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Waldbrände in Südeuropa : Feuer am Heiligen Berg Athos

  • Aktualisiert am

Feuerwehrleute im Einsatz auf der Peloponnes Bild: dpa

Schwere Waldbrände und Wassermangel machen nach wochenlanger Extremhitze Südeuropa zu schaffen. In Italien kamen zwei Männer ums Leben.

          Während sich der Sommer in Deutschland in diesem Jahr schwertut, herrscht in Südeuropa brütende Hitze. Viele Länder - vor allem Italien, Griechenland und Bulgarien - werden wegen der hohen Temperaturen von Waldbränden heimgesucht. Und auf dem Balkan wird nun auch noch das Trinkwasser knapp.

          In Italien breiten sich im ganzen Land immer häufiger Feuer aus. Am Mittwoch kamen in der Emilia Romagna zwei Männer ums Leben. Der verkohlte Leichnam eines 87 Jahre alten Mannes fand sich bei seinem Haus auf dem Appenin bei Parma, wohin die Feuerwehr nicht gelangen konnte. Ein 88 Jahre alter Mann konnte sich in Loiano bei Bologna nicht mehr vor einem Feuer retten. Bei Siena zogen die Brände den Nationalpark San Rossorre auf einer Fläche von etwa fünf Quadratkilometern in Mitleidenschaft. Ein 65 Jahre alter Brandstifter soll sich der Flammen erfreut haben, die er bei Tivoli in Latium gelegt hatte. Zwischen der Emilia und Sizilien wurden am Donnerstag etwa 160 Brände gezählt. Bis zu 40 Lösch-Hubschrauber sind im Einsatz. In ganz Italien herrschen Temperaturen von bis zu 40 Grad. Für 13 Städte riefen die Behörden Hitze-Alarm aus. Im August ist es zwar in Italien immer heiß. Aber selten hat eine Hitzewelle so lange gedauert. Die Landwirte fürchten um ihre Ernte.

          Auf Chalkidiki mehrere Orte und Hotels evakuiert

          Auch in Griechenland wüten mehrere Waldbrände. Am schlimmsten betroffen ist der Osten der Halbinsel Chalkidiki im Norden des Landes. Mehrere Orte und Hotels mussten vorübergehend evakuiert werden, teilte die Feuerwehr mit. Der Brand hat nach Schätzungen der örtlichen Behörden rund 250 Hektar Wald und landwirtschaftlich genutztes Land zerstört. Das Feuer war am Mittwoch in der Region um den Heiligen Berg Athos aus bisher unbekannten Gründen ausgebrochen. Große Rauchwolken waren sogar von der 40 Kilometer entfernten Hafenstadt Thessaloniki aus zu sehen.

          Ein anderer Großbrand auf der Halbinsel Peloponnes konnte unter Kontrolle gebracht werden. Dort waren sieben Menschen verletzt worden; einer von ihnen befindet sich noch in Lebensgefahr und musste in ein Spezialkrankenhaus in Athen gebracht werden. Mehrere Fernstraßen wurden gesperrt. Die Waldbrandgefahr bleibe wegen der extremen Hitze und Trockenheit sehr hoch, warnte das Wetteramt. Wechselnde Winde erschwerten die Löschung. Bei Waldbränden waren 2007 auf der Peloponnes fast 90 Menschen ums Leben gekommen.

          Knapp 400 Waldbrände in Bulgarien

          Auch im Südwesten Bulgariens kämpfen mehr als 400 Feuerwehrleute, Förster und Freiwillige gegen die Flammen. Zwei Hubschrauber sind im Einsatz, um die Waldbrände in einer schwer zugänglichen Bergregion zu löschen. In dem Land kommt es im Sommer immer wieder zu Großbränden; allein dieses Jahr gab es schon 397 Waldbrände.

          Unterdessen wird auf dem Balkan das Trinkwasser knapp. Auf der kroatischen Halbinsel Istrien ist die Haupt-Wasserquelle fast aufgebraucht, wie Medien am Mittwoch berichteten. In Serbien leidet vor allem die Region um Gornji Milanovac, in der rund 300000 Menschen leben, unter Wassermangel. Die Trinkwasservorräte sind praktisch ausgetrocknet, Wasser gibt es nur noch stundenweise. In einigen Städten im Norden Kosovos wie in Mitrovica leiden die Menschen schon seit Wochen unter dem ausbleibenden Regen. In ihren Haushalten kommt zum Teil nur vier Stunden am Tag Wasser aus den Leitungen.

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