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Ferienbeginn in NRW : Lange Schlangen – und wie man sie umgeht

  • -Aktualisiert am

In NRW haben die Schulferien begonnen. Das sorgt an Flughäfen für lange Schlangen. Bild: dpa

Wenn sich die Menschen in NRW von diesem Freitag an auf den Weg in den Urlaub machen, wird es eng auf den Straßen und an Flughäfen. Eine bessere Verteilung der Ferien könnte das Reiseaufkommen entzerren. Doch da wollen nicht alle Bundesländer mitmachen.

          Der Reiseverkehr in die Sommerferien dürfte an diesem Wochenende in Deutschland seinen Höhepunkt erreichen. Am Freitag bekommen die Schüler in Nordrhein-Westfalen Sommerferien. NRW ist mit etwa 18 Millionen Einwohnern mit Abstand das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands. Es wird also richtig voll. Die einzigen Bundesländer, die bisher noch keine Ferien haben, sind Baden-Württemberg und Bayern. Im Zeitraum von 29. Juli bis zum 7. August haben dann alle Bundesländer gleichzeitig frei.

          Welches Bundesland wann Sommerferien hat, bestimmt die Kultusministerkonferenz. Grundlage für diese Regelung ist, dass die Ferien in einem Zeitraum zwischen dem 1. Juli und dem 10. September liegen. Um das hohe Verkehrsaufkommen und den großen Andrang auf Urlaubsorte zu verringern, gibt es ein rollierendes System mit fünf Ländergruppen. Die Gruppen werden so gebildet, dass sich die Bevölkerung möglichst gleichmäßig auf den gesamten Ferienzeitraum verteilt. Den gesamten Ferienzeitraum nennt man auch Ferienkorridor, dieser darf in Deutschland bis zu 90 Tage lang sein.

          Weniger Reisezeit

          Dieses Jahr beträgt der Korridor 83 Tage – er ist damit zumindest etwas länger als im Vorjahr. Durch einen kurzen Ferienkorridor sei die Reisenachfrage komprimiert, erklärt Martin Linne von der Gesellschaft für Tourismusforschung. Das bedeutet, dass weniger Reisezeit zur Verfügung stehe, als dass in längeren bzw. besser geplanten Korridoren der Fall sei. Die Folgen sind kilometerlange Staus, überfüllte Flughäfen mit langen Wartezeiten und wesentlich höhere Preise für den Urlaub. Das ist nicht verwunderlich, denn es fahren laut dem Deutschen Tourismusverband jährlich etwa 55 Millionen Deutsche in den Urlaub.

          Das trifft vor allem Familien. „Lange Schlangen bei Freizeitattraktionen und damit weniger Spaß und Erlebnis sind eine Folge“, erklärt Linne. Besonders beliebte Ausflugsziele sind in Deutschland unter anderem Freizeitparks, Zoos und Museen.

          Da stießen Anbieter wie Hoteliers und Freizeitbäder schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. Um Überfüllung und gefährliche Situationen am Beckenrand zu vermeiden, verhängen Letzere bei hohen Temperaturen einen Einlassstopp.

          Einbußen bis zu 120 Millionen

          Je kürzer die Ferienzeit insgesamt, desto geringer fallen die Einkünfte der Tourismusbranche aus: Laut dem Deutschen Tourismusverband bedeutet jeder entfallende Ferientag des Korridors eine Einbuße von bis zu 120 Millionen Euro. Außerdem gebe es zusätzliche Umsatzeinbußen durch eine geringe Auslastung zu Saisonbeginn und -ende. Versuche, die Ferien an unterschiedlichen Wochentagen beginnen zu lassen, hätten wenig Erfolge gebracht. Der Grund: ein Großteil der Urlauber reiste am liebsten am Wochenende an und ab.

          Was könnte also den Verkehr auf den Straßen entzerren? Alle Bundesländer sollten sich am rollierenden System beteiligen, fordert die Gesellschaft für Tourismusforschung. „Doch einige beharrten auf ihrer Gewohnheit, grundsätzlich spät in die Sommerferien zu starten“, beklagt Martin Linne.

          An diesem Wochenende wird es jedenfalls voll auf den Straßen und an den Flughäfen. Der ADAC erwartet deswegen „eines der schlimmsten Reisewochenenden“. Allein der Düsseldorfer Airport erwartet nach eigenen Angaben rund 285.000 Fluggäste. Am meisten soll am Sonntag los sein, wenn etwa 90.000 Reisende in den Urlaub starten. Auf der Straße wird es nach Angaben von Straßen.NRW bereits ab Freitagnachmittag Staus geben. Ein großer Teil der Niederlande bekommt ebenfalls am Freitag Ferien, wodurch die Staus zunehmen. Betroffen sind vor allem die Autobahnen in Richtung Küste: A1, A31, A40, A57 und die A61.

          Um nicht völlig entnervt mit mehrstündiger Verspätung am Urlaubsort anzukommen, rät der ADAC, dienstags oder mittwochs loszufahren, wenn diese Tage nicht auf einen Ferienbeginn fallen. Die beste Abfahrtszeit sei drei Uhr morgens. Aber auch ab 22 Uhr abends hätte man gute Chance, ohne Stau an den Zielort zu gelangen.

          Auch wer auf die Bahn umsteigt, um Staus zu umgehen, sollte sich genau informieren. Die Deutsche Bahn arbeitet an lang geplanten Großbaustellen. Zwischen Essen, Duisburg und Düsseldorf werden Gleise und Brücken saniert. Der Fernverkehr wird über Wuppertal umgeleitet. Vom Samstag an kommt es zu massiven Einschränkungen im Nah- und Fernverkehr. Und vom 12. Juli bis zum 26. August halten keine Fernzüge am Düsseldorfer Flughafen.

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