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Wacken-Open-Air : Die metallische Prozession

Crowdsurfen mit Pommesgabel: Es gibt Dinge, die ändern sich in 25 Jahren nicht Bild: Röth, Frank

Zum 25. Mal pilgern Metal-Fans aus aller Welt in die holsteinische Provinz zum Wacken-Open-Air. Bei der Jubiläumsausgabe feiern 75.000 Fans sich und ihre Musik. Angefangen hat alles in einer kleinen Senke am Dorfrand – ohne den ganzen Kommerz.

          Lemmy ist wieder auf den Beinen. Und Mikkey Dee hat am Ende doch recht behalten. In einem Interview hatte der Schlagzeuger von Motörhead schon vor ein paar Jahren alle Sorgen über den extremen Lebensstil seines Bandleaders vom Tisch gewischt. Lemmy sei so zäh, dass den dritten Weltkrieg wohl nur er und ein paar Kakerlaken überleben würden.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das hatte im vergangenen Sommer dann aber ganz anders ausgesehen. Damals hatte der 1945 geborene Ian Fraser Kilmister, genannt Lemmy, seinen Auftritt beim Wacken-Open-Air (WOA) wegen eines Hitzekollaps abbrechen müssen. Nach mehr als 40 Jahren als Inkarnation des unverwüstlichen, sauf- und rauchwütigen Rockstars schien es so, als habe die Realität nun auch ihn eingeholt. Die geplante Tournee wurde abgesagt, Lemmy musste sich in Behandlung begeben, sich an einen Herzschrittmacher gewöhnen und vor allem kürzer treten.

          Doch jetzt ist der Achtundsechzigjährige wieder da – rechtzeitig zum Jubiläum des WOA. Zum 25. Mal strömen seit Anfang der Woche die Heavy-Metal-Fans in die holsteinische Provinz, um in Wacken sich und ihre Musik zu feiern. Wie in einer nicht enden wollenden Prozession ziehen sie von den Zeltplätzen die Hauptstraße des 1800-Seelen-Dorfes entlang, zum Edeka-Markt, zum Bäcker, zum Geldautomaten der Sparkasse und zum Landgasthaus „Zur Post“. Seit Mittwoch spielen die ersten Bands auf dem riesigen Festivalgelände, bis Sonntag werden 75.000 Besucher beim größten Heavy-Metal-Festival der Welt erwartet.

          Anfänge in einer Senke am Dorfrand

          Angefangen hat alles in der Kuhle. In dieser Senke am Rande des Dorfes, wo jetzt die Zelte und Garderoben der Künstler zu finden sind, haben Thomas Jensen, Holger Hübner und ein paar Freunde 1990 ihr erstes Open-Air-Konzert veranstaltet. 800 Besucher kamen zu der wilden Party der Wackener Dorfjugend. Sechs Bands spielten auf der improvisierten Bühne, darunter auch Skyline, Jensens eigene Gruppe, mit der er und seine Kumpels schon ein paar Jahre in Kellern, Kneipen und auf Dorffesten aufgetreten waren.

          Zwei Jahre später kamen 3500 Zuschauer um 26 Bands zu sehen, darunter Saxon, den ersten internationalen Headliner. 1996 sorgten dann die Böhsen Onkelz für den ersten Stau im Dorf – und für den Durchbruch des Festivals. 1997 kamen schon 10.000 Fans, 1998 waren es 20.000, die Kuhle wurde zu klein, zusammen mit Bauer Uwe Trede machten Jensen und Hübner die umliegenden Wiesen zum Festivalgelände, und spätestens 2007 kam das Dorf und das Open-Air durch den mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „Full Metal Village“ der Koreanerin Sung-Hyung Cho auch außerhalb der Metal-Szene zu Berühmtheit.

          Wider das Klischee: Nicht alle Festivalbesucher tragen schwarze Kutten Bilderstrecke

          Inzwischen sind die beiden Veranstalter Jensen und Hübner mit ihrem WOA Metal-Marktführer. In der Szene hat das Festival einen Namen wie kein zweites. Aus ganz Europa reisen die Fans an, vor allem aus Skandinavien, aber auch aus Süd- und Osteuropa kommen die Besucher, viele gar aus Übersee, aus Amerika, Brasilien, Japan und Mexiko. Die 75.000 Karten sind jedes Jahr innerhalb von Tagen ausverkauft.

          Zur offiziellen Eröffnung der Jubiläumsausgabe haben am Donnerstag-Nachmittag wieder Skyline gespielt, dann standen unter anderen Saxon und die deutschen Ur-Metaller von Accept auf den beiden riesigen Zwillingsbühnen, und bis Sonntagmorgen um drei kommen dann weitere Metal-Größen wie Slayer, Megadeth, Avantasia, Children of Bodom, Amon Amarth. Insgesamt treten an den vier Festivaltagen 120 Bands auf sieben Bühnen auf, die Zeltplätze für die Besucher erstrecken sich auf mehr als 220 Hektar und reichen an die Grenzen der Nachbardörfer Gribbohm und Bokelrehm heran, mehr als 2000 Journalisten aus aller Welt haben sich akkreditiert, knapp ein Dutzend Fernsehteams berichten.

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