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Voodoo : Afrikas alltäglicher Zauber

  • -Aktualisiert am

Voodoo wirkt - in Afrika Bild: Reuters

Fingernägel, Unterhosen und kopflose Leichen im Mangrovenhain: Voodoo spielt in Afrika noch immer eine größere Rolle, als viele Europäer denken. Wer sich dem Aberglauben widersetzt, lebt gefährlich.

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          Yahya Jammeh kann Aids heilen. Und zwar innerhalb von drei Tagen. Dafür benötigt er lediglich ein paar Kräuter, die nach einem geheimen, nur ihm bekannten Rezept gemischt werden. Wer das in Zweifel zieht, bekommt Jammehs geballten Zorn zu spüren, wie es der Repräsentantin der Vereinten Nationen in Gambia, Fadzai Gwaradzimba, widerfuhr. Die Dame hat sich ob Jammehs vermeintlicher Zauberkraft öffentlich an die Stirn getippt und wurde prompt gebeten, das Land zu verlassen. Schließlich ist Jammeh nicht irgendwer, sondern der Präsident des westafrikanischen Zwergstaates Gambia.

          Natürlich kann Jammeh kein Aids heilen, und das weiß er vermutlich selbst am besten. Doch das war gar nicht der Sinn des öffentlichen Werbens um seine Fähigkeiten. Was der Präsident vielmehr zum Ausdruck bringen wollte, war der Anspruch, nicht nur Chef des Landes, sondern darüber hinaus der stärkste Zauberer zu sein. Und dass folglich diejenigen, die an seinem Thron zu sägen gedenken, sich ja hüten sollen. Voodoo als Regierungsprogramm, sozusagen.

          Knochenkissen gegen Untreue

          Schwarze Magie und ihre Bedeutung sowohl für den politischen als auch sozialen Kontext moderner afrikanischer Gesellschaften ist ein ebenso heikles wie unterschätztes Thema. Für Afrikaner ist Zauberei ein tagesfüllendes Programm. Das fängt bei dem burkinischen Handlanger in Abidjans Elendsviertel Abobo an, der seiner Frau ein mit Knochen und allerlei sonstigem Hokuspokus gefülltes Kopfkissen unterjubelt, um sich ihrer Treue zu versichern, das geht weiter mit dem südafrikanischen Universitätsprofessor, der sich jeden Morgen mit Löwenfett einreibt, um sich gegen seine Feinde zu wappnen, bis hin zu Staatsoberhäuptern wie dem sambischen Präsidenten Frederic Chiluba, der bei einem nigerianischen Teufelsaustreiber Beistand für den bevorstehenden Korruptionsprozess suchte.

          Voodoo wirkt - in Afrika Bilderstrecke

          Das wohl haarsträubendste Beispiel war das des ivorischen Putschgenerals Robert Gueï, der im September 2002 ermordet wurde, aber erst im vergangenen Jahr in einer Familiengruft in Abidjan bestattet werden konnte. Dem vorangegangen waren langwierige Verhandlungen zwischen den in Paris ausgebildeten Kindern Gueïs und den „Weisen“ seines Heimatdorfes Kabacouma im Westen der Elfenbeinküste. Denen schwebte dem Vernehmen nach nämlich eine andere Form der Beisetzung vor.

          Da Gueï nicht nur ein ranghoher Militär war, sondern in Kabacouma auch als „Hüter der Masken“ den Posten des Verwalters aller Voodoo-Geheimnisse innehatte, sollte er der Tradition entsprechend beigesetzt werden, das heißt, der Körper hätte den Boden des Grabes nicht berühren dürfen. Das bewerkstelligt man, indem die Leiche auf bis zu dreißig abgeschlagene Köpfe gebettet wird. Unglaubwürdig? Nicht denkbar im 21. Jahrhundert?

          „Sonntags passieren solche Dinge eben“

          Beispiel Nigeria: Eigentlich sollte es nichts weiter als eine gemütliche Bootsfahrt durch die Mangroven des Niger-Deltas südlich von Port Harcourt werden. Bis die erste Leiche auf dem Wasser trieb. Ihr fehlte der Kopf, sonst schien sie vollständig zu sein. Vermutlich ein Bootsunfall, schließlich bleiben in Nigeria selbst Verkehrstote häufig tagelang an der Unfallstelle liegen. Kurz darauf die zweite Leiche, wieder kopflos. Am Ende der Fahrt hatte der Besucher vier geköpfte Tote gezählt, und die Frage an den Bootsführer, woher die Leichen kommen, wurde mit einem unwirschen Knurren beantwortet.

          Nach hartnäckigem Nachfragen kam schließlich die sibyllinische Antwort, es sei Montag. Und was hat die Leicheninflation mit dem Wochentag zu tun? „Gestern war Sonntag, und da passieren solche Dinge eben“, zischte der Bootsführer. Was für Dinge? Schulterzucken. Doch die Antwort fiel nicht schwer: Es handelte sich schlichtweg um rituelle Menschenopfer, wie sie in Nigeria, aber nicht nur dort, nach wie vor häufiger vorkommen als von offizieller Seite zugegeben wird. Manchmal braucht der Zauberer einen Kopf, manchmal die Geschlechtsteile.

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