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Während der Gamescom : Zwei Stunden warten, um in die Kirche zu gehen

  • Aktualisiert am

Lasershow in einer der bekanntesten Kirchen des Landes. Bild: https://twitter.com/ruhrunibochum/status/766609593510297600

Bandwurmartig zieht sich die Schlange über den Vorplatz des Kölner Doms: Tausende wollen in diesen Tagen zwischen 22 Uhr und 2 Uhr in die Kirche. Der Dombesuch wird für drei Nächte zum „Event“.

          Seit zwei Nächten spielt sich vor dem Kölner Dom Ungewöhnliches ab: Eine scheinbar endlose Schlange von Menschen zieht sich über den Vorplatz. Sie beginnt vor dem Römisch-Germanischen Museum, schlingt sich in einigen Schlenkern am Domhotel vorbei, dann am Seitenschiff des Doms entlang. 12.000 Menschen haben hier in der ersten Nacht gewartet, bis sie irgendwann die dickdarmartigen Wartereihen überwunden haben und am Haupteingang der Kirche angelangt sind.

          Immer wieder werden stoßweise Menschen eingelassen. Ein lauter Bass ertönt. Der blaue Lasertunnel zieht das Auge des Besuchers hoch zum gotischen Chor. War da nicht gerade ein „Agnus Dei“ zu hören? Im Seitenschiff öffnet sich schon ein neuer Tunnel: ein rotes Dreieck. Seit Donnerstagabend gibt es, begrenzt auf drei Nächte bis Samstagnacht, zwischen 22 Uhr und 2 Uhr im Kölner Dom ein Laser- und Sound-Kunstprojekt zur Computerspielmesse Gamescom. Das Domkapitel, das als Veranstalter auftritt, will die Kirche für junge Leute „erfahrbar" machen.

          Das Gotteshaus selbst wird inszeniert

          Das fanden einige Leute ganz furchtbar. „Macht doch aus dem Dom keine Jahrmarktbude“, postete ein besorgter Facebook-Nutzer, kaum dass die ersten visuellen Eindrücke in den Sozialen Netzwerken erschienen. Mit Jahrmarktbude hat die Installation aber so rein gar nichts zu tun. Was das international viel beachtete Kölner DJ-Duo „Blank & Jones“ für das Projekt „Silent Mod“ komponiert hat, passt in den Dom.

          Es ist keine Selbstinszenierung, die dort geschieht, kein Spektakel, keine Zweckentfremdung. Es ist das Gotteshaus selbst, das inszeniert wird. „Das stark machen, was in dieser Kathedrale schon da ist“, nennt das der Bochumer Pastoraltheologe Matthias Sellmann, der Initiator der Veranstaltung. Das Ergebnis gibt auch dem Hausherrn am „Domkloster 4“ Recht. Wohl nicht alle goutieren das Experiment, das der 71 Jahre alte Dompropst Gerd Bachner wagt: die wohl bekannteste Kirche Deutschlands bewusst für die Jugendkultur zu öffnen, um so einen neuen Zugang zum sakralen Raum zu ermöglichen. Der Dom als „Server“, als Kraftquelle, die in sich ruht.

          Bei der Eröffnung am Donnerstagabend war auch der Kölner Kardinal Woelki zugegen. Er bekam ruhige Elektro-Musik zu hören, keinen Techno, begleitet von einem sanften Farbenspiel, keinenm Lichtgewitter.

          Dazu ein Duft, den der Bochumer Zellphysiologe Hanns Hatt und der Parfümeur Marc vom Ende eigens für den Dom kreierten: Weihrauch trifft Orange - ein frischer Anklang an die Herkunft des Christentums in der Levante. „Die Nase schläft nie“, so Hatt. Das hätte sie dann mit den Besuchern gemeinsam.

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