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Warnstufe Rot : Vulkan Bárdarbunga auf Island bricht aus

  • Aktualisiert am

Eine gesperrte Straße in der Nähe des Vulkans Bardarbunga in Island Bild: dpa

Der Vulkan Bárdarbunga ist ausgebrochen: Bislang sind es nur kleine Ausbrüche, doch das Eruptionspotential ist enorm. Auf eine mögliche Aschewolke sind Fluggesellschaften aber besser vorbereitet als beim Ausbruch des Eyjafjallajökull vor vier Jahren.

          Der isländische Vulkan Bárdarbunga ist ausgebrochen. Es kam in der Nacht zu Freitag allerdings nur zu leichten Eruptionen. Der Ausbruch sei gegen Mitternacht nördlich des Vatnajökull-Gletschers erfolgt, die Aktivität habe später offenbar abgenommen, teilte das Meteorologische Institut auf Island am Freitagmorgen mit. Bislang seien keine großen Aschemengen in die Luft gelangt. Alle Flughäfen aus Island seien geöffnet. Dennoch rief das Institut die Warnstufe Rot aus. Das bedeutet, dass ein Vulkanausbruch unmittelbar bevorsteht oder im Gange ist.

          Das Eruptionspotential des Bárdarbunga ist enorm. Er gehört zu den größten Vulkanen der Welt, obwohl er seine Ausdehnung vollkommen unter der riesigen Eisdecke des Vatnajökull verbirgt, dem mit einer Fläche von 13.600 Quadratkilometern mächtigsten Gletscher Europas. Unter seinem bis zu 1000 Meter dicken Eispanzer befinden sich acht aktive Vulkane, darunter auch der Grimsvötn, der zuletzt im Mai 2011 ausbrach. Im Vergleich zum Bárdarbunga ist Grimsvötn allerdings ein Zwerg. Im Zentrum des Bárdarbunga gibt es statt eines kleinen Krater eine 700 Meter tiefe und im Durchmesser mehrere Kilometer große Caldera.

          Angst vor einer neuen Aschewolke

          Die schwersten Ausbrüche des Vulkans ereigneten sich jedoch an seinen Flanken. Dort erstrecken sich nämlich zwei Spaltensysteme 50 und 100 Kilometer lang unter dem Gletschereis. Vor knapp 9000 Jahren eruptierte einer dieser Spalten in einem der gewaltigsten Vulkanausbrüche der Neuzeit. Dabei stieß der Bárdarbunga 21 Kubikkilometer Lava aus, genug, um ganz Berlin unter einer 23 Meter dicken Lavaschicht zu begraben. Vor wenigen Tagen stellte der Vulkan noch einen weiteren Angst einjagenden Rekord ein. Aus der Aufzeichnung Tausender Erdbeben berechneten Vulkanologen die Geschwindigkeit, mit der das Magma unter dem Bárdarbunga aufstieg. Das glühende, zähflüssige Gestein raste dabei mit fast 14 Metern pro Minute aus der Tiefe nach oben.

          Die Sorge ist groß, dass ein Ausbruch des Bárdarbunga ähnliche Folgen haben könnte wie im April 2010 die Eruption des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull. Vulkanasche trieb nach dem Ausbruch in einer riesigen Wolke über Großbritannien und das europäische Festland. Nach zahlreichen früheren Zwischenfällen, bei denen die Triebwerke von Düsenflugzeugen beim Durchfliegen solcher Aschewolken ihren Schub verloren hatten, waren sich damals alle Fluggesellschaften einig: Niemand wollte beim Flug durch die Wolke einen Unfall riskieren. Deshalb blieb man vorsichtshalber am Boden. Mehr als 100.000 Flüge wurden gestrichen, gut acht Millionen Reisende saßen zum Teil tagelang auf Flughäfen fest.

          Die Gefahr ist jetzt besser kalkulierbar

          Mittlerweile haben Triebwerkshersteller und Fluggesellschaften aber weit genauer untersucht, wie die feine Asche auf Flugzeuge wirkt. Dabei stellte sich heraus, dass die Wolke noch bis zu vier Gramm Asche pro Kubikmeter Luft enthalten kann, ohne dass es Folgen für die Triebwerke hätte. Gleichzeitig haben Meteorologen inzwischen gelernt, den Aschegehalt von Vulkanwolken aus Satellitenbildern und mit gezielt gerichteten Lichtstrahlen vom Boden recht genau zu bestimmen. Auf diese Weise ist es heute möglich, jene Gebiete ziemlich genau zu kartieren, in denen die Aschekonzentration der Luft Schäden verursachen könnte. Piloten können diese Gebiete dann umfliegen und sicher ans Ziel kommen, selbst wenn sich der Flug dabei etwas verspätet.

          Das Bundesverkehrsministerium hatte dementsprechend schon am Donnerstag mitgeteilt, man fühle sich für den Fall eines Ausbruchs gut gewappnet. „Deutschland ist auf eine mögliche Vulkanasche-Kontamination des Luftraums vorbereitet“, erklärte Minister Alexander Dobrindt (CSU). Alle notwendigen Vorbereitungen für den Fall eines Vulkanausbruchs seien getroffen. Es sei ein Aktionsplan erarbeitet worden, „mit dem wir jederzeit auf aktuelle Situationen reagieren können“.

          Ein Spezialflugzeug, das Vulkanasche im Luftraum misst, steht laut Verkehrsministerium bereit. Zudem ist demnach ein Infrarot-Laser-Messnetz aufgebaut, mit dem die Konzentration von Vulkanasche bis zu einer Höhe von zwölf Kilometern erfasst werden kann. Der Deutsche Wetterdienst stehe zudem in ständiger Abstimmung mit dem isländischen Wetterdienst. Auch eine Arbeitsgruppe für den operativen Krisendienst sei vorbereitet, die im Fall von Vulkanasche im Luftraum eng mit der Deutschen Flugsicherung zusammenarbeite.

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