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Vornamen : Die Rückkehr deutscher Großväter

  • Aktualisiert am

Seine Tochter heißt Lieselotte: Jens Lehmann Bild: REUTERS

Man kennt die Namen eher aus Todesanzeigen: Siegfried, Ludwig, Otto oder Karl. Doch nun tauchen sie vermehrt in Geburtsannoncen auf. Sogar Adolf kommt als Zweitname in Mode. Eine Gegenreaktion auf die Welle amerikanischer Namen?

          Franz, Siegfried, Ludwig, Willi, Otto und Karl: Namen aus Großvaters Zeiten tauchen immer öfter nicht nur in den Todesanzeigen, sondern auch in den Geburtsannoncen auf. Nationaltorwart Jens Lehmann nannte seine Tochter Lieselotte, der kleine Sohn der Popsängerin Judith Holofernes (Wir sind Helden) heißt ganz preußisch Friedrich. Ob Minna oder Fritz: Eine Generation, die zur Fußball-WM die Deutschlandflagge auf dem Autofenster hängt, hat anscheinend keine Angst, bei der Namenswahl in den Ruch des Nationalismus zu kommen. Das gilt besonders bei der Taufe der Söhne.

          „Die letzten fünf Jahre zeigen besonders bei den Jungen, dass da eine Rückbesinnung auf die altdeutschen Namen erfolgt“, hat die Leipziger Namensforscherin Gabriele Rodriguez beobachtet. „Ich staune immer wieder, was da jetzt dabei ist.“ Sogar Adolf taucht als Zweitname wieder auf, und das bei Familien, die keineswegs der rechten Szene nahe stehen. Als Vorreiter bei den Namen gelten die Akademiker, die nach Neuem und Ungewöhnlichem suchen, außerdem spielen viele andere Faktoren wie persönliche Assoziationen, Verwandte oder Taufpaten eine Rolle.

          Gegenreaktion der Akademiker

          „Es werden die Namen gewählt, die selten sind“, berichtet Rodriguez, die an der Universität Leipzig auch prüft, ob ein Name beim Standesamt eingetragen werden kann. Dabei hat sie erlebt, wie die ersten kleinen Mädchen auf Cheyenne oder Dakota getauft wurden. Sie vermutet, dass die altdeutschen Varianten auch eine Gegenreaktion der Akademiker auf die Welle von amerikanischen Namen sein könnten.

          Ihr Sohn heißt ganz preußisch Friedrich: Judith Holofernes und ihr Ehemann Pola Roy

          Ähnlich denkt Autor Peter Richter. „Wer heute Mandy oder Mike heißt, läuft in erster Linie als Beleg für das Fernweh von Leuten durch die neuen Bundesländer, denen die DDR schon in den Sechzigern zu eng war“, schreibt er in seinem neu erschienenen Buch „Deutsches Haus“ (Goldmann). „In dem üblichen Spott über solche Namen reichen sich Antiamerikanismus und Ossifeindlichkeit die Hand, die beiden rechtsradikalen Reflexe im westdeutschen Linksliberalen, der seine eigenen, wassergeborenen Gören auf dem Kollwitzplatz mit Namen ruft, die man bis vor kurzem eigentlich nur noch von Denkmälern für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs kannte. Fritz, Franz, Friedebold.“

          Trendforscher Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut (Kelkheim/Hessen) sieht die traditionelle Namenswahl in noch größerem Zusammenhang - nämlich in Verbindung mit der „neuen Bürgerlichkeit“ in Deutschland, die vor etwa drei Jahren unter der rot-grünen Bundesregierung einsetzte. Er spricht von einem „bewussten Bekenntnis zur Tradition und zur Kontinuität, die wir eigentlich noch nie so richtig hatten“. „Es hat mit der Renaissance der Werte und der Rückkehr zur Normalität zutun“, meint Wenzel. Sein eigener kleiner Sohn heißt übrigens Jakob Karl.

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