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Waldbrände in Kalifornien : Vielerorts ist nur noch graue Asche übrig

  • -Aktualisiert am

Im Napa-Valley in Kalifornien versucht ein Feuerwehrmann ein brennendes Haus zu retten. Bild: dpa

Die Zahl der Todesopfer bei den verheerenden Waldbränden in Kalifornien ist auf mehr als 30 gestiegen. Brandstiftung wird zwar nicht ausgeschlossen, als wahrscheinlicher gilt aber eine andere Hypothese.

          Die Luft ist mit Rauch durchsetzt. Aber man merkt zunächst nicht, dass man in Richtung eines Infernos unterwegs ist, wenn man in San Francisco auf die Autobahn 101 nach Norden einbiegt. Schon von der Golden Gate Bridge aus sieht man in der Ferne dichte Qualmwolken in den Himmel steigen. Je näher man den 21 Bränden kommt, die zur Zeit in Nordkalifornien lodern, desto dichter wird der Rauch. Das sonst herrlich klare mediterrane Licht Kaliforniens ist nun ein fahler rötlich-grauer Schleier. In Santa Rosa, gut 80 Kilometer nördlich des Goldenen Tores, sieht man dann auch die ersten Spuren des Feuers. Nördlich der Innenstadt liegen Häuser auf beiden Seiten der Autobahn in Schutt und Asche.

          Auf den ersten Blick scheinen in dem Stadtteil entlang des Fountain Grove Parkway nur noch steinerne Schornsteine stehengeblieben zu sein. Vom Rest der aus Holz gebauten Häuser ist nur noch graue Asche übrig. Hier, in der Nähe eines Golfplatzes und eines Luxushotels, hatten sich viele Pensionäre und Rentner zur Ruhe gesetzt. Die Häuser waren modern und teuer, die Vorgärten gepflegt, und jeder kannte jeden. Gemeinsam feierte man Nachbarschaftsfeste oder nahm an Familienfeiern nebenan teil. Dieses fast dörfliche Idyll gibt es aber seit Montag nicht mehr. Nahezu alle Häuser in der Gegend sind verbrannt, das Luxushotel existiert nicht mehr, und der Fountaingrove-See dient Löschflugzeugen zum Auftanken mit Löschwasser.

          Über die Ursachen der Brände kann man nur spekulieren. Brandstiftung wird zwar nicht ausgeschlossen, als wahrscheinlicher gilt aber eine andere Hypothese. Durch das Brandgebiet verlaufen einige unter Hochspannung stehender Überlandleitungen, durch die Strom von den Geothermie-Kraftwerken des Geysers-Feldes in den Großraum San Francisco geleitet wird. Aufzeichnungen des regionalen Energieversorgers zeigen, dass die starken Winde in der Nacht zum Montag mehrere Kurzschlüsse in diesen Leitungen hervorriefen. Die Lichtbögen, die dabei unweigerlich entstehen, könnten die Waldbrände in der verdörrten Landschaft entfacht haben.

          Mitten in der Nacht zum Montag brach das Tubbs-Feuer über den Stadtteil herein. Die meisten Einwohner konnten sich retten. „Alles ging so schnell“, sagt Sylvia Potter, die vor drei Jahren in diese Gegend zog, „dass wir unsere drei Papageien im Haus zurücklassen mussten.“ Als sie in der Asche ihres Hauses herumstocherte, fand sie nur noch verglühte Reste der Vogelkäfige. „Vielleicht sind sie ja entkommen.“

          Nur gelegentlich unterbricht ein Schluchzen die Stille

          Im Ort hört man keinen Mucks. Nur gelegentlich unterbricht ein Schluchzen die Stille, wenn ehemalige Einwohner hilflos vor den Resten ihrer Häuser stehen. Der seltsamen Ruhe steht der beißende Gestank der Asche gegenüber. Am Ende einer Sackgasse sind drei Häuser ganz intakt. Der Feuerwehrmann, der hier Patrouille läuft, sagt, zwei der Häuser hätten Brüdern gehört, die sich geweigert hatten, den Evakuierungsbefehlen zu folgen. Während sich ihre Familien in Sicherheit brachten, gelang es den beiden, ihre Häuser und das Nachbarhaus so lange mit Wasser aus Gartenschläuchen zu bespritzen, bis die Feuersbrunst vorübergezogen war. Die beiden seien aber jetzt mit schweren Rauchvergiftungen im Krankenhaus.

          Dabei haben sie noch Glück gehabt. Die Behörden ziehen schon jetzt eine traurige Bilanz. Die Zahl der Todesopfer ist auf 31 gestiegen, Hunderte werden noch vermisst. Die Zahl der zerstörten Gebäude, ermittelt durch Satellitenaufnahmen, liegt bei mindestens 3500. Damit übertreffen die Brände das schlimmste Feuer der jüngeren Geschichte Kaliforniens, als 1991 in den Hügeln oberhalb von Oakland und Berkeley mehr als 2800 Gebäude einem drei Tage dauernden Brand zum Opfer fielen.

          Vom Fountaingrove Parkway geht es anschließend auf der Calistoga Road weiter nach Nordosten. Aus dieser Richtung war der Waldbrand in der Nacht zum Montag als riesige Feuerwalze über Hügel und durch Täler in Richtung Santa Rosa gerast. Die ganze Landschaft ist schwarz verbrannt. Von den vielen Eichen sind nur noch Skelette übriggeblieben. Am Stadtrand von Calistoga versperren schließlich mehrere Polizisten vor einer Barrikade die Weiterfahrt. Es bestehe ein Evakuierungsbefehl, sagen die Beamten. Anfang der Woche hatte das Feuer das 5000 Einwohner große Städtchen noch verschont, aber nun bedroht ein weiterer Waldbrand den Ort von Norden her. Die Barrikade bleibt dicht. Wer sich jetzt noch in Calistoga aufhalte, erklärt einer der Beamten mit drastischen Worten, sei potentiell ein Leichnam. Die rot-weiß gestrichenen Löschflugzeuge fliegen immer wieder über den Ort und laden weiter im Norden ihre Fracht unmittelbar über den neuen Brandherden ab.

          Ein Flugzeug lässt am Donnerstag in Geyserville, Kalifornien, Löschmittel über einem Waldbrand ab.

          Nun versucht man, die Brände einzudämmen

          Inzwischen haben die Feuerwehren ihre Taktik geändert. In den ersten Tagen der Brandkatastrophe ging es den Einsatzkräften zunächst vor allem darum, Menschen, die nicht mehr rechtzeitig fliehen konnten, vor den Flammen zu retten. Nun versucht man, die Brände einzudämmen. Dazu werden weit vor einer Brandfront zum Teil mit Erdschiebern breite Brandschneisen geschlagen, in die anschließend Feuerwehrleute positioniert werden. Sie sollen verhindern, dass das Feuer die Schneisen überspringt. Das Containment bedeutet aber noch lange nicht, dass ein Brand gelöscht ist. Es dient nur dazu, dass sich das Feuer innerhalb der Schneisen selbst ausbrennt, weil es dort keine Nahrung mehr findet.

          Ein weiterer Erfolg wird aus Santa Rosa gemeldet, wo fast alle Brände gelöscht sind und nicht mit einem Wiederaufflammen gerechnet wird. Es gibt auch wieder einen halbwegs zuverlässigen Handyempfang in den betroffenen Gebieten. Von den 77 Antennenmasten, die von den Bränden zerstört wurden, sind 64 repariert oder neu errichtet worden.

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