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Heiliger oder Kommerz? : Warum wir den Nikolaus am 6. Dezember feiern

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Mitglieder der Nikolausgilde Friedrichshafen werden ausgesendet, um bis zum 4. Advent rund 150 Familien, Vereine, Kindergärten und Pflegeeinrichtungen zu besuchen. Bild: dpa

Heute ist Nikolaustag. Aber wer war der Mann eigentlich, den uns die Werbung als alten Mann mit weißem Rauschebart und rotem Mantel verkauft? Und warum bringt er Geschenke mit? Hier kommen die Antworten.

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          Der Nikolaus füllt die Stiefel mit Mandarinen und Nüssen. In manchen Familien bringt er gar Geschenke persönlich in seinem Sack vorbei. Oder ist er der ältere Herr mit weißem Rauschebart und roten Mantel, der einen grellbeleuchteten Coca-Cola-Truck fährt?

          Eigentlich ist er nichts davon. Der „echte“ Nikolaus ist ein Heiliger. Selbst das wenige, was über den Menschen bekannt ist, gehört eher in den Bereich der Legende.

          Fakt ist: Am 6. Dezember ist Nikolaustag. Der Tag ist kein gesetzlicher Feiertag in Deutschland. In Spanien und in Finnland ist der 6. Dezember immer arbeitsfrei, aber aus anderen, ganz und gar weltlichen Gründen. Spanien feiert dann den „Día de la Constitución“, also den Tag der Verfassung. Am 6. Dezember 1978 wurde ein Referendum zur neuen Verfassung abgehalten, die Spaniens Weg zur Demokratie ebnete. Finnland feiert am Nationalfeiertag itsenäisyyspäivä die Unabhängigkeit von Russland.

          Warum wir Nikolaus am 6. Dezember feiern

          Der 6. Dezember ist einer Legende nach der Todestag eines Bischofs namens Nikolaus von Myra, der in Lykien in Kleinasien lebte. Heute heißt der Ort Demre in der Nähe von Antalya an der türkischen Mittelmeerküste.

          Die Geschichte von Nikolaus

          Dieser Nikolaus von Myra ist wohl eine von zwei historischen Personen, deren Leben durch Legenden zu der Figur des „Nikolaus“ verschmolzen wurde. Die zweite Person ist ein Mönch namens Nikolaus aus dem 6. Jahrhundert, der erst Abt in Sion und später Bischof von Pinora (ebenfalls in Kleinasien) wurde. Der ältere und der jüngere Nikolaus wurden beide schon früh als Wohltäter verehrt. Heute ist Nikolaus einer der am meisten verehrten Heiligen der Christenheit. In der katholischen Kirche wird er häufig als „Nothelfer“ angerufen, die orthodoxen Christen bezeichnen ihn als „Wundertäter“.

          Wo der Nikolaus schon am 5. Dezember kommt

          Es ist ein bisschen so wie Heiligabend und Weihnachten. Bei den einen gibt es schon am 24. Dezember die Geschenke, bei den anderen, zum Beispiel in den USA, erst am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages. So kommt in Bayern der Nikolaus teilweise auch schon am Abend des 5. Dezember. Denn nach altkirchlicher Auffassung (und auch im Judentum) beginnt der neue Tag mit dem Sonnenuntergang des vorherigen.

          Und wieso gibt es Geschenke?

          Nikolaus gilt seit jeher als Schutzpatron der Kinder. Im Mittelalter entwickelte sich der Brauch, dass ein als Nikolaus verkleideter Mann die Familien besuchte, wobei er artige Kinder belohnte und unartige bestrafte. Diese Aufgabe überließ der Heilige oft seinem Begleiter, der je nach Region anders hieß, etwa Knecht Ruprecht, Krampus, Pelzmärtl, Hans Muff oder – in den Niederlanden – der „Zwarte Piet“. Figuren, die heute aus verschiedenen Gründen umstritten sind und daher oft nicht mehr dabei sind.

          Die Kinder mussten zum Teil Gedichte und Gebete aufsagen, um ein Geschenk zu erhalten. Martin Luther war es, der im Zuge seiner Kritik an der Verehrung von Heiligen den Geburtstag Jesu zum Gabentag machte und das Christkind die Geschenke bringen ließ. Bis heute aber hält sich der Brauch, dass Nikolaus zu seinem Festtag am 6. Dezember die Socken und Schuhe mit Süßigkeiten und kleinen Gaben füllt.

          Wieso der Nikolaus heute Socken am Kaminsims mit Geschenken füllt

          Es gibt etliche Legenden um Nikolaus: Eine der bekanntesten ist die eines armen Mannes, der seine drei Töchter zur Prostitution auf die Straße schicken wollte, um das Überleben zu sichern. Um dies zu verhindern, soll Nikolaus drei Klumpen Gold durchs Fenster geworfen haben – oder auch durch den Kamin, wo sie direkt in die zum Trocknen aufgehängten Socken gefallen seien. Eine andere Legende erzählt, Nikolaus habe die Stadt Myra vor einer Hungersnot und noch Schlimmeren bewahrt. Seeräuber hätten alle Getreideschiffe gekapert und die Kinder als Sklaven verlangt, weil die Stadt nicht genug Lösegeld aufbringen konnte. Nikolaus habe den Kirchenschatz geopfert und die Kinder gerettet. In weiteren Erzählungen erweckte Nikolaus drei ermordete Schüler wieder zum Leben und rettete Seeleute vor dem Schiffbruch.

          Nikolaus oder Weihnachtsmann?

          Der Nikolaus hat nicht wirklich etwas mit dem Weihnachtsmann zu tun. Er kam wohl als niederländischer „Sinterklaas“ nach Amerika und wurde dort als „Santa Claus“ Vorbild für den Weihnachtsmann in der Werbung.

          Ein Weihnachtsmann lächelt, während er bei einer Versammlung der Weihnachtsmänner seinen Bart zeigt, den er sich für den besonderen Job wachsen lässt.
          Ein Weihnachtsmann lächelt, während er bei einer Versammlung der Weihnachtsmänner seinen Bart zeigt, den er sich für den besonderen Job wachsen lässt. : Bild: dpa

          Kirchliche Organisationen haben in den letzten Jahren etliche Initiativen gestartet, um das Andenken des Heiligen zu fördern und vom Weihnachtsmann der Werbung abzugrenzen. Verkauft werden dabei auch Schokonikoläuse mit Mitra und Bischofsstab als Alternative zu den Weihnachtsmännern mit roter Mütze und Beutel.

          Aus kirchlicher Sicht hat der am Konsum orientierte Weihnachtsmann der Geschenke-Industrie nichts mit dem Bischof Nikolaus zu tun, der selbstlos Menschen in Not geholfen habe und der für christliche Werte wie Uneigennützigkeit und Nächstenliebe stehe.

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