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Wiedervereinigung : Warum wir den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober feiern

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Besucher warten 2015 vor dem Reichstag auf den Festakt zur Wiedervereinigung am Tag der Deutschen Einheit in Berlin. Bild: Imago

Am 3. Oktober ist der Tag der Deutschen Einheit. Warum dieses Datum dafür gewählt wurde, wie und wo gefeiert wird und welche Aktionen es zu diesem Anlass gibt – ein Überblick.

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          Den Tag der Deutschen Einheit feiern wir in Deutschland seit 1990 jedes Jahr am 3. Oktober. In diesem Jahr fällt der Nationalfeiertag auf einen Montag. Was es mit diesem Tag auf sich hat, wie und wo gefeiert wird – Antworten auf die wichtigsten Fragen.

          Was feiern wir am Tag der Deutschen Einheit?

          Der Tag der Deutschen Einheit erinnert an die deutsche Wiedervereinigung im Jahr 1990. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in Folge der Spannungen zwischen den westlichen Siegermächten (USA, Frankreich und Großbritannien) und der Sowjetunion in 1949 in Ost und West geteilt: Die Bundesrepublik Deutschland im Westen, die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten. Der Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 besiegelte die deutsch-deutsche Trennung. Nach internationalen Bemühungen und der friedlichen Revolution in der DDR fiel die Mauer am 9. November 1989. Der Vertrag zur deutschen Wiedervereinigung trat ein knappes Jahr später, am 29. September 1990, in Kraft. Darin wurde der 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit und damit zum staatlichen Feiertag erklärt.

          Ursprünglich wurde als deutscher Nationalfeiertag auch der Tag des Mauerfalls am 9. November ins Gespräch gebracht. Das hat man aber verworfen, da an gleichem Datum im Jahr 1938 die Reichspogromnacht stattfand.

          Warum ist der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober?

          Der Einigungsvertrag zwischen Ost- und Westdeutschland trat zwar schon am 29. September 1990 in Kraft, vollzogen wurde die deutsche Wiedervereinigung aber erst in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990. Um Mitternacht traten die neu gegründeten Länder der Bundesrepublik Deutschland bei: Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Darum wurde der 3. Oktober als Datum für den bundesweiten Feiertag festgelegt.

          Der Tag der Deutschen Einheit wird immer am 3. Oktober gefeiert.
          Der Tag der Deutschen Einheit wird immer am 3. Oktober gefeiert. : Bild: Imago

          In welchen Bundesländern ist der 3. Oktober ein Feiertag?

          Der Tag der Deutschen Einheit ist der einzige bundesrechtlich festgelegte Feiertag und ist damit bundesweit ein Feiertag. Alle anderen deutschen Feiertage werden von den Bundesländern selbst geregelt. Arbeitnehmer müssen am 3. Oktober nicht zur Arbeit, Schüler nicht in die Schule, alle Geschäfte bleiben an diesem Tag geschlossen. Apotheken dürfen öffnen, auch Restaurants und Bars können selbst entscheiden, ob sie öffnen oder geschlossen bleiben.

          Welche Feiertage waren am 17. Juni und am 7. Oktober?

          In der Bundesrepublik Deutschland gab es vor der Wende von 1954 bis 1990 bereits einen Tag der deutschen Einheit. Dieser wurde allerdings mit kleinem „d“ geschrieben und fand immer am 17. Juni zum Gedenken an den Volksaufstand im Jahr 1953 in der DDR statt. Der Feiertag wurde zwar mit der Wiedervereinigung aufgehoben, allerdings werden bis heute bundesweit zahlreiche Behörden, Körperschaften, Anstalten und Stiftungen öffentlichen Rechts am 17. Juni beflaggt. Es soll an die Menschen erinnern, die für ihre Rechte und ihre Freiheit in der DDR gekämpft und unter der Niederschlagung des Aufstands gelitten haben.

          In der DDR wurde damals der 7. Oktober als „Tag der Republik“ gefeiert. Er sollte an den Tag der Staatsgründung im Jahr 1949 erinnern.

          Wo wird der Tag der Deutschen Einheit 2022 gefeiert?

          Jedes Jahr wird die offizielle Feier zum Tag der Deutschen Einheit in einem anderen Bundesland ausgerichtet. Und zwar immer in dem Bundesland, das zu diesem Zeitpunkt den Vorsitz im Bundesrat innehat. Im vergangenen Jahr war das Sachsen-Anhalt, in diesem Jahr ist es Thüringen. Meist ist die Landeshauptstadt Gastgeberin der Feierlichkeiten, so wie in diesem Jahr Erfurt.

          Ein Herz, gebildet aus der Jahreszahl 22, symbolisiert die Thüringer Bundesratspräsidentschaft und den Tag der Deutschen Einheit vor dem Mariendom und der Severikirche in Erfurt.
          Ein Herz, gebildet aus der Jahreszahl 22, symbolisiert die Thüringer Bundesratspräsidentschaft und den Tag der Deutschen Einheit vor dem Mariendom und der Severikirche in Erfurt. : Bild: dpa

          Was für ein Programm ist zum Tag der Deutschen Einheit geplant?

          Am Festwochenende vom 1. bis 3. Oktober werden in Erfurt etwa 120.000 Gäste erwartet. Das Motto lautet „zusammen wachsen“. Neben dem dreitägigen Bürgerfest soll es am 3. Oktober einen ökumenischen Gottesdienst im Erfurter Dom und anschließend den Festakt zum Tag der Deutschen Einheit im Theater Erfurt geben. Die 16 Bundesländer präsentieren sich auf einer Ländermeile, ebenso die Stadt Erfurt und unter anderem der Bundestag, der Bundesrat, die Bundesregierung und das Bundesverfassungsgericht.

          Die Friedensbewegung und die Bürgerrechtsbewegung in der DDR sollen im Programm ebenfalls einen „festen Platz“ haben und sich mit den aktuellen Herausforderungen verbinden, gab Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow bekannt, der als Bundesratspräsident Gastgeber ist. Er rechnet auch wie der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein mit Demonstrationen, etwa gegen die hohen Energiepreise.

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          Rund um den Feiertag soll es kein Feuerwerk, sondern Lichtinstallationen geben. Um den Energieverbrauch dafür zu kompensieren, sollen Straßenlaternen abgeschaltet werden. Zudem soll es Installationen in Blau-Gelb geben, als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine.

          Sind am 3. Oktober weitere Aktionen geplant?

          Zum Tag der Deutschen Einheit wird es auch wieder eine bundesweite Gesangsaktion geben. An mehr als 200 Orten soll bundesweit mit Kerzen, offenem Singen und Musizieren an die Friedliche Revolution und den Mauerfall erinnert werden, teilte die Initiative „3. Oktober – Deutschland singt und klingt“ mit, die diese Aktion veranstaltet. Demnach setzt die Initiative unter dem diesjährigen Motto „Keine Gewalt!“ auch ein Zeichen für Frieden in der Ukraine. 13 bekannte Lieder wie etwa „Lean On Me“ und „Hevenu Shalom Alechem“ stehen dabei auf dem Programm, die teilweise auch auf Ukrainisch übersetzt wurden.

          Vorab können sich Chöre, Musikensembles oder Vereine online registrieren. Bei der Aktion kann man aber auch einfach auf der Straße oder vom Balkon aus mitsingen. Eine vollständige Liederliste und die dazugehörigen Texte können online eingesehen werden.

          Tag der offenen Moschee als Zeichen der Zugehörigkeit

          Seit 1997 findet jährlich am 3. Oktober der Tag der offenen Moschee statt. Das geht auf eine Initiative des Zentralrats der Muslime (ZDM) zurück und soll als Zeichen der Zugehörigkeit und Verbundenheit verstanden werden. Bundesweit sind Bürgerinnen und Bürger eingeladen, die muslimischen Gotteshäuser zu besuchen. Seit 2007 organisiert der Koordinationsrat der Muslime (KRM) den Tag, an dem sich alljährlich rund 1000 Moscheen deutschlandweit beteiligen, um ein Kennenlernen und einen Austausch zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu fördern.

          Besucher der Sehitlik-Moschee in Berlin hören sich am Tag der offenen Moschee einen Vortrag an.
          Besucher der Sehitlik-Moschee in Berlin hören sich am Tag der offenen Moschee einen Vortrag an. : Bild: dpa

          In diesem Jahr öffnen die Moscheen unter dem Motto „knappe Ressourcen – große Verantwortung“ ihre Türen. Das solle das Bewusstsein schärfen für die Notwendigkeit eines nachhaltigen und klimagerechten Lebens, hieß es vom ZMD. Zur Bekämpfung des Klimawandels brauche es tiefgreifende strukturelle Veränderungen sowie Änderungen im Verhalten – auch bei Muslimen, Moscheen und muslimischen Einrichtungen.

          In Deutschland leben rund 5,5 Millionen Muslime. Unter den Bundesländern wohnen mit Abstand am meisten in Nordrhein-Westfalen. Zum Koordinationsrat gehören der Zentralrat der Muslime, die Türkisch-Islamische Union (Ditib), der Islamrat und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) sowie die Union der Islamisch-Albanischen Zentren in Deutschland (UIAZD) und der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland (ZRMD).

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