als unwahrscheinlich eingestuft. Weil Amri als abgelehnter Asylbewerber und Gefährder aus dem Visier der Behörden verschwunden war, kommen aus der Politik Rufe nach schärferen Gesetzen.

          War er ein Terrorist der Miliz „Islamischer Staat“?

          Kurz nach dem Tod Amris in Italien veröffentlichte das IS-Sprachrohr Amak ein Video, in dem Amri zu sehen ist. Auf der knapp dreiminütigen Aufnahme schwört er dem IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass es authentisch ist, wie eine Sprecherin am Donnerstag sagte.

          In den Fokus rückt nun auch wieder Nordrhein-Westfalen. Warum?

          Nordrhein-Westfalen war einer der Hauptaufenthaltsorte Amris. In dem Bundesland liegt auch die für ihn zuständige Ausländerbehörde im Kreis Kleve. Die Opposition im Düsseldorfer Landtag wirft den Behörden deshalb schwere Fehler bei der Überwachung des Tunesiers vor. Er soll nach WDR-Recherchen unter anderem bestens im Ruhrgebiet vernetzt gewesen sein, Moscheen besucht und sogar als Vorbeter aufgetreten sein. Vertreter mehrerer Moscheen bestreiten dies aber. Auf Antrag der Oppositions-Fraktionen von CDU, FDP und Piraten wird sich der Innenausschuss des Landtags in einer Sondersitzung am 5. Januar 2017 mit dem Fall auseinandersetzen.

          Amri soll mehrere Alias-Namen gehabt haben. War das auch in NRW bekannt?

          Ja, es ist sicher, dass die Behörden schon früh wegen unterschiedlicher Identitäten gegen Amri ermittelten. Im April eröffnete die Staatsanwaltschaft Duisburg ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs gegen den Tunesier. Das hatte zuvor auch „Spiegel Online“ berichtet. Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft hatte Amri im November 2015 unter zwei Namen Sozialleistungen in Emmerich und in Oberhausen beantragt. Im November sei das Verfahren eingestellt worden, weil nicht bekannt gewesen sei, wo sich Amri aufhalte.

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