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Volksabstimmung : Schweizer lockern nach 60 Jahren das Abtreibungsrecht

  • Aktualisiert am

Zwei Nonnen stimmen in Sion über das Schweizer Abtreibungsrecht ab Bild: dpa

Die Eidgenossen haben in einer Volksabstimmung ihr Abtreibungsrecht gelockert. Künftig gilt eine Fristenlösung.

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          In der Schweiz wird nach 60 Jahren das Abtreibungsrecht gelockert. In einer Volksabstimmung sprachen sich am Sonntag 72 Prozent der Wähler für eine Fristenregelung aus, die straffreie Schwangerschaftsabbrüche in den ersten zwölf Wochen ermöglicht. Dazu muss die Frau schriftlich eine Notlage geltend machen und vor dem Eingriff eine eingehende ärztliche Beratung einholen. Ein Gegenvorschlag zur Verschärfung des Rechts wurde mit über 82 Prozent der Stimmen abgelehnt.

          Bislang gehörten die Bestimmungen zum Schwangerschaftsabbruch in der Schweiz zu den restriktivsten in Europa. Der Schwangerschaftsabbruch ist in der Schweiz seit 1942 im Strafgesetzbuch geregelt. Demnach werden schwangere Frauen, die abtreiben oder abtreiben lassen, bislang mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft - es sei denn der Abbruch erfolgt, weil der Schwangeren ein schwerer gesundheitlicher Schaden droht.

          Strafverfolgung zuletzt vor 14 Jahren

          Gesetz und Realität klafften aber auseinander: Seit 1988 wurde keine Verurteilung mehr ausgesprochen, und in den Kantonen werden die Bestimmungen mehr oder weniger liberal ausgelegt oder gar nicht mehr angewandt. Nach Angaben der Regierung gab es jedes Jahr rund 16.000 legale Abtreibungen. Laut Gesundheitsbehörden wird in der Schweiz im Schnitt eine von acht Schwangerschaften abgebrochen. Zuletzt war eine Frau vor 14 Jahren wegen einer Abtreibung bestraft worden.

          Konservativer Gegenvorschlag abgelehnt

          Der zweite Vorschlag „Für Mutter und Kind“ war von konservativen und religiösen Gruppen eingebracht worden. Demnach sollte das Abtreibungsverbot in der Verfassung festgeschrieben werden. Einzig wenn das Leben der Mutter unmittelbar bedroht ist, wollte diese Initiative eine Abtreibung erlauben. Bei einer Schwangerschaft infolge einer Vergewaltigung sollte das Kind zur Adoption freigegeben werden. Die katholischen Bischöfe in der Schweiz unterstützten den Vorschlag, sprachen aber keine Abstimmungsempfehlung aus.

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