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Dating-Portale : Welches Kunstwerk wären Sie gern?

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Dabei ist es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen versuchen, einen guten Eindruck zu hinterlassen, sich vorteilhaft darzustellen, sich hübsch anzuziehen. Besonders, wenn sie unsicher sind. Es ist aber ungewöhnlich, dass sie das dauernd, überall und in jeder Lebenssituation tun. Ständig blinken die Online-Profile in ihren Köpfen. Bis die Profile ihr Handeln bestimmen. Schon heute gehen manche Menschen auf Partys, damit sie sich dort fotografieren und das Bild hochladen können. Oder sie lesen Bücher und sehen Filme, nur damit sie sie „liken“ können – wenn sie sie überhaupt noch lesen und sehen. Sie besorgen sich die Musik, verfolgen die Trends und kleiden sich so, wie es sich in ihrem Netzwerk gehört. Sie zeigen online ein Leben, von dem sie glauben, die anderen fänden es gut, und leben es dann nach. Sie werden zu der Person, die sie für beliebt halten. Bis sie nicht mehr wissen, welche Person sie wirklich sind. Sie wissen nicht mehr, wie sie sich ohne Beobachtung verhalten würden.

Aus den Allerweltsantworten auf den Partner-Portalen spricht nichts Anderes als diese Ratlosigkeit: Die Singles können gar nicht sagen, wer sie sind und was sie mögen, weil sie es nicht mehr wissen. Sie antworten darum das, was unbestimmt, durchschnittlich, angepasst ist.

Es ist nur ein Bild von Liebe

Manche Portale bieten schon „wissenschaftliche Persönlichkeitstests“ an, mit denen Kunden Erkenntnisse über sich selbst gewinnen können. Offenbar haben sie die sonst nicht mehr. Für diese Tests müssen die Singles natürlich bezahlen und tun es auch. Denn sie wollen ja unbedingt erfahren, wer sie sind, „was sie in einer Beziehung brauchen, um glücklich zu sein“. Mit den Ergebnissen basteln sie dann weiter am perfekten Bild von sich, von dem perfekten Partner, von der perfekten Beziehung. Sie suchen nach den Eigenschaften, die das Online-Portal als ihre eigenen und diejenigen des Traumpartners ausspuckt und glauben, so Liebe zu finden.

Aber sie bekommen nur ein Bild; ein Bild von Liebe, von sich selbst und von ihrem perfekten Partner. Ein Bild von den Eigenschaften, die sie sich von allen dreien erträumen. In der Realität wird dieses Bild zerbrechen. Denn die Eigenschaften existieren nicht. Sie sind nur antrainiert, durch Selbstbeobachtung angeeignet, von außen vorgeschlagen. Und selbst wenn sie echt wären, hätte das alles mit Liebe nicht viel zu tun. Denn Liebe beruht nicht darauf, dass jemand gewisse Eigenschaften erfüllt. Sondern auf diesem Teil des Menschen, der die Summe der Eigenschaften übersteigt. Auf diesem Teil, der sich nicht erklären oder beschreiben lässt. Und der schon gar nicht in Bildern oder irgendwelchen Vorstellungen existiert.

Schlimmer noch: Durch die Vorstellungen wird dieser Teil verwirrt, verbogen, zerteilt, zerstört. Denn niemand kann sein und sich gleichzeitig beim Sein beobachten. Niemand kann lieben und sich oder den anderen beim Lieben zugucken. Genau das macht Liebe ja so beängstigend: Sie lässt sich nicht kontrollieren. Nicht berechnen, nicht planen, nicht erwerben. Sie ist ein Geschenk.

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