https://www.faz.net/-gum-u8ac

Walfang : „Walkrieg“ in der Antarktis

  • Aktualisiert am

Folgen der Kollision in der Antarktis Bild: REUTERS

In der Antarktis spielt sich ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel ab. Nun kollidierte ein amerikanisches Schiff mit einem Walfänger. Wer ist für den Zusammenstoß verantwortlich?

          Sie nennen sich „Hirten des Meeres“, aber bei ihren Einsätzen geht es nicht lammfromm zu. Am Montag kollidierte in der Antarktis ein Schiff der amerikanischen Organisation „Sea Shepherd“ mit einem japanischen Walfänger. Wer wen gerammt hat, ist noch offen.

          Seit Wochen spielt sich vor den Balleny-Inseln westlich der antarktischen Ross-See ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel ab, das die radikalen Tierschützer in der diesjährigen Walfangsaison „Operation Leviathan“ getauft haben. Seit 1977 sind die Meeres-Desperados mit gehisster Piratenflagge gegen Robbenschlachten und illegalen Walfang im Einsatz - jedoch mit umstrittenen Methoden. Um die Japaner zu stoppen, die im südlichen Eismeer ziemlich unbemerkt von der Weltöffentlichkeit fischen, schieben sie sich nicht nur den riesigen Stahlkolossen in den Weg, sondern rammen sie auch.

          Demolierte Schiffsschraube

          Am Montag gab „Sea Shepherd“-Gründer Paul Watson die Parole aus, er wolle einem japanischen Walfänger „einen Stahleinlauf verpassen, den sie nicht vergessen werden“. Watson war als Kapitän auf einem anderen Schiff in der Nähe, wenige Stunden bevor das „Sea Shepherd“-Schiff Robert Hunter mit dem japanischen Schiff Kaiko Maru kollidierte. Zuvor hatten die Tierschützer eine Gruppe von Walen verjagt. Die japanische Crew sandte einen Notruf aus, der von der neuseeländischen Seerettung aufgefangen wurde.

          Tatort Antarktis

          Diese machte sich jedoch nicht allzu große Sorgen um die Weiterfahrt der Kaiko Maru, obwohl deren Schiffsschraube demoliert worden war. Die von „National Geographic“ kürzlich als „Walkrieger“ titulierten Aktivisten behaupten nun, die Japaner stellten sich als Opfer dar.

          „Einen ein Meter großen Riss im Bug“

          „Wir wurden vom Eis gestoppt, aber die Kaiko Maru setzte zurück und kollidierte mit der Robert Hunter“, behauptet Watson, der auf seine sechs Kameras verweist, die den Vorfall dokumentieren könnten. „Als beide Schiffe losfuhren, hat die Kaiko Maru die Robert Hunter seitlich ins Eis gedrückt. Davon sind vier Stahlträger verbogen. Wir haben einen ein Meter großen Riss im Bug.“ Dieser Darstellung widerspricht der Generaldirektor des Walforschungsinstituts ICR, zu dem die japanische Flotte gehört. Hiroshi Hatanaka nennt „Operation Leviathan“ eine „Kampagne gezielter Zerstörung und des Terrorismus“: „Wir haben Sorgen, dass jemand verletzt oder getötet wird.“

          Als die Kaiko Maru ihren Notruf losließ, kam ihr auch prompt ein anderes Schiff zu Hilfe - ausgerechnet die Esperanza, mit der die Umweltorganisation Greenpeace auf Walschutzeinsatz in der Antarktis unterwegs ist. „Wir verurteilen gewalttätige Aktionen, egal von wem“, so Greenpeace-Expeditionsleiterin Karli Thomas.

          Weitere Themen

          Die Anführerin der Klimabewegung Video-Seite öffnen

          Greta Thunberg : Die Anführerin der Klimabewegung

          Von einigen wird sie als „Klima-Göre“ verspottet, für andere ist sie die Gallionsfigur der neuen weltweiten Klimabewegung: die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg polarisiert. Was treibt die Jugendliche an?

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.