https://www.faz.net/-gum-nz7o

Vollmachten : Die Vollmacht für alle Notfälle

  • -Aktualisiert am

Das Leben ist schön, aber trotzdem: Rechtzeitig an Vollmachten denken. Bild: dpa

Wer im Alter nicht fremdbestimmt leben will, muß rechtzeitig vorsorgen. Und seinen Willen schriftlich kundtun.

          2 Min.

          So kann es gehen. Vor zwei Jahren hat die 86jährige Mutter ihrer 60jährigen Tochter noch den Garten umgegraben. Topfit war die alte Dame, doch seither hat sie immer mehr abgebaut. Sie mußte ihre Wohnung aufgeben und zu der Tochter ziehen, die alles erledigte - die Bankgeschäfte, das Einkaufen, die Briefe. Das war im Dorf, wo man sich kannte, nie ein Problem. Nun wird der Tochter alles zuviel. Die alte Dame muß in ein Pflegeheim, was jedoch schwieriger ist als gedacht.

          Der Heimleiter erklärt, er könne die Mutter nicht aufnehmen, weil sie keine eigenen Entscheidungen mehr treffen könne. Sie ist geistig verwirrt, Alzheimer eben. Die Tochter habe keine Vollmacht, den Heimvertrag zu unterschreiben. Nun müssen beide Seiten warten, bis das Gericht einen Betreuer bestellt. Das kann dauern, denn die Vormundschaftsgerichte sind gut ausgelastet.

          Wer etwas vergißt, beschert seinem Vertreter Ärger

          Allein im Jahr 2001 haben die Amtsgerichte in Deutschland mehr als 200000 neue gesetzliche Betreuungen eingerichtet, wissen die Verbraucherzentralen. Fast eine Million Menschen standen unter rechtlicher Betreuung. Viele Verfahren wären nicht notwendig gewesen, wenn die Betroffenen rechtzeitig vorgesorgt hätten. Als die Mutter noch fit war, hätte sie zum Beispiel der Tochter eine umfassende Vollmacht geben können. Wer davor zurückscheut, kann auch Einzelfragen regeln: Wer verwaltet mein Vermögen? Wer regelt meine Bankgeschäfte? Wer sucht einen Heimplatz? Wer kündigt mein Telefon? Das Risiko dabei: Wer etwas vergißt, beschert seinem Vertreter eine Menge Ärger. Sagt die Vollmacht nichts über Versicherungen, müßte extra ein gerichtlicher Betreuer dafür bestellt werden, wenn etwa ein Vertrag zur Auflösung ansteht.

          Wichtig ist, Vollmachten rechtzeitig auszustellen, solange man noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Hat der Ehepartner erstmal einen Schlaganfall, ist der Jammer groß, wenn die Ehefrau noch nicht einmal an die Konten rankommt oder Rechnungen bezahlen kann. Formal sind die Anforderungen niedrig, damit eine Vorsorgevollmacht anerkannt wird. Die Verbraucherzentralen raten: Sie sollte schriftlich verfaßt, gut lesbar und eindeutig sein sowie Name, Adresse, Geburtsdatum und Unterschrift enthalten. Etwa alle zwei Jahre sollte sie überprüft werden. Mustertexte bieten oft die Justizministerien der Bundesländer an. Eine notarielle Beurkundung empfehlen Anwälte, wenn es um größere Vermögen oder Firmen geht.

          Der Wille des Patienten bleibt auf der Strecke

          Ob alles gut geregelt ist, stellt sich erst im Ernstfall heraus. Längere gerichtliche Auseinandersetzungen haben vor allem Patientenverfügungen nach sich gezogen. "Dürfen wir Menschen verhungern lassen?" Diese Frage stellen sich Juristen und Mediziner. Dazu legte der Bundesgerichtshof im Frühjahr ein Urteil vor, das kontrovers kommentiert wurde (BGH XII ZB 2/03 vom 17. März 2003). Es ging um einen 72jährigen mit einem Gehirnschaden. Der Koma-Patient wurde über eine Magensonde ernährt. Seine Verwandten verlangten, die Zwangsernährung einzustellen, da der Betroffene dies vorab so festgelegt hatte. Wenn wie hier alle Betroffenen unsicher sind, kann das zu einem nervenaufreibenden, monatelangen Hickhack führen. Entscheidungen werden vom Arzt auf den Betreuer, von diesem zum Vormundschaftsrichter und wieder auf den Arzt geschoben. Auf der Strecke bleibe dabei der Wille des Patienten, kritisieren Anwälte.

          Sieben Millionen Menschen haben nach Angaben der Deutschen Hospiz-Stiftung eine Patientenverfügung verfaßt. Ob ihr Wille jemals geschieht oder nicht - der Wert einer gut durchdachten Vorsorge könne gar nicht hoch genug veranschlagt werden, rät das bayerische Justizministerium: Für Angehörige, Ärzte, aber nicht zuletzt auch für den Betroffenen selbst.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.