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Brand bei Bordeaux : „Der Wald brennt wie Stroh“

Der Einsatz geht weiter: Ein Helfer kämpft gegen die Flammen bei Saumos Bild: AFP

Die Urlaubsregion an der Atlantikküste kommt nicht zur Ruhe. Von Neuem steht der Wald in Flammen.

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          In der Nähe der Stadt Bordeaux wütet von Neuem ein Brand. Mehr als 3500 Hektar Land sind bei dem Feuer im süd­lichen Médoc bislang verbrannt. Die zuständige Präfektur im französischen Département Gironde teilte am Mittwoch mit, dass starker Wind die Löscharbeiten behindert habe. Das Feuer hat in der Nacht weitere 500 Hektar ergriffen. 920 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen. Fünf Löschflugzeuge und mehrere Hubschrauber seien im Einsatz.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der Brand war am Montag nahe der Ortschaft Saumos ausgebrochen. 840 Einwohner mussten ihre Häuser verlassen. Sie wurden in Notunterkünften untergebracht. Vier Häuser sind bislang abgebrannt. Es wird wegen Brandstiftung ermittelt. Der Brandherd liegt nicht weit vom beliebten Badeort Lacanau an der Atlantikküste entfernt. Der Bürgermeister von Lacanau, Laurent Peyrondet (Modem), sagte, der Wald sei nach Wochen der Dürre extrem ausgetrocknet. „Er brennt wie Stroh“, sagte der Bürgermeister im Radio. Zu Wochenbeginn waren neue Hitzerekorde in Bordeaux gemessen worden. Die Temperaturen stiegen auf 39 Grad Celsius. Aufgrund der Hitze und der Dürre breitete sich das Feuer schnell aus. In der Nacht von Montag auf Dienstag verdreifachte sich die vom Brand erfasste Fläche.

          „Wir sind wütend, weil wir wissen, dass das Feuer vermutlich auf Brandstiftung zurückgeht“, sagte der Abgeordnete der Gironde, Grégoire de Fournas. Der Winzer sitzt für den Rassemblement National in der Nationalversammlung. Er forderte höhere Strafen für Brandstifter und eine Mindeststrafe von zehn Jahren. Am 26. August ist in seinem Wahlkreis ein 19 Jahre alter Student festgenommen worden, der bei der Freiwilligen Feuerwehr mitwirkte. Er ist geständig und soll im Sommer allein 31 Brände in der Gironde gelegt haben. Die Festnahme des mutmaßlichen Brandstifters hat für viel Wirbel gesorgt, da mehrere Mitglieder der Familie des jungen Manns der Feuerwehr angehören. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.

          Im Sommer waren in der Nähe von Bordeaux bei zwei Großbränden in Landiras und La Teste mehr als 20.000 Hektar Land verbrannt, darunter alte Kiefernwald­bestände in der Nähe der Düne von Pyla an der Atlantikküste. Die Kosten für die Löscharbeiten beliefen sich auf 750.000 bis eine Million Euro pro Tag, wie der Sprecher der Feuerwehr, Eric Brocardi, der Zeitung „Le Parisien“ sagte. Mehr als 2000 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Auch Hunderte Feuerwehrleute aus Deutschland halfen bei der Brandbekämpfung. Der Tourismus verzeichnete einen deutlichen Rückgang. Präsident Emmanuel Macron war im Juli an die Waldbrandfront in der Gironde gekommen und hatte den Feuerwehrleuten Anerkennung gezollt. Er versprach, dass die abgebrannten Kiefern­wälder wiederaufgeforstet würden. Zudem soll die Brandprävention verbessert werden.

          Viele Bewohner der Region befürchten, dass sich Katastrophensommer mit kaum Niederschlag und hohen Temperaturen wiederholen könnten. Der Vorsitzende des Dachverbands der Klima- und Naturschutzvereine Sepanso in der Gironde, Philippe Barbedienne, warnte, dass sich aufgrund des Klimawandels Brände immer schneller ausbreiteten. „Bei der Aufforstung sollten nicht wieder Bäume gepflanzt werden, die sich schnell entzünden“, forderte Barbedienne.

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