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Sachsen : Erstmals Vogelgrippe bei Nutztieren

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

In Deutschland ist zum ersten Mal das Vogelgrippevirus H5N1 bei Nutztieren nachgewiesen worden. Sachsens größter Geflügelbetrieb mit rund 14.000 Puten, Gänsen und Hühnern wurde abgesperrt. 700 Tiere sind bereits verendet. Mit der Tötung soll noch heute begonnen werden.

          In Deutschland ist nun erstmals auch bei Nutzgeflügel das Vogelgrippevirus vom Typ H5N1 festgestellt worden. Betroffen ist ein Geflügelzuchtbetrieb im sächsischen Wermsdorf.

          Wie das sächsische Sozialministerium bestätigte, hat das nationale Referenzlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems das Virus in mehreren Puten nachgewiesen. 700 Tiere sollen an dem Grippevirus verendet sein, hieß es in unbestätigten Berichten. Der Krisenstab wird sich am Donnerstag vormittag mit der neuen Entwicklung befassen, hieß es im Bundeslandwirtschaftsministerium. Minister Horst Seehofer (CSU) will dann im Anschluß über mögliche weitere Maßnahmen berichten. Am Abend wurde festgestellt, daß es sich um den derzeit in der Wildvogelpopulation vorkommenden hochansteckenden und auch für den Menschen gefährlichen H5N1-Virusstamm (Typ Asia) handelt.

          Tote Tiere schon Mitte März

          Schon am Dienstag waren in Wermsdorf an der Grenze zwischen den beiden Landkreisen Torgau-Oschatz und Muldentalkreis zwanzig verendete Puten gefunden worden. Ein Amtstierarzt stellte zunächst das H5-Virus fest. Naturschützer und Kommunalpolitiker haben nach Angaben der „Leipziger Volkszeitung“ in der Vergangenheit immer wieder auf angeblich drohende Gefahren hingewiesen, da sich der Betrieb in der Nähe von Gewässern befindet, an denen Wildvögel rasten. Der Betrieb hatte trotz der für ganz Deutschland geltenden Stallpflicht für Geflügel eine Ausnahmegenehmigung. Trotz des Aufstallungsgebotes durften die Gänse weiter im Freien getränkt werden.

          Der betroffene Betrieb in Wermsdorf

          Noch am Mittwoch sollte mit der Tötung der rund 14.000 Tiere in dem Betrieb - Puten, Gänse und Hühner - begonnen werden. Zuerst sollten die 8500 Puten, dann die etwa 3500 Hühner und Gänse getötet werden. Nach einer Vereinbarung mit den Ländern würden auch bei einer weniger gefährlichen Variante des H5N1-Virus solche Vorkehrungen wie die Tötung von Geflügel umgesetzt, sagte eine Sprecherin von Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer. Der Geflügelhof wurde gesperrt, zudem wurde - wie für solche Fälle vorgesehen - ein Sperrbezirk (Drei-Kilometer-Radius), ein Beobachtungsgebiet (Zehn-Kilometer-Radius) und eine Kontrollzone (Dreizehn-Kilometer-Radius) eingerichtet.

          „Man muß schnell handeln“

          Der Bauernverband erwartet nicht, daß sich die Vogelgrippe nun flächendeckend bei Nutzgeflügel in Deutschland ausbreitet. „Wir sind sehr sicher, daß das gelingen wird, weil das Virus sich nur durch direkte Kontakte überträgt“, sagte der Generalsekretär des Verbandes, Helmut Born, in Berlin. Die Geflügelhalter seien gut vorbereitet. „Wenn ein solcher Fall eintritt, muß man schnell handeln, um jegliche Ausbreitung zu verhindern.“ Born wies darauf hin, daß die Bestände, in denen H5N1 aufgetreten ist, umgehend getötet worden seien. Wenn ein Sperrbezirk schnell leergeräumt werde und kein Tiertransport stattfinde, könnten die Handelsbeschränkungen schnell leergeräumt werden. „Das macht uns optimistisch.“

          Geflügelfleisch sollte nach Ansicht des Bauernverbands nun nicht von der Speisekarte gestrichen werden. „Es ist ein wirklich sicheres und gutes Produkt“, sagte Born. Geflügelprodukte würden genau kontrolliert. Die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Geflügelwirtschaft sind nach Ansicht Borns noch nicht absehbar. „Es wird für alle Geflügelhalter viel schwieriger, weil es Handelsrestriktionen gibt durch die EU und von anderen Ländern“, sagte der Bauernverbands-Generalsekretär. Allein bis März hatte die Geflügelwirtschaft wegen sinkender Nachfrage Einbußen von rund 150 Millionen Euro verzeichnet.

          Jeder Deutsche ißt 18 Kilo Geflügel im Jahr

          In deutschen Ställen und Geflügelbetrieben leben rund 110 Millionen Hühner, Enten, Puten, Gänse oder sonstiges Geflügel. Das mit Abstand größte deutsche Geflügelland ist Niedersachsen mit einem Anteil von mehr als 40 Prozent am bundesweiten Bestand. In Sachsen werden rund sieben Prozent des deutschen Hühnerbestandes gehalten, darunter fast jede zehnte Legehenne. Von den mehr als 7800 landwirtschaftlichen Betrieben in Sachsen besitzt jeder dritte eine oder mehrere Geflügelarten.

          Jeder Deutsche verzehrt nach Angaben des Verbandes der niedersächsischen Geflügelwirtschaft pro Jahr etwa 18 Kilogramm Geflügelfleisch, darunter zehn Kilo Hähnchen-, sechs Kilo Puten- und rund zwei Kilo Enten- und Gänsefleisch.

          Vogelgrippe, Geflügelpest, Hühnerinfluenza - die jetzt auch in Deutschland bei Nutzgeflügel ausgebrochene Tierseuche hat verwirrend viele Namen. Der historisch entstandene Begriff Geflügelpest unterstreicht die Schwere der Krankheit - „Pest“ steht umgangssprachlich für einen Seuchenzug mit zahlreichen Todesfällen, unabhängig vom Erreger.

          Da die Erreger der Klassischen Geflügelpest Grippeviren sind, haben sich die Tiermediziner international auf die Bezeichnung Aviäre Influenza geeinigt, übersetzt „Vogelgrippe“ (englisch „bird flu“). Je nach betroffener Geflügelart wird auch von beispielsweise Hühner-, Gänse- oder Enteninfluenza gesprochen. Bei der Aviären Influenza unterscheiden die Fachleute schwach-, mittel- und hoch pathogene (krank machende) Erreger.

          Seuchenzüge hochpathogener Erreger wie des Vogelgrippevirus H5N1 werden im deutschen Sprachraum häufig auch weiterhin als Klassische Geflügelpest bezeichnet. Neben der Klassischen Geflügelpest gibt es noch die Atypische oder Asiatische Geflügelpest, deren Symptome denen der klassischen Seuche zum Verwechseln ähnlich sind. Erreger dieser so genannten Newcastle- Krankheit sind jedoch keine Influenza- sondern Paramyxoviren. Wie einige Stämme der Vogelgrippeviren können auch Paramyxoviren Menschen krank machen.

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